Sozialarbeit Mittler für Flüchtlinge und Ellwanger

Thomas Lechner ist neuer Streetworker in Ellwangen. Er tritt sein Amt am 1. September an.
Thomas Lechner ist neuer Streetworker in Ellwangen. Er tritt sein Amt am 1. September an. © Foto: Fred Ohnewald
Ellwangen / Fred Ohnewald 24.08.2017
Thomas Lechner nimmt am 1. September seine Arbeit als Streetworker in Ellwangen auf. Er wird Ansprechpartner für Asylsuchende und Einheimische sein.

Nachdem im Jahr 2015 zeitweise fast 5000 Flüchtlinge in der Ellwanger Landeserstaufnahmestelle (LEA) lebten und dann natürlich auch in großer Zahl in der Innenstadt anzutreffen waren, erscheint die heutige Zahl von um die 350 Personen fast marginal. Trotzdem ist es sicher sinnvoll, in LEA und Stadt wieder einen hauptamtlichen Streetworker zu haben. Kürzlich stellten DRK und Stadtverwaltung gemeinsam den neuen Mann vor: Thomas Lechner, 36 Jahre alt, gebürtiger Ellwanger.

Streetworker sind im Prinzip Sozialarbeiter, die auf ihre Klientel zugehen, sie auf der Straße – daher der Name – ansprechen und ansprechbar sind. In Ellwangen wird Thomas Lechner ein Büro in der LEA haben, aber wohl hauptsächlich in der Innenstadt anzutreffen sein, wo Flüchtlinge und Einheimische gegenseitig die kulturellen Unterschiede studieren – mal mit mehr, mal mit weniger Vergnügen. Auch in Schrez­heim, dem der LEA nächstgelegenen Teilort Ellwangens, will Lechner präsent sein.

Was er tut: Er ist Ratgeber für die Flüchtlinge, Helfer, sicher auch mal mit mahnend erhobenem Zeigefinger, und umgekehrt steht er auch den Einheimischen als Ansprechpartner zur Verfügung, wenn jemand Fragen oder gar Sorgen hat. Lechner ist damit ein wenig Mädchen für alles, was mit dem sozialen Zusammenleben von Ellwangern und Flüchtlingen zu tun hat.

Thomas Lechner ist nicht der erste Streetworker in Ellwangen, er hat vielmehr zwei Vorgänger, doch seit Jahresbeginn war kein hauptamtlicher Streetworker mehr im Dienst, die Arbeit wurde nur kommissarisch verwaltet. „Wir haben Sie richtig herbeigesehnt“, sagte deshalb Oberbürgermeister Karl Hilsenbek an Lechners Adresse, als der im Rathaus der Presse vorgestellt wurde.

Am 1. September beginnt Lechner mit seiner Arbeit. Der 39-Jährige hat in den letzten Jahren im sozialen Dienst des DRK in Aalen gearbeitet, war unter anderem zuständig für Leute im freiwilligen sozialen Jahr und ehrenamtliche Helfer. Seit zwei Jahren studiert Lechner aber auch Sozialmanagement. Die Vollzeitstelle wird formell vom Deutschen Roten Kreuz getragen, bezahlt wird die Stelle indes vom Land Baden-Württemberg – oder vom Bund? So ganz sicher waren sich die Teilnehmer der Pressekonferenz nicht; vieles spricht indes für das Land als Zahlmeister.
Die Stelle ist jeweils für ein Haushaltsjahr im Etat fixiert; nachdem 2018 beim DRK ein Doppelhaushalt folgt, sollte die Stelle also zumindest bis Ende 2020 sicher sein.

Andere Nationen als 2015

Oberbürgermeister Karl Hilsenbek wies darauf hin, dass die Zusammensetzung der Nationen in der LEA heute eine ganz andere sei als etwa im Jahr 2015. Zurzeit wird das Bild von Schwarzafrikanern bestimmt. Damit erwarten den Streetworker „andere Aufgaben und eine andere Mentalität“ als seine Vorgänger, sagte das Ellwanger Stadtoberhaupt.

Thomas Lechner seinerseits hat das Thema „LEA Ellwangen“ bisher sozusagen eher von außen betrachtet und fand es vorbildlich, „wie reibungslos und unproblematisch“ die Ellwanger Bürger Unterstützung gewährt haben. Dass die LEA nun vermehrt als Belastung empfunden werde, sei ihm klar, weshalb er um noch mehr Verständnis werben wolle.

Lechner will auch das Gespräch mit den Einzelhändlern vor Ort suchen und deren mögliche Probleme mit Flüchtlingen erörtern, vor allem aber „möglichst viel in der Stadt auf Achse“ sein, wie er sagt. Wo und wie er zu erreichen ist, wird bis zu seinem Arbeitsbeginn noch bekannt gegeben.