Heilbronn/Bühlertann Mit enormer Rendite gelockt

Heilbronn/Bühlertann / ELEONORE HEYDEL 28.05.2014
Vor dem Heilbronner Landgericht hat ein großangelegter Prozess gegen einen 66-jährigen mutmaßlichen Betrüger begonnen. Der Mann soll eine halbe Million Euro ergaunert haben, auch in Bühlertann.

Die Masche des 66-Jährigen funktionierte so: Er verkaufte Anteile an frei erfundenen Solaranlagen, unter anderem auch in Bühlertann.

Die dritte Große Strafkammer des Heilbronner Landgerichts nimmt in diesem Verfahren einen zweiten Anlauf: Schon im März vergangenen Jahres sollte sich der 66-Jährige wegen Betrugs verantworten. Alles war vorbereitet, aber der Angeklagte blieb aus.

Mit europäischem Haftbefehl gesucht, nahm man ihn vier Monate später bei der Einreise in die Schweiz fest. Einen Tag vor Weihnachten wurde er nach Deutschland ausgeliefert.

Man sieht dem Mann auf der Anklagebank nicht an, dass er schon seit zehn Monaten in Haft sitzt: Sein graues Haar trägt er ungestuft in einer schmeichelnden Länge, seine Brille wirkt intellektuell. Ein gepflegtes beige-gestreiftes Oberhemd, eine dunkle Stoffhose und geputzte schwarze Lederschuhe - das Äußere entspricht seiner Berufsbezeichnung als Geschäftsführer oder Finanzagent.

Da passt der wollweiße Stoffbeutel, den er aus dem Gefängnis mitgebracht hat, nicht ganz ins Bild. Aber der Inhalt ist wichtig: Aus dem Beutel zieht er eine gediegene dunkle Dokumentenmappe, in der sich Unterlagen befinden.

Als junger Mann hat er Waschmaschinen und Versicherungen angepriesen, jetzt sieht er sich als Unternehmer und sagt: "Mein Geschäft ist es, in Deutschland Stromanlagen zu bauen."

In flüssigem Banker-Deutsch erläutert er, dass die Geldgeber damals Anschubfinanzierungen für die neuartigen, weltweit beachteten Solar-Projekte geleistet hätten, und zwar per annum zum Wohle der Anleger. Gleichzeitig räumt er ein: "Ich bin kein Techniker." Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft muss er auch nichts von Technik verstehen - die angeblich hocheffizienten Solaranlagen gibt es nämlich laut Anklage gar nicht.

Alles soll eine Finte sein, um Leute zu betrügen. In den Jahren 2009 und 2010 soll der Mann in sechs Fällen Anleger verleitet haben, ihre Lebensversicherung oder hohe Bargeldbeträge in die Anlagen zu investieren. Insgesamt 500000 Euro soll er bekommen haben. Bisher hat er noch keinen Cent zurückgezahlt. Das Geld will er in die Schweiz transferiert haben.

Die Ladung zum ersten Verhandlungstermin im März 2013 hat der vorbestrafte Mann nach eigener Aussage nicht bekommen: "Ich war in Dubai, hab gearbeitet." In seiner Argumentation sind die Geldgeber in Dubai eine wichtige Säule. Den deutschen Anlegern soll er versprochen haben: "Die Scheichs steigen ein." Einem Ehepaar aus Ulm soll er zugesagt haben, für einen Einsatz von 100000 Euro gebe es einen Monat später 200000 Euro zurück.

21 Zeugen sollen in diesem Verfahren gehört werden. Außerdem wird ein Sachverständiger für Fotovoltaikanlagen zu Wort kommen. Bis zum 24. Juli ist terminiert. Vielleicht wird es aber mit Hilfe der beiden Pflichtverteidiger René Graf zu Berckheim und Freiherr Alexander von Malsen-Waldkirch (beide Stuttgart) eine sogenannte Verständigung geben, die den Prozess abkürzen kann.

Rechtsanwalt Graf zu Berckheim, der den ersten Verhandlungstermin ohne seinen verhinderten Kollegen alleine bestritt, beklagt das wenig gute Verhältnis zur Haller Staatsanwaltschaft. Das Klima sei "ganz frostig". Der Anwalt: "Da sind verschiedene Sachen, die vehement für den Angeklagten sprechen, die von der Staatsanwaltschaft vergessen sind." Zusammen mit seinem Kollegen will er diese Gesichtspunkte am nächsten Verhandlungstag, dem 6. Juni, zur Sprache bringen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel