Kretschmann, Integrationsministerin Bilkay Öney, Oberbürgermeister Karl Hilsenbek, Bürgermeister Volker Grab, Landrat Klaus Pavel, LEA-Leiter Berthold Weiß sowie Vertreter des Regierungspräsidiums besuchten die LEA am Donnerstag und sprachen mit den Mitarbeitern.

Sakko trug außer den Sicherheitsbeamten keiner, es war brütend heiß, auch in den Räumen, als Kretschmann rekapitulierte, welche Flüchtlingswellen zurzeit über den Planeten rollen und zu einem guten Teil auf Deutschland treffen. Und dort auch auf Ellwangen. 2199 Flüchtlinge waren am Dienstag in Ellwangens LEA untergebracht, erklärte Oberbürgermeister Hilsenbek, Landrat Pavel flocht ein, dass allein zwischen Montag und Mittwoch 500 Personen neu in die LEA Ellwangen kamen, die eigentlich eine Regelaufnahmezahl von insgesamt 500 vorgesehen hat.

Die Worte "sehr stark überbelegt" kamen Kretschmann da problemlos über die Lippen. "Aber wir können die Leute ja nicht auf der Straße stehen lassen", fügte er auf Nachfragen der Journalisten an. Dass alle professionellen und ehrenamtlichen Mitarbeiter höchst engagiert seien, zum Teil bis an die Grenze der physischen Belastbarkeit, "nötigt mir großen Respekt ab", sagte der Ministerpräsident, und die "konstruktive" Arbeit von der Stadt Ellwangen und des Landkreises betonte er auch gern. Doch neue, vor allem rasche Lösungen hatte Kretschmann nicht im Gepäck.

"Wir müssen alles tun, um neue Unterkünfte ausfindig zu machen, zu requirieren und zu belegen", sagte Kretschmann, und er sagte bis Jahresende 5000 weitere Plätze für Flüchtlinge in der Erstaufnahme voraus, bis ins Frühjahr 2016 weitere 5000. Kretschmann bedauerte, dass das Land die der Stadt Ellwangen gemachte Zusage, bis Ende August werde sich die Belegungszahl am Ort auf etwa 1000 reduzieren, nicht einhalten könne. In dem Maße, wie Personen aus der LEA an Kreise und Kommunen weitergereicht werden, kommen neue nach, sogar mehr als zuvor.

"Das Nadelöhr sind die Fristen", nannte der Ministerpräsident das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, als Knackpunkt, alle Maßnahmen zur Bearbeitung der Asylanträge müssten stark beschleunigt werden. Indes sei es sehr schwierig, schnell das nötige Personal zu finden: "Das geht nicht von heute auf morgen." Auch erneuerte Kretschmann die Forderung, Flüchtlinge vom Balkan, die ohne Aussicht auf Asyl seien, schnell in ihre Heimatländer zurückzuführen.

Auf die Nachfrage, er habe keine Lösungsvorschläge genannt, widersprach er. "Wir können nichts anderes tun, als neue Unterkünfte zu schaffen", wiederholte er, "wir können ja nicht zaubern." Das Land könne den weltweiten Flüchtlingsstrom nicht lenken, und auf Dauer werde man auch an der Unterbringung in Zelten nicht vorbeikommen.

Seine Aussage, das Land werde zu diesem Zweck nicht extra Gebäude neu errichten lassen, blieb indes nicht ganz unwidersprochen. Integrationsministerin Öney sagte, man baue durchaus auch das eine oder andere.

Von Beschlagnahmung von Wohnraum, wie ihn der Tübinger Oberbürgermeister ins Auge gefasst hat, hält Kretschmann nichts: "So weit sind wir noch lange nicht." Das sei erst einmal passiert, im Main-Tauber-Kreis, angeordnet von einem Landrat. Was er aber für dienlich hält: Soweit nötig Gesetze und Bestimmungen zu ändern, damit das Einquartieren von Flüchtlingen in Gebäuden einfacher werde.

Ein Versprechen wie Anfang Juli (Ende August sei Ellwangens LEA wieder auf dem Stand von 1000 Personen) wollte Kretschmann auf keinen Fall wiederholen: "Weil das nicht geht. Das nagt nur am Vertrauen."

Eines ließ dem Ministerpräsidenten offenbar keine rechte Ruhe: Dass sein Besuch in der LEA zwei Stunden vor jenem seines CDU-Widersachers Guido Wolf terminiert worden ist. "Dass Wolf kommt, wussten wir überhaupt nicht bei der Planung", sagte Kretschmann, das sei reiner Zufall und habe mit Wahlkampf "nicht das Geringste zu tun".