Crailsheim Kuwo: mit viel Soul und Sinn für Show

Crailsheim / Ralf Snurawa 24.07.2018
„Naturally 7“ bringen am Ende des mehrtägigen Kultur-Events auf dem beinahe überfüllten Schweinemarktplatz in Crailsheim das Publikum noch einmal zum Singen und Tanzen.

Als die „beste A-cappella-Gruppe der Welt“ bezeichnete Quincy Jones die seit 18 Jahren bestehende Vokalgruppe „Naturally 7“. Und dass er damit nicht falsch lag, das bewiesen die sieben Sänger aus New York am Sonntagabend beim Abschlusskonzert des Kulturwochenendes auf dem Schweinemarktplatz – ohne Regen übrigens!

„Feel It“ haben sie ihre ganz eigene Version von Phil Collins‘ „In The Air Tonight“ genannt: angereichert mit souligen Stimmen und ohne große Halleffekte. Da gibt’s Rap-Einlagen, tanzbaren, mittels Mouth-Percussion erzeugten Beat und schön auf die ganz unterschiedlichen Stimmen aufgefächerte Stimmverläufe. Dass es noch verdichteter, aber auch inniger geht, bewiesen sie mit Nachahmungen von Streichinstrumenten etwa zu „Run Away“, das Dwight Stewart Raum zur Entfaltung seiner Stimme bot. Noch inniger wurde es mit dem Largo-Beginn aus dem langsamen Satz von Antonín Dvoráks neunter Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, das sie zur gesanglichen Hingabe mit „Going Home“ als Text werden ließen. Da wirkte „On The Rivers of Babylon“ im Anschluss fast schon wie ein musikalisches Verbrechen, mit dem sie aber immerhin das Publikum zum Mitsingen bringen konnten.

„Instrumenten-Zweikampf“

Am Ende lieferten sich Bassist Kelvin „Kelz“ Mitchell und Mouth-Percussionist Warren Thomas, der später auch eine Solo-Performance seines Könnens lieferte, einen kleinen Instrumenten-Zweikampf. Ricky Cort zeigte in seiner Cover-Version von Gnarls Barkleys „Crazy“, wie er eine verzerrte E-Gitarre zu imitieren imstande ist. Abgesehen von der Choreografie der Gruppe auf der Bühne ließen sich die Zuhörer gern zum Mittanzen oder Mithüpfen vom manchmal durch längere Moderationen auffallenden Roger Thomas einladen.

Spätestens zu Stings „Englishman in New York“ wurde fleißig mitgetanzt. Gerade hier zeigte sich, dass sich „Naturally 7“ auch am Jazz orientierten und etwa einen Posaunen-Chorus nachahmten. „Fix You“ als Schlussstück bestätigte das.

Richtung Reggae ging es mit Bob Marleys „One Love“. Jüngere Zuhörerinnen belohnten es mit den mit ihren Händen gezeigten Herzen. Roger Thomas holte Marley ins Politische mit seinem heftig beklatschten „One Human Race“ (eine Menschheit) – im Gegensatz zum mehr und mehr aufkommenden Rassismus weltweit.

Vom Älterwerden berichtete er im Gespräch am Bühnenrand mit einem siebenjährigen Zuhörer und ließ nach einem „Don‘t rush to get older“ (Beeil dich nicht, älter zu werden) „Stressed Out“, was Rod Eldrigde die Möglichkeit bot, als „Vocal DJ“ in Erscheinung zu treten. Vorsingen für das nachsingende Publikum stand dann am Ende vom mit Drive wiedergegebenen „Ready Or Not“ – dann zog es die Zuhörer Richtung Feuerwerk am Eisweiher.

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