Prozess Mit Kokain im Wert von 120.000 Euro gehandelt

Kokain aus Südamerika überflutet den deutschen Markt, nur ein Bruchteil wird gefunden: ein Kilogramm in Crailsheim.
Kokain aus Südamerika überflutet den deutschen Markt, nur ein Bruchteil wird gefunden: ein Kilogramm in Crailsheim. © Foto: A3416/_Carmen Jaspersen
Crailsheim / Luca Schmidt 03.01.2018
Ganz schlecht sieht es für einen angeklagten Geschäftsmann aus Crailsheim aus; dieser soll Drogen gedealt haben. Die Beweise scheinen eindeutig zu sein.

Der Crailsheimer Geschäftsmann lächelt, als er den Gerichtsaal in Ellwangen betritt. Er muss langsam gehen, Fußfesseln erschweren ihm das Laufen. Zusätzlich trägt er Handschellen und er wird von zwei Beamten der Justiz in den Gerichtssaal geführt. Allzu rosig ist seine Lage nicht, er sitzt bereits seit Juni in der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart.

Angeklagt ist er wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, genauer: wegen unerlaubtem, gewerbsmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln – und die Beweise scheinen eindeutig.

Jahrelang Drogen verkauft

In drei unterschiedliche Blöcke hat die Staatsanwaltschaft die Anklage gegliedert. Im ersten Punkt wird der Geschäftsmann angeklagt, dass er mindestens seit Januar 2015 bis Juni 2016 von einem anderen Crailsheimer Drogen gekauft hat. Diese hat er zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes wieder an Konsumenten weiterverkauft. Hier wurde das Schuldnerbuch des Crailsheimers bereits ausgewertet. Der zweite Block betrifft den Verkauf von Kokain und Marihuana an verdeckte Ermittler.

Der dritte Anklagepunkt wiegt am schwersten. Hier soll der Angeklagte ein Kilogramm Kokain von zwei Männern aus dem Raum Hannover angefragt haben, mit denen er bereits in Kontakt stand. Dieses wollte er direkt an einen Kunden verkaufen. Die Kunden waren jedoch verdeckte Ermittler.

Die Übergabe sollte am 23. Juni  über die Bühne gehen. Auf dem Parkplatz eines Crailsheimer Supermarktes wurde das Geld gezählt. Ein Kilogramm Kokain klingt erst mal nach gar nicht so viel. Aber wenn man den Preis für ein Gramm im Verkauf, der zwischen 80 und 120 Euro liegt, hochrechnet, ergibt sich eine Summe von 80 000 bis 120 000 Euro. Den verdeckten Ermittlern wollte der Angeklagte das Kokain für 45 000 Euro verkaufen.

Noch während der Übergabe wurde der Angeklagte festgenommen – ebenso die beiden Lieferanten. Gegen sie läuft ebenfalls ein Prozess in Ellwangen.

Gerhard Ilg und Dr. Jens Beynio sind die Richter in beiden Verfahren. Im Parallelprozess haben die beiden Angeklagten aus dem Raum Hannover bereits ausgesagt – und den Crailsheimer Geschäftsmann belastet.

So waren es zwar die beiden Hannoveraner, die die Drogen besorgten. Der Geschäftsmann war aber zuständig für die Verteilung vor Ort. Zustande gekommen war der Kontakt, weil einer der beiden Männer den Crailsheimer kannte, da dieser wohl bereits in der Vergangenheit etwas mit Kokain zu tun hatte, so die Aussage im Parallelprozess. Wenn man die übereinstimmenden Aussagen der verdeckten Ermittler und der beiden Lieferanten betrachtet, steckt der Angeklagte „in einer beschissenen Situation“, wie Richter Ilg es salopp formuliert. Alleine die Mindeststrafen der Anklagepunkte würden reichen, damit der Geschäftsmann erst einmal nicht auf freien Fuß gesetzt wird. Trotzdem hat er bisher nicht ausgesagt.

Mehrere Male wird dem Angeklagten nahe gelegt, dass er „reinen Tisch“ machen solle, je früher desto besser. Insbesondere bei der Rollenverteilung der beiden Männer aus dem Raum Hannover tappt die Staatsanwaltschaft im Parallelprozess im Dunkeln. Hier versuchen die beiden, die Verantwortung auf den jeweils anderen abzuwälzen. Es wäre also „nicht zum Schaden“ des Crailsheimer Geschäftsmanns, wenn er Licht ins Dunkel bringen würde.

Info Der Prozess wird morgen in Ellwangen fortgesetzt. Anwesend sind der Crailsheimer Verkäufer von Drogen an den Geschäftsmann und die beiden Männer aus dem Raum Hannover.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel