Landwirtschaft Mit Britta fing alles an

„Moggele Anton“ ist momentan eines der jüngsten Kälber im Stall: Mit ihm gewann Kai Gronbach schon einen Pokal bei einer Viehprämierung.
„Moggele Anton“ ist momentan eines der jüngsten Kälber im Stall: Mit ihm gewann Kai Gronbach schon einen Pokal bei einer Viehprämierung. © Foto: Jana Wengert
Wildenstein / Jana Wengert 14.03.2018

Berta, Barbara, Lotte, Frieda und Greta sind nicht etwa die Schwestern von Kai Gronbach aus Wildenstein, sondern Kühe. Mit Hinterwälder-Rind Britta hat die große Leidenschaft des 16-Jährigen begonnen. Anstelle eines Computers oder eines Sparbuchs hat er von seinem Großvater eine Kuh zur Konfirmation geschenkt bekommen.

Mittlerweile ist der Auszubildende stolzer Besitzer von 22 Rindern. Vor rund drei Jahren berichtete unsere Zeitung bereits über den damals frischgebackenen Konfirmanden. Sein Plan war ein Ausbau des Stalls, den er in der Zwischenzeit verwirklicht hat. „Sonst wäre gar nicht mehr genug Platz für all die Kühe und Bullen“, sagt Kai Gronbach. Die Garage nebenan wurde als Erweiterung des Stalls umgebaut und ein paar Kilometer weiter befindet sich auch noch ein Unterstellplatz für die Tiere. Seine Britta lebt aber leider nicht mehr: „Sie hat immer weniger Milch gegeben und konnte auch kein Kalb mehr bekommen“, erzählt Kai Gronbach.

Sein Alltag hört sich ziemlich stressig an, aber bereitet dem jungen Wildensteiner jede Menge Spaß. Um sieben in der Früh beginnt sein Arbeitstag bei der Metallfirma Steinacker in Oberradach, die Stalleinrichtungen herstellt. Davor ist der Auszubildende, der derzeit im zweiten Lehrjahr ist, allerdings schon ein paar Stunden auf den Beinen. Seine Kühe müssen gemolken, gefüttert und der Stall ausgemistet werden. Unterstützung bekommt er dabei hauptsächlich von seinem Großvater und seiner Ur­oma Thea, die mit ihren 92 Jahren noch mit anpackt.

Viel Freizeit bleibt ihm nicht

Einen wirklichen Feierabend gibt es für Kai Gronbach nicht. Nach der Arbeit muss er wieder in den Stall und sich um seine Rinder kümmern. Besonders dankbar ist er seinem Chef für die flexiblen Arbeitszeiten. „Sonst wäre das mit den Rindern alles gar nicht möglich“, sagt der Auszubildende. In der wenigen Freizeit, die dem 16-Jährigen neben der (Stall-)Arbeit noch bleibt, ist er ein engagiertes Mitglied im Posaunenchor in Wildenstein. „Das Proben lasse ich aber manchmal ein wenig schleifen, wenn zum Beispiel eine Kuh kalbt oder viel Arbeit im Stall ansteht“, sagt Kai Gronbach.

Wenn er seine Rinder über die Lange Straße in Wildenstein zur Weide führt, ist er die Attraktion im Ort. „Viele kennen mich schon, aber von manchen gibt es ab und zu noch ein paar verwunderte Blicke“, sagt er und lacht. Die Rinder in einer Herde zu halten und auf dem Weg auch den Straßenverkehr nicht allzu sehr aufzuhalten, sei gar nicht so einfach. Oftmals bekommt der Jugendliche dabei Hilfe von seinen Freunden aus den Nachbarorten, die die Rinder dann umzingelt zur Weide führen. Und weil das so ein außergewöhnlicher Anblick ist, waren auch schon jede Menge Leute von der Presse und dem Fernsehen bei ihm: „Ich finde das aber lustig, wenn alle vorbeikommen, mich besuchen und wissen wollen, wie ich meinen Alltag meistere“, verrät Kai Gronbach.

Wie man mit den Kühen und Bullen umgeht, das hat der 16-Jährige hauptsächlich von seiner Uroma und dem Pfarrer Tobias Dürr, der wohnt auf der anderen Straßenseite. Dürr wuchs  in einem Milchviehbetrieb in Hegenau bei Brettheim auf. Er ist es auch, der Kai Gronbach vertritt, wenn einmal ein wichtiger Termin oder Ausflug ansteht. Aber auch aus Fehlern lernt man: „Aus Platznot habe ich einmal den Bullen bei den Kühen untergebracht“, sagt Kai Gronbach, „danach waren 14 von ihnen trächtig. Das passiert mir nicht mehr.“

Alle zwölf Stunden müssen die Kühe gemolken werden. Und weil dabei eine ordentliche Menge an Milch zusammenkommt, hat der 16-Jährige jetzt sogar eine Abmachung mit einem Milchwerk. Später einmal hauptberuflich als Milchbauer zu arbeiten, kann er sich allerdings immer noch nicht vorstellen, obwohl er seinen Bestand ganz schön aufgestockt hat, das habe mit den niedrigen Milchpreisen zu tun.

Der Gaudi wegen angemeldet

„Moggele Anton“ ist momentan eines der jüngsten Kälber im Stall.  An ein paar Vorführwettbewerben und Jungviehprämierungen in der Umgebung hat der junge Landwirt auch schon teilgenommen: „Da habe ich mich zwecks der Gaudi einfach einmal angemeldet“, sagt Kai Gronbach. Die Jury bewerte unter anderem Milchleistung, Fellstruktur und Muskulatur. Nichtsahnend räumt er dabei sogar gleich ein paar Pokale ab und erhält Auszeichnungen für seinen Rindernachwuchs.

Inzwischen kann er sich und seine Familie gut selber versorgen. Neben den vielen Rindern gibt es noch sieben Schweine und einen ganzen Stall voller Hühner. „Die Schweine darf nur meine Uroma füttern, sie kann es nämlich überhaupt nicht gebrauchen, wenn sich da jemand einmischt und ihre Arbeit übernimmt“, verrät Kai Gronbach.

Bei seiner Arbeit mit den Rindern schaut ihm oft sein Bruder Max, 7, über die Schulter. Seine Schwester Lea, 14, interessiert sich eher für Pferde. Aber vielleicht ändert sich das ja noch, wenn sich Kai Gronbach weitere Rinder zulegt. Maximal 25 Tiere bekommt er nämlich in seinem Stall unter. „Danach muss ich eben einfach wieder etwas ausbauen oder erweitern.“