Interview Martin Romig über Nachhaltigkeit, Umzug in die Arena Hohenlohe und die erste Liga

Crailsheim / KLAUS HELMSTETTER 26.05.2014
Merlins machen Meisterstück: Mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga (BBL) setzen die Crailsheimer Basketballer ihrer langen Erfolgsgeschichte die Krone auf. Wir haben mit Merlins-Manager Martin Romig gesprochen.

Martin Romig hört auf den Spitznamen „Präse“. Das kommt nicht von ungefähr. Seit den Anfängen im Jahr 1986 bis in unsere Tage leitet er die Geschicke der Crailsheimer Basketballer. Damit gilt er quasi als Personifizierung des Erfolgsweges der Merlins. 13 Jahre nach dem Aufstieg in die zweite Bundesliga haben die Korbzauberer jetzt den nationalen Olymp erklommen – Höhepunkt der knapp 30-jährigen Abteilungsgeschichte. Aufgrund der Verbandsvorgaben müssen die Merlins aus der Hakro-Arena in die viel größere Arena Hohenlohe umziehen, um dort ihre Heimspiele auszutragen. Martin Romig (46) ist dieser Tage ein viel gefragter Mann. Telefon und Handy wollen nicht stillstehen. Der E-MailAccount ist am Überquellen.

Hohenloher Tagblatt: An was haben Sie heute beim Aufstehen als Erstes gedacht?

MARTIN ROMIG: Ja, an was hab ich gedacht? Gute Frage – nächste Frage. Ich habe wohl was gepostet.

An nichts in der Art: Die Merlins spielen jetzt tatsächlich erste Liga?

ROMIG: Nein!

Schon selbstverständlich?

ROMIG: Mich beschäftigt eher die Frage, was bleibt noch zu tun, um erste Liga zu spielen?

Müssen Sie sich beim Gedanken daran noch kneifen?

ROMIG: Bei mir ist die Realität ziemlich schnell eingekehrt. Ich muss mein Umfeld eher noch einfangen.

Was heißt das konkret?

ROMIG: Wo man hingeht, herrscht Euphorie pur. Man spürt die Begeisterung. Viele Leute können gar nicht glauben, dass wir diesen Schritt wirklich geschafft haben. Die muss man vielleicht ab und zu kneifen. Aber es ist auch superschön! Ein gutes Gefühl!

Ist die Lizenz jetzt tatsächlich in trockenen Tüchern, zu 100 Prozent?

ROMIG: Wir haben noch ein paar Bedingungen und Auflagen zu erfüllen. Ich denke wir sind bei 95 Prozent.

Sie sind optimistisch, die fehlenden Prozentpunkte einzuholen?

ROMIG: Ja!

Welche Nachbesserungen sind nötig, um auf der sicheren Seite zu sein?

ROMIG: Es geht um Vorgaben der Liga (Halle, Bestuhlungspläne, Mitarbeiter in Hauptamtlichkeit). Im Nachwuchsbereich müssen wir noch Nachweise liefern.

Die Merlins haben sich längst zu einem Premium-Werbeträger für Crailsheim entwickelt. Basketball ist, was Zuschauer und öffentliche Wahrnehmung angeht, Sportart Nummer 1 in der Region. Wie fühlt sich das für einen Macher an?

ROMIG: Ganz gut. Das ist aber eine Momentaufnahme. Da kann man sich kurz freuen. Dann geht es gleich wieder darum, das Erreichte auch nachhaltig zu unterfüttern.

Wie schwer fällt es, das Domizil Hakro-Arena zu verlassen und in die Arena Hohenlohe zu wechseln?

ROMIG: Wenn man erste Liga spielt, fällt es einem nicht schwer! Natürlich bleibt die Hakro-Arena in guter Erinnerung. Wir werden jeden Tag vor Ort sein. Circa 185 andere Spiele finden im Jahr dort statt. Früher oder später werden wir auch Nachwuchs-Bundesliga dort präsentieren. Dafür ist die Halle ideal, behält ihre Bedeutung.

Der Kontakt zwischen Merlins-Chefetage und den Stadtoberen in Crailsheim ist nie wirklich abgerissen. Dennoch sieht es derzeit nicht danach aus, als ob in absehbarer Zeit vor Ort eine erstligataugliche Halle zur Verfügung stehen würde!

ROMIG: Alle Gespräche sind ergebnisoffen. Ich will ihnen nicht vorgreifen. Stadtobere und Gemeinderat werden mit der Zeit mitbekommen, was es heißt in einer Hauptsportart in Deutschland Erstliga-Standort zu sein. Ich glaube, das müssen einige erst noch realisieren.

Wie schätzen Sie das Zeitfenster ein, in dem etwas passieren könnte in Richtung neue, größere Halle?

ROMIG: Die Überlegungen sind mittel- oder langfristig ausgelegt. Wir konzentrieren uns jetzt zunächst auf die Hauptaufgaben. Das ist, die Lizenz in trockene Tücher zu bringen. Standort ist die Arena Hohenlohe. Wir wollen nicht hochgehen, um gleich wieder abzusteigen und in der Versenkung zu verschwinden. Entweder wollen wir uns dort festkrallen oder aber mit gewachsener Struktur letztendlich in der Pro A wieder besser aufgestellt sein.

Was wird sich in der Arena Hohenlohe für Zuschauer und Fans ändern?

ROMIG: Bei Dauerkarten-Anfragen musste ich immer sagen: Die Halle ist zu klein. Wir haben jetzt erstmals die Möglichkeit eine Halle besser, erstligatauglich zu vermarkten. Das sehe ich als große Chance.

Es soll 2000 Sitzplätze geben?

