Crailsheim / Christine Hofmann Die Initiatoren der Demonstration „Crailsheim ist bunt“ vom vergangenen Freitag sind in sozialen Netzwerken und per E-Mail Anfeindungen ausgesetzt. Bisher gibt’s keine Anzeige.

Überrascht war Dennis Arendt nicht, als am Tag nach seiner Ankündigung, als Antwort auf die AfD-Veranstaltung mit Jörg Meuthen am 29. März eine Demonstration in der Crailsheimer Innenstadt zu organisieren, schon gleich die erste E-Mail in seinem Postfach landete. Es war kein Glückwunschschreiben.

In den folgenden Tagen trafen weitere Nachrichten ein – über verschiedene Kanäle und Adressaten. Nachdem in unserer Zeitung über die AfD-Veranstaltung und die Demonstration berichtet wurde, wurden die Reaktionen „intensiver“, teilt der SPD-Stadtrat mit. „Natürlich habe ich damit gerechnet, dass Anfeindungen kommen würden. Aber plötzlich als Hauptfeind der AfD in Crailsheim dargestellt zu werden, ist schon ein komisches Gefühl“, sagt Arendt.

Auf Facebook habe es regelrechte Hasskommentare gegeben. „Die Anzahl an E-Mails liegt bei mir bei sieben, die Vielzahl der anfeindenden Kommentare in den sozialen Netzwerken habe ich nicht weiter verfolgt“, sagt der 26-jährige Crailsheimer. Angedroht wurde in den E-Mails nichts – „glücklicherweise“, sagt Dennis Arendt.

Zusätzlich zu den E-Mails und Facebook-Kommentaren tauchten in der Stadt – im Bürgerbüro etwa und in der Stadtbücherei – anonyme Zettel auf, auf denen drastische Worte stehen. „Es handelt sich um Ausschnitte aus Liedtexten mit gewaltverherrlichendem Inhalt. Sie stammen von einer Band, die der linken Szene zugerechnet wird“, erklärt Rudolf Biehlmaier, Pressesprecher der Polizei Aalen. Die Polizei prüfe eine strafrechtliche Verfolgung.

Zum Besuch von Jörg Meuthen, Spitzenkandidat der AfD für die Europawahl, am Freitag in Crailsheim trifft sich das Bündnis „Crailsheim ist bunt“ zu einer friedlichen Demonstration.

Wer die Zettel verteilt hat, darüber könne zum jetzigen Zeitpunkt nur gemutmaßt werden, so Biehlmaier. „Es wäre naheliegend, dass sie von Personen aus der rechten Szene stammen, die darauf hinweisen wollen, was die linke Szene denkt.“

Der stellvertretende Sprecher des AfD-Kreisverbands Hohenlohe/Schwäbisch Hall, Jens Moll, hat in seiner Ansprache auf der Wahlveranstaltung in Onolzheim Arendt und dem Organisationsteam von „Crailsheim ist bunt“ vorgeworfen, sie hätten „nachweislich zwei linksextreme Gruppierungen mit ins Boot genommen“. Dadurch bestehe die Gefahr, „dass der Krawall auch nach Crailsheim geholt wird“.

Diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt: Sowohl die Wahlkampfveranstaltung in Onolzheim als auch die Gegendemonstration in der Innenstadt verliefen friedlich. Es gab, abgesehen von den schriftlichen Anfeindungen, im Vorfeld lediglich eine Farbschmiererei an der Sport- und Festhalle in Onolzheim.

Die Polizei ging von Anfang an von einem friedlichen Verlauf beider Veranstaltungen aus. „Wenn alles friedlich bleibt, sind wir als Polizei zufrieden“, sagt Sprecher Biehlmaier. Grundsätzlich gilt das Recht auf Meinungsfreiheit. Allerdings gibt es Grenzen. Wenn eine Strafanzeige eingeht, müsste im Einzelfall geprüft werden, ob eine Straftat vorliegt, es sich um Beleidigung oder üble Nachrede handelt. „Wenn dem so wäre, müsste der Betroffene aktiv werden. Bislang ist bei uns aber noch keine Strafanzeige eingegangen“, so Biehlmaier.

Dennis Arendt überlegt noch, ob er seine Unterlagen an die Polizei übergeben soll. „Bisher sind wir im Organisationsteam davon ausgegangen, dass es sich bei den üblichen Anfeindungen wohl um Kollateralschäden handelt, sprich, dass man mit diesen Reaktionen leben und rechnen muss“, sagt der Rechtsreferendar. Eine endgültige Entscheidung will er aber von einem Gespräch mit der Crailsheimer Polizei abhängig machen.

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