Crailsheim Neues Wohngebiet wird das Leben verändern

Ralf Baierlein am ehemaligen Mittelpunkt des Stadtteils Sauerbrunnen, dem Brunnen mit den Figuren, die an den Gartenverein erinnern. Für das HOHENLOHER TAGBLATT zählt der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft die Stärken und Schwächen des Viertels auf.
Ralf Baierlein am ehemaligen Mittelpunkt des Stadtteils Sauerbrunnen, dem Brunnen mit den Figuren, die an den Gartenverein erinnern. Für das HOHENLOHER TAGBLATT zählt der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft die Stärken und Schwächen des Viertels auf. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 19.06.2018
Auf dem Sauerbrunnen geht es ruhig und beschaulich zu – und für Kinder ist viel geboten. Das Baugebiet, das südwestlich der alten Siedlung erschlossen wird, bringt einige Veränderungen.

Wir sind der kinderfreundlichste Stadtteil Crailsheims“, sagt Ralf Baierlein. Und dann zählt er auf: Zwei Kindergärten gibt es, zwei Kirchen mit Angeboten für Kinder, mit der Eichendorffschule und der Käthe-Kollwitz-Schule zwei Schulen sowie den ersten Spielplatz Crailsheims – 1957 in Eigenleistung von der Siedlungsgemeinschaft Sauerbrunnen gebaut, dessen Vorsitzender er ist.

„Was wir außerdem sehr schätzen, ist der Radweg durch den Löwengang“, führt Baierlein weiter aus. „Dadurch gibt es eine Anbindung an die weiterführenden Schulen, die Realschule zur Flügelau und das Lise-Meitner-Gymnasium.“ Und von da aus komme man bequem weiter in Richtung Hangar, Musikschule oder zum Freibad. „Das ist wirklich ein großer Pluspunkt: Die Kinder vom Sauerbrunnen kommen mit dem Rad sicher überall hin.“

Gaststätte geschlossen

In den Hirtenwiesen und entlang der Haller Straße gibt es zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, die es in der Sauerbrunnensiedlung heute nicht mehr gibt. „Früher hatten wir hier Tante-Emma-Läden, doch die sind schon lange verschwunden“, erzählt Baierlein, der in der Siedlung aufgewachsen ist und noch immer hier wohnt. Auch die Gaststätte Frankenecke ist schon seit elf Jahren geschlossen. Hier war früher das Zentrum der Siedlung.

In Baierleins Kindheit kannte jeder jeden auf dem Sauerbrunnen. „Man hat früher Tür und Tor offen stehen lassen. Da hat eher einer etwas ins Haus reingelegt als rausgenommen.“ Nun steht mit dem Baugebiet „Erweiterung Sauerbrunnensiedlung“, das sich im Südwesten an die alte Siedlung anschließen soll, eine große Erweiterung an. „Wenn das neue Wohngebiet fertig ist, werden wir rund 200 Leute mehr auf dem Sauerbrunnen haben. Wir hoffen natürlich auf junge Familien. Allerdings sind die Kindergartenplätze bereits jetzt alle belegt.“

Kritisch gesehen wird der Wegfall der Grünflächen für das neue Baugebiet, darunter auch Schrebergärten und ein Stück des Bolzplatzes. „Andere Städte schaffen grüne Lungen, bei uns wird alles zugepflastert“, klagt der Physiotherapeut. Manche Anwohner fürchteten außerdem eine höhere Verkehrsbelastung auf den schmalen Siedlungsstraßen. Baierlein: „Vom großen Verkehr sind wir bisher verschont geblieben. In der Siedlung fahren überwiegend Anlieger. Allerdings haben wir schon jetzt Probleme mit dem ruhenden Verkehr: Die Autos parken alles voll. Das wird später sicher noch mehr.“

Auch die geplante Flüchtlingsunterkunft am Löwengang jenseits des Lärmschutzwalls betrachteten einige Bürger mit Sorge, berichtet der Vereinsvorsitzende. „Durch den Rad- und Fußweg am Löwengang sind wir da ganz nah dran.“ Dabei ist Integration ein Thema, das die Siedlungsgemeinschaft genaugenommen schon seit ihrer Gründung umtreibt: Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen, die auf dem Sauerbrunnen leben, zusammenzubringen – und ist damit seit Jahrzehnten erfolgreich. Vor allem die Feste, die Jung und Alt gemeinsam feiern, schaffen Verbundenheit.

Schade findet Baierlein, dass der Sauerbrunnen keinen eigenen Wahlbezirk mehr bildet: Ein Teil wählt inzwischen mit den Hirtenwiesen, ein Teil mit der Innenstadt. „Seit der Änderung streiten wir uns mit dem Kreuzberg um die schlechteste Wahlbeteiligung und die extremsten Ergebnisse.“

Wenn der 54-Jährige die Vor- und Nachteile seines Stadtteils am Ende seiner Aufzählung gegenüberstellt, überwiegen die Pluspunkte deutlich. „Es ist natürlich schön hier und wir haben eine gute Gemeinschaft – nicht zuletzt durch den Verein. Wir jammern auf hohem Niveau.“

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