Braunsbach war keine Katastrophe. Das sagen nicht diejenigen, die dabei ­waren, als sich am letzten Maisonntag 2016 Wasser, Schlamm und Geröll durchs Dorf wälzten, die bei Rettungsaktionen ihr Leben riskierten, die ihr Hab und Gut verloren haben in dieser Nacht. Das sagen diejenigen, die entschieden haben, keinen Katastrophenfall auszurufen. Auch wenn es so viel zu tun gab.

Für eben solche Großschadensereignisse unterhalb der Katastrophenschwelle hat die Stadt Crailsheim ein Krisenmanagement organisiert. Dabei geht es auch darum, wie die Bevölkerung gewarnt und wie kritische Infrastruktur geschützt wird, wie Anleitungen zu Selbsthilfe und Selbstschutz öffentlich gemacht werden und die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen sichergestellt werden kann.

Braunsbach/Orlach

Raimund Horbas, Leiter des Ressorts Sicherheit und Bürgerservice, stellte vor, wie in einem solchen Fall künftig reagiert werden kann. In erster Linie gibt es einen Krisenstab, der unter der Leitung des politisch Verantwortlichen steht, also des Oberbürgermeisters. In diesem Stab stellt die Verwaltung die Koordinierungsgruppe und ständige Mitglieder. Je nach Art des Ereignisses werden dann Stadtwerke, Polizei, DRK, THW, Gesundheitsamt oder Veterinäramt hinzugezogen. Wie die Mitglieder dieses Krisenstabs im Notfall alarmiert werden sollen, wird noch geklärt. Sicher ist, so Horbas, dass Besprechungszimmer im Rathaus im Schadensfall zu Stabsräumen umfunktioniert werden, die von innen abschließbar sind, um eine ungestörte Arbeit des Krisenstabs zu gewährleisten.

Ingesamt vier Großschadenslagen sind derzeit angedacht:

  • Waffen- und Sprengstoff-Fund,
  • großflächiger Stromausfall,
  • Räumung öffentlicher Gebäude einschließlich Amoklagen,
  • Hochwasserereignisse.

Horbas sprach vom Personaleinsatz während einer solchen Großschadenslage, aber auch von der Entlastung, Unterstützung und Beratung der Verantwortlichen durch Expertenwissen.

180.000 Euro für den Notstrom

Auch im schlimmsten Fall muss dieser Krisenstab autark arbeiten können. In einem ersten Schritt hat der Crailsheimer Gemeinderat zugestimmt, im Haushalt 180.000 Euro einzustellen, um einen „Abrollbehälter Strom“ kaufen zu können. Damit wird die Notstromversorgung des Rathauses als Einsatzzentrale gesichert.

Eine detaillierte Veröffentlichung der vom Krisenstab erdachten Maßnahmen ist nicht geplant. Stadtsprecherin Michaela Butz sagt, dem Ressort Sicherheit und Bürgerservice gehe es darum, den Erfolg der Notfallplanung nicht zu gefährden. „Denken Sie beispielsweise an eine Bombendrohung an einer Schule. Der Evakuierungsort für Schüler darf nicht öffentlich bekannt sein, da dieser Ort sonst ebenfalls Ziel der Täter werden könnte.“

Wenn das Wasser kommt

Zentrales Element dieser Krisenplanung ist ein Flutinformations- und -warnsystem, Fliwas genannt. Erfasst sind schon jetzt zahlreiche Pegel des Landes. Crailsheim will, so Horbas, aber auch eigene Werte an der Jagst und am Tru­tenbach im Blick haben, um schnell reagieren zu können: „Eigene Pegel sind in Planung.“

Auch anderes ist erfasst: Die Brücke zwischen Heldenmühle und Steinbruchweg ist beispielsweise ein „abflusskritisches Objekt“, und ein Haus in der Bergwerkstraße gilt als „kritisch“ beziehungsweise hochwassergefährdet. Hier ist auch festgehalten, wie viele Bewohner im Notfall in Sicherheit gebracht werden müssen. Mitarbeiter der zuständigen Ämter, des Baubetriebshofs und der Feuerwehr nutzen Fliwas schon jetzt am Arbeitsplatz. Mobile Nutzung wird ermöglicht.

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Was ist eigentlich eine Katastrophe?


Den Katastrophenfall auszurufen, ist eine politische Entscheidung, die im Landkreis Schwäbisch Hall bei der Landkreisverwaltung liegt. Nur dann greift das Landeskatastrophenschutzgesetz mit seinen weitreichenden Möglichkeiten. Bei der Entscheidung, was eine Katastrophe ist, muss abgewogen werden, ob und in welchem Maß das Leben oder die Gesundheit zahlreicher Menschen und Tiere, die Umwelt, erhebliche Sachwerte oder die lebensnotwendige Versorgung der Bevölkerung gefährdet oder geschädigt wird. Dabei geht es immer auch um die Kosten: In einem Katastrophenfall gehen nicht nur die Einsatzleitung, sondern auch die Kosten auf die entsprechende Behörde über. Allein schon aus Sicht der Versicherungen hat eine solche Entscheidung erhebliche finanzielle Auswirkungen. bt

Wie wird der Bevölkerung geholfen