Crailsheim „Bei schönem Wetter kann ja jeder“

Crailsheim / Ute Schäfer 10.12.2018
Weihnachtsmarkt der Vereine, Thomasmarkt, Märkte in Jagstheim und auf dem Sauerbrunnen: In Crailsheim war viel Vorweihnachtliches geboten. Nur Wind und Regen störten.

Wenn nur der Wind nicht wäre“, sagt Ernst Sawitsch. Er steht in seinem Stand mit Schals und Mützen und weiß jetzt, was die Crailsheimer schon lange wussten: Auf der Langen Straße zieht es, auch wenn da die Buden des Thomasmarkts stehen. „Der Wind treibt die Feuchtigkeit unter die Planen“, so Sawitsch. „Da ist es schade um die Waren.“ Kein Wunder, dass auch nur wenige Kunden unterwegs sind. „Ich würde ja auch nicht aus dem Haus gehen, wenn ich nicht müsste.“

Nicht nur der Heizstrahler strahlt

Dabei könnte man hier das kaufen, was man jetzt am nötigsten hat: warme Hausschuhe, zum Beispiel, „handgemacht aus Polen“, wie Marktfrau Aneta Byrski aus Crailsheim verrät. „Wer die anhat, bekommt keine kalten Füße.“  Vorwerk-Vertreter Friedrich Eißen nebenan hat sich einen Heizstrahler aufgestellt. „Für mich hat sich der Tag schon gelohnt“, sagt er und strahlt.

Ein paar Meter weiter geht der Thomasmarkt in den Weihnachtsmarkt der Vereine über. Dort stehen Joachim Quarder und Jörn König im Stand der Johanneskirchengemeinde und wärmen sich die Hände an einem Glühweinbecher. Sie preisen ihre Weihnachtsplätzchen an, die fast schon vergriffen sind, obwohl es am Morgen noch mehr als 100 Tütchen waren. „Wir haben gemeinsam gebacken“, erzählt Kirchengemeinderat König. „Ich habe 80 Spitzbuben in einer guten Stunde zusammengeklebt.“

Voll wird der Weihnachtsmarkt der Vereine, als das Evangelische Jugendwerk und der Bezirksposaunenchor zum weihnachtlichen Liederblasen ansetzen. Allerdings: Immer wieder lässt der Wind die Notenblätter davonflattern. „Advent und Weihnachten haben auch mit Gastfreundschaft zu tun“, sagt Dekanin Friederike Wagner, die das Weihnachtsblasen moderiert. „Und der größte Gastgeber ist Gott. Selbst mit dem Regen, den wir so dringend brauchen. Und wenn Sie am Schluss dem Posaunenchor Beifall klatschen, klatschen Sie auch für sich, dass Sie ausgehalten haben.“

Durchnässt ist der Nikolaus auf dem Sauerbrunnen. Den ganzen Nachmittag ist er mit Blasmusikern durch den Ortsteil gezogen. Seine Geschenke und der weihnachtlich geschmückte Spielplatz locken weit über 100 Besucher an, von denen einige zuvor Geschichten gehört haben, die Andreas Mundt im Stüble vorlas.

Philipp ist stolz auf Jagstheimer

Die Stimmung ist hier am Samstagabend bestens, genauso wie in Jagstheim, wo der Weihnachtsmarkt zwar erst am Sonntag offiziell losgeht, die kulinarischen Stände aber schon einmal aufhaben. Bei der Feuerwehr gibt es Kartoffelringel, geschnitzelt nach dem patentierten Verfahren des stellvertretenden Kommandanten Volker Haf. „Er hat die Handkurbel durch einen Akkuschrauber ersetzt“, erklärt Thomas Lücker und bedient das Gerät am Sonntagmittag mit viel Elan. Die Spiralen schmecken vorzüglich, sagen Laurenz Waldmann und Lars und Jana Munzinger. „Wir sind seit heute Morgen auf dem Markt“, erzählen sie. „Der Regen macht uns nichts aus.“ Ortsvorsteher Horst Philipp trinkt gerade einen Glühwein. „Unser Weihnachtsmarkt ist klein, aber schnucklig“, sagt er. Zehn Buden gibt es, viele Jagstheimer haben für den Markt gebastelt und gewerkelt. Die Familien Ebert und Bauer zum Beispiel seit dem Sommer. „Ich bin stolz auf meine Dorfgemeinschaft“, sagt Philipp. „Sie engagiert sich und kommt trotz des Regens. Bei schönem Wetter kann ja jeder.“

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