Ellwangen Mediziner verlangen: sofort handeln

Hilferuf von Ärzten im Hamsterrad (von links): Dr. Matthias Krombholz, Dr. Margit Krombholz und Dr. Lioba Brauchle warnen vor dem medizinischen Notstand aufgrund des akuten Ärztemangels.
Hilferuf von Ärzten im Hamsterrad (von links): Dr. Matthias Krombholz, Dr. Margit Krombholz und Dr. Lioba Brauchle warnen vor dem medizinischen Notstand aufgrund des akuten Ärztemangels. © Foto: Gerhard Königer
Ellwangen / Gerhard Königer 03.07.2018
Hausärzte warnen: Immer mehr Arztpraxen machen zu. Auch in Ellwangen droht der medizinische Notstand, wenn die Politik nicht schleunigst gegensteuert.

Alarmsignale gab es in den letzten Jahren und Monaten immer wieder. Schlagzeilen wie „Arztpraxis schließt. Kein Nachfolger gefunden“ häufen sich. Längst sind es nicht mehr nur Allgemein­ärzte in ländlichen Gemeinden, die keine Nachfolger finden, sondern auch Fachärzte in den Mittelzentren. Thomas Knies, Leiter Wohnen und Soziale Dienste der LWV-Eingliederungshilfe im Rabenhof, erlebt den Ärztemangel im Moment ganz drastisch: Der betreuende Arzt Dr. Reiner Zitzmann hat zum Monatsende den Heimauftrag gekündigt, einen Nachfolger hat er trotz intensiver Suche nicht gefunden. Knies muss jetzt nach einer ärztlichen Versorgung von über 200 Patienten suchen.

Jüngstes Beispiel für den Ärztenotstand in Ellwangen ist die Internistin Irina Wanke, die zum Ende des Monats ihre Ellwanger Praxis schließt. Wie Matthias und Margit Krombholz sowie Lioba Brauchle berichten, hat diese Schließung absurde Folgen, unter anderem auch für die Ellwanger St. Anna-Virngrund-Klinik. Der dortige Internist, Chefarzt Dr. Johannes Zundler, ist nun der einzige Facharzt in der Region Ellwangen, der Magen- und Darmspiegelungen durchführen darf. Allerdings nur nach Überweisung aus einer Facharztpraxis. Patienten, die eine derartige Untersuchung, etwa zur Krebsvorsorge, vornehmen lassen wollen, müssen nun erst zu einem niedergelassenen Internisten in Aalen oder sonst wo, bevor sie von dort wieder an die Ellwanger Klinik überwiesen werden.

Wie sich dieses Prozedere auf die ohnehin schon überlangen Wartezeiten für eine derartige Untersuchung auswirkt, kann man sich vorstellen. Hinzu kommt, dass Dr. Zundler mit den zusätzlichen Magen- und Darmspiegelungen zur Vorsorge enorm belastet wird. Zur Arbeit als Chefarzt kommen die ja noch obendrauf.

Dass die medizinische Versorgung überhaupt noch halbwegs funktioniert, liege daran, dass viele Ärzte im Rentenalter immer noch Notdienste machen und als Honorararzt arbeiten, sagt Dr. Matthias Krombholz. Er und seine Kolleginnen stellen zwei Kernforderungen an die Politik: sofort den Numerus clausus für Medizin streichen und so viele Studienplätze schaffen, dass alle Abi­turienten, die Mediziner werden wollen, ohne Wartezeit studieren können.

„Die Arztausbildung dauert zehn Jahre, wir müssen sofort handeln, um in zehn Jahren eine Verbesserung zu erreichen“, sagt Dr. Lioba Brauchle und zählt die niedergelassenen Ärzte auf, die das Rentenalter erreicht haben oder kurz davor stehen.

Zweitens: Anstatt über die geplanten medizinischen Versorgungszentren (MVZ) fremden Ärzten finanzielle Anreize zu geben (die über die KV wieder von den niedergelassenen querfinanziert werden), sollte der Landkreis zwei oder drei Verwaltungsstellen schaffen, die den Allgemein- und Facharztpraxen einen Teil der völlig ausufernden bürokratischen Aufgaben abnehmen. Dr. Margit Krombholz zählt auf: Hygieneverordnung, Brandschutzverordnung, Arbeitsschutzgesetz, Qualitätsmanagement und ganz aktuell Datenschutzverordnung: „Alle paar Monate kommt ein neues Gesetz raus, das uns zusätzliche Arbeit aufgibt, die mit Patientenversorgung gar nichts zu tun hat.“

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