Sichelhenket Mit der Sichelhenket feiern Roßfelder und Gäste das Erntedankfest

Roßfeld / CHRISTINE HOFMANN 16.09.2013
Die Ernte ist eingeholt, es darf gefeiert werden. Das taten die Roßfelder am Wochenende bei ihrer Sicherhenket - nach guter alter Tradition mit Saurennen, Leckerbissen aus ländlicher Küche und viel Drumherum.

Manche Sau war kaum zu halten, manche musste angeschoben werden und manche brauchte gar ein paar Umdrehungen am Ringelschwänzchen - das Saurennen sorgte als Höhepunkt der Roßfelder Sichelhenket gestern wieder für reichlich Unterhaltung. Für Gisela Sackreuter, die zum 30. Mal als Treiberin durch den von Strohballen und zahlreichen Schaulustigen gesäumten Parcours lief, reichte es diesmal zwar nur für den letzten Platz. Doch Blumen und ein Kuchen zum Jubiläum stimmten die Maulacherin trotzdem höchst zufrieden. "Für mich ist das alles eine Mordsgaudi", lachte Gisela Sackreuter - und sprach damit aus, was viele Roßfelder denken.

Bürgermeister Herbert Holl, der das traditionelle Saurennen eröffnete, lobte das Fest als tollen Auftakt von drei wichtigen Crailsheimer Festen. Nach der Roßfelder Sichelhenket folgen das Fränkische Volksfest und der Onolzheimer Hammeltanz. "Ab heute beginnt also eine schöne Zeit", so Holl.

Wer zwischen Sautreiben, Spiel- und Festbetrieb ein wenig Ruhe suchte, war in den Heimatstuben genau richtig. Hier half Inge Kaiser heimatkundlich Interessierten beim Eintauchen ins Dorfleben vergangener Zeiten. Besucherin Klara Hanselmann aus Schrozberg durfte die Sonntagshaube, deren feine Strickarbeit sie bewunderte, gleich einmal aufsetzen. "Die älteren Besucher freuen sich immer wieder, ein bekanntes und fast vergessenes Stück in unserer Ausstellung zu finden. Sie kennen auch noch viele alte Geschichten zu den ausgestellten Gegenständen", berichtet Inge Kaiser, deren Vater Georg Bartelme die Sammlung gemeinsam mit seinem Freund Otto Stimpfich in den 1960er-Jahren begonnen hat. Die Heimatstube wurde 1991 eröffnet. Inzwischen wurde sie räumlich und um einige Exponate erweitert. Pünktlich zur Sichelhenket wurde in Zusammenarbeit mit dem Crailsheimer Stadtarchiv ein Flyer herausgegeben, der einen Rundgang durch die Ausstellung zeigt. "Mit dem Flyer wollen wir junge und alte Menschen auf unsere Heimatstube aufmerksam machen. Ziel ist, das alte Wissen an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben", sagt Inge Kaiser, die auf Anfrage Führungen anbietet.

Für die Roßfelder Dorfmusikanten, die vom Frühschoppen bis zum Abend für musikalische Unterhaltung am Dorfbrunnen sorgten, war die diesjährige Sichelhenket ein besonderes Ereignis. Kapellmeister und Gründungsmitglied Mathias Hubner gab nach über 20-jähriger Dirigententätigkeit den Taktstock an seinen Nachfolger Kurt Müller weiter. "Wir erleben Deinen letzten Tag als Leiter unseres Orchesters mit ein bisschen Wehmut", sagte Otto Limpf, Abteilungsleiter der Dorfmusikanten, "hatten wir doch mit Dir einen guten Kameraden, einen väterlichen Freund und einen immer ausgeglichenen Chef vor uns." Ein Grund zum Traurigsein sei dies also nicht, schließlich gebe Mathias Hubner nur die Leitung ab, nicht aber seinen Platz unter den Musikern. Außerdem habe der neue Dirigent als musikalischer Leiter der Roßfelder Dorfmusikanten bereits beim Weihnachtskonzert im vergangenen Dezember seine Feuertaufe bestanden.

Bereits am Samstagabend startete das Erntedankfest mit dem Bobbycar-Rennen auf der Roßfelder Hauptstraße. Bei einer Rekordbeteiligung von 31 Fahrern in drei Altersklassen fuhr der Grundschüler Anthony Leisering mit Geschick und passenden Reifen souverän den Sieg ein. Anschließend wurden die hölzernen Dreschflegel geschwungen und Dorfbüttel Fritz Eissen verkündete, dass mit Genehmigung der Obrigkeit das Ende der Kornernte gefeiert werden darf. Und das ließen sich die Roßfelder natürlich nicht zweimal sagen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel