Falk legt sich die rote Pille auf die Zunge. Ohne einen Schluck Wasser rutscht sie in seinen trockenen Hals. Langsam entfaltet das Ecstasy seine Wirkung: Seine Hände schwitzen, sein Körper dreht auf, die Farben seiner Umgebung beginnen für ihn zu leuchten.

Egal, ob eine Handvoll halluzinogener Pilze, Haschisch im Wert von hundert Euro oder Amphetamine – Falk hat sich in den vergangenen Monaten drogenmäßig ausprobiert. „LSD hätte ich auch gerne genommen, aber es ist schwer, da ran zu kommen. Koks hat mich nie wirklich gereizt, Speed hat mir gereicht“, erzählt er. Seit er 14 ist, steht Falk in Kontakt zu Drogen. Heute, mit 21, will er etwas gegen seine Sucht tun. Denn der Drogenmissbrauch hat ihn verändert: Führerscheinentzug, Strafanzeigen und Unfälle zeigten ihm, dass er insbesondere seinen Alkoholkonsum nicht im Griff hat.

Wer verträgt am meisten Alkohol?

Seinen ersten Rausch hatte Falk mit 13 Jahren: Eine 16-jährige Freundin besorgt Alkopops, die er und seine Clique hinunterschütten. Der Abend endete für ihn mit dem Kopf über dem Klo, in das er sich mehrmals übergibt. Eine Erfahrung, die eigentlich abschreckend hätte wirken können, sie bewirkt das Gegenteil. „Ich fand Gefallen am Alkohol. Es wurde für mich zur Regelmäßigkeit, mich am Wochenende mit Kollegen zu betrinken. Das ist so ein typisches Männerding. Du willst angeben, dass du am meisten verträgst.“ So dosierte er seinen Pegel hoch. Schon mit 17 wurde er mit 1,4 Promille Alkohol im Blut von der Polizei kontrolliert – und verlor seine Fahrerlaubnis.

Zwei Flaschen Whiskey pro Woche

Das Mädchen, mit dem er seine erste ernste Beziehung führte, sagte ihm mit 17 offen: „Falk, du bist Alkoholiker.“ Reif genug und bereit, um auf solche Äußerungen einzugehen, war er nicht. Er wollte mehr. Vor allem jetzt, in diesem Alter, in dem alle von Wochenendräuschen und -trips schwärmen. „Irgendwann fing ich an, vor Schulbeginn ein, zwei Kurze zu trinken. Einfach, um lockerer zu werden“, erzählt er. Schnell wurden daraus zwei Flaschen Whisky pro Woche. Wenn er am Wochenende trank, dann immer bis zum Blackout.

Mit Problemen umzugehen, hat Falk nie gelernt – dessen ist er sich bewusst. Jedes Unwohlsein, jede Unsicherheit und Überforderung betäubt er mit Drogen – meistens Gras oder Alkohol. So gibt er sich nicht die Chance, er selbst zu sein. „Der Alkohol hat mich verändert. Was ich unter Alkoholeinfluss getan habe, wäre mir nüchtern nie passiert. Einmal schlug ich eine Tür ein und wunderte mich morgens über meinen blutigen Handrücken. Einen Bekannten von mir versetzte ich mit einem Schlag ins k. o. – ohne, dass ich heute weiß, warum überhaupt“, sagt Falk.

Fall will wieder er selbst sein

Anzeigen wegen Beamtenbeleidigung oder Hausfriedensbruch waren Begleiterscheinungen seiner durchgefeierten Nächte. Halluzinogene Pilze und das Spice kamen dabei aufputschend dazu. Gras diente der Beruhigung und dem Wunsch nach „angenehmen Gedanken“. Seit neun Jahren ist Falk in psychologischer Behandlung. Bereits mit 18 wurde ihm empfohlen, einen stationären Entzug wahrzunehmen. Erst als er vergangenen Sommer erneut unter Alkoholeinfluss einen Unfall baute, platze der Knoten.

„Ich will eine Therapie machen, um zu lernen, wie man mit Problemen richtig umgeht. Bisher bin ich nur von Tag zu Tag getapst. Ich bin nicht mehr der, der ich sein will“, beschreibt Falk seine Situation. Durch eine stationäre Therapie hofft er jetzt wieder bewussteren Umgang zu harten und weichen Drogen zu erlernen. Er will wieder er selbst sein.

Anm. d. Red.: Das Gespräch fand unmittelbar vor Beginn der Therapie vor vier Wochen statt. Falk berichtet momentan davon, dass er ein „ganz neues Lebensgefühl“ erlebe.