Volkshochschule Mehr Geld für das einfache Leben

Laut Peter Kaspar, Referent an der Volkshochschule Crailsheim, sei das bedingungslose Grundeinkommen nichts anderes als eine große Steuerreform, die vor allem dem unteren Rand der Gesellschaft helfe.
Laut Peter Kaspar, Referent an der Volkshochschule Crailsheim, sei das bedingungslose Grundeinkommen nichts anderes als eine große Steuerreform, die vor allem dem unteren Rand der Gesellschaft helfe. © Foto: dpa/Patrick Seeger
Crailsheim / Johannes Ihle 22.03.2018

Monatlich 1000 Euro, zusätzlich zum Lohn, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Hört sich das nicht gut an? Man könnte die Arbeitszeit reduzieren, mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen oder eine längere Reise unternehmen. So könnte, vereinfacht dargestellt, die Zukunft aussehen. Denn bei diesem Modell handelt es sich um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Bei einem Vortrag an der VHS Crailsheim stellte der Pensionär Peter Kaspar, der als Oberstudienrat in Heilbronn tätig war, verschiedene Möglichkeiten der Umsetzung vor und nannte auch Gründe, die dagegen sprechen.

„Durch das bedingungslose Grundeinkommen soll die Grundabsicherung geregelt sein“, erklärte Kaspar. „Das heißt nicht, wie finanziere ich mir meine Yacht, sondern es muss zum einfachen Leben reichen.“ Das BGE soll jedem Menschen von der Geburt bis zu seinem Tod bezahlt werden. Das Grundeinkommen könnte Hartz IV, Sozialhilfe, Kindergeld und weitere staatliche Förderungen ablösen. Dazu müsse man Steuern erhöhen und diese müssten einfacher erhoben werden.

Zwei Modelle als Grundlage

Die Einkommenssteuer könnte genutzt werden, findet Wirtschaftswissenschaftler Thomas Straubhaar. In seinem Modell bekommt jeder 1000 Euro, zusätzlich zum Lohn. Von diesem werden 50 Prozent an Steuern entzogen, egal wie viel man verdient. Bei einem Lohn von bis zu 4000 Euro bekommt man mehr als bisher.

Ein Modell, bei dem die Mehrwertsteuer erhöht wird, wie es Drogerie-Gründer Götz Werner vorschlägt, wäre auch denkbar. Das Grundeinkommen soll ausschließlich über eine Steuer finanziert werden. Alle weiteren Steuern und Abgaben entfallen. Die verschiedenen Steueranteile könnten dabei in einem Block zusammengefasst werden. Dabei, so Werner, würden die Nettopreise für die Produkte sinken und somit wäre eine höhere Mehrwertsteuer möglich, um am Ende zum gleichen Preis für den Kunden zu kommen.

Doch warum überhaupt ein Grundeinkommen? Ziel soll sein, mit Hilfe des BGE allen Menschen die Existenz zu sichern, sagt Kaspar. Durch den demografischen Wandel, die Digitalisierung und die Industrie 4.0 steige das Risiko, in Zukunft ohne Arbeit dazustehen, so die Befürworter. Auch die individuelle Gestaltung des Lebens, mehr Raum für soziales, kulturelles und kreatives Engagement spiele eine immer größere Rolle. „Der Beruf könnte durch das BGE nach Talent und Interesse und nicht nach Sicherheit und Verdienst ausgewählt werden“, so Kaspar.

Gegner des BGE befürchten allerdings, dass sich viele Menschen auf die faule Haut legen, also nicht mehr arbeiten gehen und somit die Wirtschaft kollabiert. Zudem sehen viele keinen Verlust von Arbeitsplätzen in der Industrie 4.0, sondern lediglich eine Umverteilung der nötigen Kompetenzen. Durch eine Verkürzung der Arbeitszeiten könnten Arbeitsplatzverluste aufgefangen werden.

Zwang zu Arbeit bringt nichts

Ein Besucher des Vortrags merkte an, dass er im BGE eine große Chance sehe. „Junge Familien, in denen beide Elternteile arbeiten müssen, könnten mit dem BGE besser leben, da dann einer beim Kind bleiben könnte. Und das führt doch zum Wohl aller, wenn die Kinder eine gute Erziehung genießen.“ Ein anderer sei grundsätzlich auch dafür, glaube aber, dass die Schere zwischen Arm und Reich trotzdem weiter auseinandergehe. „Irgendwann wird das BGE wie das jetzige Hartz IV sein.“

„Am Ende entscheidet das Menschenbild, ob wir das BGE wollen oder nicht“, sagt Kaspar. „Wenn wir glauben, dass der Mensch faul ist und zur Arbeit gezwungen werden muss, kann es nicht funktionieren.“ Glaube man aber, der Mensch suche nach einer sinnvollen Tätigkeit, die ihm Spaß mache, könnte es umgesetzt werden. „Im Grunde ist das BGE eine große Steuerreform, die vor allem dem unteren Rand der Gesellschaft hilft, mehr nicht“, fügt der 66-Jährige an. „Es wird zwar nicht 2019 kommen, aber es wird kommen. Da bin ich mir sicher.“

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