Crailsheim Bestattungsfirma setzt sich mit Leib und Seele ein

Ob Fragen zur Trauerfeier, Wahl des Blumenschmuckes oder Hilfe beim Rücktransport im Todesfall im Ausland: Undine Ewert und ihre Tochter Josefin (rechts) kümmern sich um jedes Detail, um den Hinterbliebenen den Abschied von den Angehörigen zu erleichtern.
Ob Fragen zur Trauerfeier, Wahl des Blumenschmuckes oder Hilfe beim Rücktransport im Todesfall im Ausland: Undine Ewert und ihre Tochter Josefin (rechts) kümmern sich um jedes Detail, um den Hinterbliebenen den Abschied von den Angehörigen zu erleichtern. © Foto: Foto Kerstin Dorn
Crailsheim / Heribert Lohr 24.01.2019
Das Bestattungsunternehmen Lindenmeyer in Crailsheim ist seit 45 Jahren am Markt. Gerade auch das Geschäftsfeld Vorsorge gewinnt für den Fachbetrieb immer mehr an Bedeutung.

Es gibt Betriebe, die stehen im Volksmund gleichsam für eine Branche. Für das Bestattungsunternehmen Lindenmeyer und Crailsheim gilt dieses Zusammenspiel zweifelsfrei. Denn 45 Jahre Lindenmeyer, das ist auch ein beredtes Beispiel für den Wandel einer Branche.

1973 hatten Hugo und Erika Lindenmeyer das Bestattungsunternehmen gegründet. Der Name blieb, auch als die Firma an die Familie Ewert überging. Zur Jahrtausendwende übernahmen dann Undine Ewert und ihr Mann Jobst das eingeführte Familienunternehmen von den Schwiegereltern. Seit dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren führt Undine Ewert den Betrieb nun gemeinsam mit ihrer Tochter.

Umfassende Dienstleistung

Die Aufgabe erfordert viel Kompetenz und noch viel mehr Einfühlungsvermögen. Denn wenn die Kunden die Leistungen von Undine Ewert und ihrer Tochter Josefin „abrufen“, sind sie verständlicherweise meist auf sich selbst zurückgeworfen.

Ein Bestattungsunternehmen mit dem entsprechenden Service zu führen und zu leiten, heißt immer auch als Unternehmer ein Grenzgänger zu sein. Denn der Tod, so sehr er auch zum Leben gehört, ist immer individuell, berührt die Angehörigen und Hinterbliebenen in ihren Grundfesten. Diese tiefe Emotionalität professionell wie einfühlsam zu begleiten, gehört zu den ganz großen Herausforderungen.

Die Firmenphilosophie wird von einem hohem Qualitätsanspruch getragen und so zum Synonym für die Hilfe und Unterstützung, die den Betroffenen in schweren Momenten zuteil wird.

Über die Jahre hat sich das Institut etwas vergrößert, wo einst in unmittelbarer Nachbarschaft ein Malergeschäft war, finden sich heute Beratungs- und Ausstellungsräume.“ Doch das sind nur Äußerlichkeiten. Auch wenn die Kernaufgabe ewig bleibt, hat sich das Leistungsportfolio doch grundlegend verändert. „Früher“, blickt Undine Ewert zurück, „war unsere Tätigkeit handwerklich orientiert, eher vom Bestatten selbst getragen.“ Heute steht der Name Lindenmeyer für ein komplettes Dienstleistungsangebot. Das Sterben eines Menschen ist für die Hinterbliebenen von vielen Entscheidungen und Formalien begleitet, die es zu organisieren und in geregelte Abläufe zu bringen gilt. Und so bietet das Bestattungsinstitut einen umfassenden Service, der, etwas unspektakulär formuliert, von der Beratung über Formen der Bestattung, dem Grab bis hin zu Details bei der Danksagung reicht. Ob es die Meldungen bei den Kranken- und Rentenkassen sind oder die würdevolle musikalische Umrahmung der Beerdigung – Undine Ewert nimmt den Trauernden die Last. Falls der Verstorbene keiner Religion angehörte, wird auf Wunsch selbst die Trauerrede übernommen.