ROMIG: Es muss mindestens 2000 Sitzplätze geben. Das bedeutet für uns eine Steigerung um fast 200 Prozent. Jeder Merlins-Sympathisant, der eine Dauerkarte hat, muss es als seine Pflicht ansehen, mindestens zwei neue Besucher zu akquirieren. Dann ist die Bude schon fast voll!

Erwarten Sie, dass sich die Publikumsstruktur ändert, dass manche aus Crailsheim nicht rausfahren wollen, sich dafür aber andere Interessentenkreise erschließen?

ROMIG: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der Basketball hier über Jahre begleitet hat, auf einmal nicht mehr kommen möchte, weil wir gezwungen sind, einen Umzug vorzunehmen.

Der Weg der Merlins ging stetig bergauf. Können Sie auch Abstieg?

ROMIG: Ich denke, ein Abstieg würde den Erfolgsweg nicht bremsen. Aus Niederlagen kann man lernen. Was uns ausmacht, ist sicherlich die Identifikation. Die ist viel wichtiger als ein Kunstprodukt.

Die Gründung der Crailsheimer Basketballabteilung geht zurück ins Jahr 1986. Haben Sie damals an die erste Bundesliga gedacht?

ROMIG: Ich denke, wir sehen die direkte Konsequenz des Einsatzes, den wir als Organisation an den Tag gelegt haben. Die erste Liga war damals sicherlich kein Thema. Wir spielten ja noch in der altehrwürdigen Kistenwiesenturnhalle.

Sie haben in Nürnberg ein BWL-Studium begonnen, in Crailsheim ein Sportgeschäft betrieben. Was wäre aus Martin Romig geworden, wenn es keinen Basketball gäbe?

ROMIG: Diese Frage hat sich mir noch nie gestellt. Wir haben nicht mit Netz und doppeltem Boden gearbeitet. Es war sicher auch ein Schuss Risiko dabei, in der Basketball-Diaspora an höhere Ziele zu glauben. Da ist wohl der Sportler mit mir durchgegangen und weniger der Vernunftmensch.

Ein Wort zum privaten Martin Romig. Der hat eine 18-jährige Tochter. Was interessiert ihn jenseits des Parketts, in der Rundenpause?

ROMIG: Erst mal gibt es keine Pause in Sachen Basketball für Martin Romig. Unter dem Strich bleibt sehr wenig Privatleben. Wenn es das Wetter ermöglicht, bin ich gerne mit meinem Motorrad im hohenlohisch-fränkischen Lande unterwegs.

Gibt es irgendwo einen Plan B für ein Leben nach den Merlins?

ROMIG: Natürlich machen die Merlins einen großen Teil meines Lebens aus. Man weiß nie, was kommt. Ich wünsche mir, dass ich dieses Projekt weiter begleiten darf.

Welcher Spieler oder Trainer hat Sie in den langen Jahren der Merlins-Geschichte besonders beeindruckt?

ROMIG: Da ist auf jeden Fall Arne Alig zu nennen, unser früh verstorbener ehemaliger Trainer. Er hat nicht nur mich geprägt. Und er weilt noch unter uns. Eigentlich jeden Tag. In den 90er-Jahren spielte Zlatko Nickolic (zwei Aufstiege) eine wichtige Rolle.

Wie muss man gestrickt sein, um so lange in vorderster Front zu stehen wie Sie und sich auch von Rückschlägen nicht beeindrucken zu lassen?

ROMIG: Na ja, man muss schon ein „positiv Verrückter“ sein. Sicherlich gab es auch Zeiten, wo im stillen Kämmerlein leichte Zweifel aufkamen. Aber es war unmöglich, nach außen Schwäche zu zeigen. Außerdem funktioniert unsere Gruppe zu gut, um lange zu zweifeln.

Die Merlins sind als erstmaliger Aufsteiger Greenhorn in der Beletage des deutschen Basketballs. Und Crailsheim zudem nach Quakenbrück (Artland Dragons) kleinster Standort. Kann das Motto nur heißen: Du hast keine Chance, aber nutze sie?

ROMIG: Nein! Wir sind verdienter Aufsteiger, gehören in die Liga.

Mit welchem Budget werden die Merlins in die Saison gehen?

ROMIG: Wir werden mit 1,4 Millionen das kleinste Budget in der ersten Liga haben.

Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange?

ROMIG: Das ist ausbaufähig oder muss ausbaufähig sein.

Was hat sich inzwischen in Sachen Personal getan?

ROMIG: Ganz wichtig: Stevie Johnson wird in Crailsheim bleiben! Yorman Polas geht, auch Kosta Karamatskos, Philipp Friedel. Alle anderen Personalien sind noch offen.

Wann wird man Vollzug melden?

ROMIG: Wir haben das kleinste Budget, aber jede Menge Konkurrenz. Ich denke, dass es Ende August wird, bis wir das neue Team präsentieren, in Einzelfällen September.

Das Interview führte HT-Redakteur Klaus Helmstetter.

 

Zur Person

Martin Romig ist 46 Jahre alt und hat am Crailsheimer Albert-Schweitzer-Gymnasium Abitur gemacht. Am 31. Januar 1986 hob er mit anderen zusammen die Crailsheimer Basketballer aus der Taufe.

Die Merlins sind in ihrer langen Geschichte erst einmal abgestiegen. In den Anfangsjahren. Fortan zeigte die Kurve steil nach oben. Die wichtigsten Stationen: 1995: Umzug in den „Stall“ (ehemalige US-Kasernenhalle) und Meister Bezirksliga; 1997: Meister Landesliga; 1998: Meister Oberliga; 2001: Meister Regionalliga; Umzug in die Hakro-Arena; 2009: Meister in der Pro B; 2014 Aufstieg in Liga eins (BBL).

HEL

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