Bis zur nächsten Bundesligasaison ist es noch eine halbe Ewigkeit, aber ein Verlierer steht schon jetzt fest: die Jako AG aus Mulfingen-Hollenbach. In der laufenden Spielzeit ist der Sportartikelhersteller als Ausrüster dreier Teams im Rennen, nächstes Jahr wird nur noch Hannover 96 mit Hemden der Hohenloher Marke (JAgst und KOcher) auflaufen. Den FC Augsburg hatte Jako-Vorstandschef Rudi Sprügel mehr oder weniger freiwillig gehen lassen, weil er mit dem dadurch frei werdenden Geld die Frankfurter Eintracht halten wollte: Der sportliche Erfolg der Kicker aus der Main-Metropole ließ die Preise steigen. Weltmarktführer Nike bot nach Medienberichten drei Millionen Euro pro Saison für das Privileg, die Leibchen des Europaleague-Vereins liefern zu dürfen. Jako hatte dem Vernehmen nach bisher eine Million im Jahr an den Main transferiert.

Neue Dimensionen: "Da machen wir nicht mehr mit"

Bei solchen Unterschieden endet die Freundschaft, die Sprügel in den vergangenen Jahren mit den Frankfurtern aufgebaut hatte. Zahlen nennt Sprügel nicht, er bestätigt aber, "dass die Preise in solche Dimensionen gestiegen sind, wo wir sagen: Das wollen wir nicht mitmachen". Dabei wird er den Gelegenheiten schon nachtrauern, wenn seine Trikots prominent im Fernsehen zu sehen sind. "Da gibt es schon ein Feedback aus dem Handel", sagt er. Deswegen führt Sprügel auch schon wieder "diverse Gespräche", um die Scharte auszuwetzen. "Unser Anspruch ist schon, dass wir mit zwei guten Teams in der Bundesliga vertreten sind", sagt der Fußballfan. Gleichzeitig weiß er, dass es angesichts der steigenden Preise immer schwieriger wird, auch nur die Hälfte der Ausgaben für das Sponsoring durch Trikotverkäufe wieder hereinzubekommen. Schließlich verkaufen sich nicht alle Shorts so wie die der Bayern. "Und die sind nicht mehr frei", sagt Rudi Sprügel.

Adidas lässt sich dieses Engagement 20 Millionen Euro im Jahr kosten, was für die Nummer zwei im Weltmarkt bei einem Umsatz in der Größenordnung von 15 Milliarden Euro nicht besonders viel ist. Von solchen Dimensionen kann Rudi Sprügel nur träumen. 2013 lag sein Umsatz bei 75 Millionen Euro, dieses Jahr sollen es knapp 80 Millionen Euro werden. "Unser Ziel ist es, jedes Jahr ein bisschen besser zu werden", sagt er bescheiden. Etwa 160 der 180 Mitarbeiter arbeiten in der Zentrale in dem Mulfinger Teilort. Dort ist neben der Verwaltung auch die Logistik angesiedelt.

Das Reich der Mitte wird zu teuer

Produzieren lässt Jako seine Ware in Asien - in Hongkong gibt es deswegen ein Einkaufsbüro, das auch das Qualitätsmanagement verantwortet. Immer weniger kommt aus China, erzählt Rudi Sprügel. "Letztes Jahr waren es noch 60 Prozent, dieses Jahr 50, und nächstes Jahr werden es maximal 35 Prozent sein." Das Reich der Mitte wird zu teuer. Im Kommen sind Länder wie Vietnam, Kambodscha, Birma - und auch die Türkei.

Den größten Teil des Umsatzes macht Jako nach wie vor mit der Ausstattung von Amateurmannschaften - der Verkauf läuft über den Sporteinzelhandel. Stolz ist Sprügel darauf, dass es mittlerweile an rund 100 Standorten Shop-in-Shop-Modelle gibt, wo die Jako-Ware zusammenhängend präsentiert wird.

Funktionskleidung für Freizeitläufer

Weil es in der Fußballnische immer enger wird, will er unter anderem mit Funktionskleidung für Läufer aus dieser Ecke herausdribbeln: "In Deutschland gibt es sechs Millionen Fußballer, aber 30 Millionen Freizeitläufer", erklärt er. "Da wollen wir hineinwachsen." Helfen soll dabei Jürgen Daleiden (44), der seit Jahresbeginn dem Vorstand angehört und zuvor für den Metro-Konzern den Sportartikelbereich bei Real gemanagt hatte.

Wachstum sollen auch Kunden aus anderen Ländern bringen - aktuell beträgt der Exportanteil gut 30 Prozent. In Österreich und der Schweiz sind die Mulfinger gut vertreten, auch den fußballaffinen britischen Markt hat Sprügel wieder im Visier. Bei der Fußball-WM in Brasilien können sich die Jako-Teams immerhin nicht blamieren: Moldavien, Jordanien und Luxemburg sind gar nicht erst dabei.