Oft die ersten Ansprechpartner

„Unsere Arbeit wird aber vor allem von dem Bemühen getragen“, sagt Undine Ewert, „dem Menschen die Zeit zu eröffnen, sich mit Geschehenem auseinanderzusetzen.“ Ein Bestattungsunternehmen ist mehr als nur ein Wirtschaftsunternehmen. „Oft sind wir die ersten Ansprechpartner, wenn ein geliebter Mensch stirbt“, gewährt Undine Ewert Einblicke in den Alltag: „Nicht selten werden wir noch vor dem Arzt benachrichtigt. Deshalb ist unser Telefon auch ständig besetzt: Auch nachts, an Wochenenden oder an Feiertagen kann man uns anrufen.“ Bei aller Erfahrung, die der stete Umgang mit dem Tod mit sich bringt, stellt Undine Ewert an sich und ihre Mitarbeiter hohe Ansprüche: „Unsere Arbeit kann und darf niemals Routine sein. Wir versuchen immer, den Menschen auch etwas Halt zu geben.“ Zusammen mit ihrer Tochter Josefin und fünf Angestellten ist es Undine Ewert gelungen, den Betrieb konsequent weiterzuentwickeln. Das muss auch sein: „Die Form des Abschiednehmens wandelt sich, wie sich die Gesellschaft wandelt“, sagt die erfahrene Geschäftsfrau, und weiß dabei um die Grundsätzlichkeiten, die nur zu verständlich sind: „Der Gedanke an den Tod wird häufig verdrängt, solange es geht.“ Mit Vorträgen in Schulen oder Seniorenheimen, aber auch in Konfirmandenrunden versucht sie, der Scheu vor dem Unabänderlichen entgegenzuwirken, will sie dem Unausweichlichen, wenigstens etwas, den Schrecken nehmen. Es ist auch das Bemühen, „eine ansprechende Bestattungskultur zu entwickeln und zu erhalten“. Aber immer geht es auch darum, den Menschen den Schmerz zu nehmen. Und das ist häufig schwieriger als gedacht. Nicht bewältigte Trauer über den Verlust einer geliebten Person kann krank machen. Hinterbliebene haben nicht selten mit psychosomatischen Erkrankungen zu tun oder gar mit Depressionen zu kämpfen. Und so gehört bei Bedarf auch die Vermittlung qualifizierter Trauerbegleiter zum Leistungsspektrum oder wird der Kontakt zu Selbsthilfegruppen für die Trauerbewältigung hergestellt.

Hilfe für die Seele

Ein besonderer Schwerpunkt der betrieblichen Ausrichtung ist die Bestattungsvorsorge. Viele Menschen möchten, dass ihr Ableben die Nachkommen nicht in Nöte stürzt, sie materiell nicht über Gebühr belastet. Bereits zu Lebzeiten lässt sich regeln, wie die Bestattung individuell gestaltet werden soll, über Treuhandkonten lassen sich finanzielle Belastungen vermeiden. Undine Ewert: „Gerade diese Betreuung im Vorfeld eines Todesfalles hat in der jüngeren Vergangenheit zunehmend an Bedeutung gewonnen.“

Ähnlich wie die Eigentümerin selbst, die erst mit 38 Jahren in diesem Geschäft tätig wurde, stieß auch Tochter Josefin erst später hinzu. Sie absolvierte zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Nach dem Tod des Vaters half sie im elterlichen Betrieb aus, und erfuhr dabei schon bald jene besondere Form der Anerkennung, die letztlich auch für sie zur Triebfeder für das eigene Tun wurde: „Wenn uns die Angehörigen bestätigen, dass sie sich gut und würdevoll vom Verstorbenen verabschieden konnten, dann haben wir alles richtig gemacht“.

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