Profitänzer Lochners Auftritt in der Heimat

Intensiv und leidenschaftlich, egal in welcher Tänzerkombination. Florian Lochner (unten) und Michael Gross zeigen in der Eichendorffschule ihre Kunst.
Intensiv und leidenschaftlich, egal in welcher Tänzerkombination. Florian Lochner (unten) und Michael Gross zeigen in der Eichendorffschule ihre Kunst. © Foto: Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 19.12.2018
Der Profitänzer und Choreograph Florian Lochner kommt ursprünglich aus Frankenhardt. Mit einer Profi-Tanztruppe hat er am Wochenende die Eichendorffschule besucht.

Nur ganz selten hat man die Gelegenheit, professionelle Tänzer zum Anfassen nah zu betrachten, ihre Mimik im Detail zu sehen, ihren Atem zu hören und jedes Stampfen der Füße und Klatschen der Hände ungefiltert wahrzunehmen. Dieses Erlebnis bot sich den Zuschauern am Wochenende in der Aula der Eichendorffschule, wohin die Kultur OHG Frankenhardt geladen hatte, um einen Abend mit den Profitänzern aus den USA zu erleben.

Ein Erlebnis, das auch die Tänzer selbst so nicht oft haben, wie der gebürtige Frankenhardter Florian Lochner in der anschließenden Gesprächsrunde mit dem Publikum zugab. „Ich habe es gerne, wenn das Publikum so nah ist, auf der großen Bühne ist alles schwarz, hier sehen wir die Gesichter, wir sehen und spüren, wie sie reagieren“, freute sich der Tänzer und Choreograf.

Die Reaktionen, die die fünf Tänzer auf der Bühne spüren konnten, waren neben Bewunderung und Begeisterung auch Staunen und Atemlosigkeit, Freude und eine Intimität, die sich von den Tänzern auf ihre Zuschauer übertrug. Bereits das erste Stück, eine verkürzte Version des Duetts „Familiar“, zog die Zuschauer sofort in ihren Bann. Neben den Tänzern Florian Lochner und Alice Klock, die das Duo „Flock“ bilden, standen hier zwei blaue Daunenwesten im Mittelpunkt, die als buchstäblicher Dreh- und Angelpunkt dienten, um den die Gegensätze und Gemeinsamkeiten menschlicher Beziehungen entspringen.

Drunter und Drüber, Abhängigkeit und Unabhängigkeit, Miteinander und Gegenei­nander wurden vor den Augen der Zuschauer lebendig. Das Sich-Tragen und Sich-fallen-Lassen, Verschmelzung und dann wieder Trennung zu Individuen, hinterließ Eindruck beim Publikum. Dabei standen die Bewegungen und das Zusammenspiel der Tänzer so weit im Vordergrund, dass zeitweise ganz auf Musik verzichtet wurde und die Körper der Tänzer zu Instrumenten wurden, die den Takt vorgaben.

Gleiches galt für das folgende Duett „In spite of ourselves“ der Tänzer Adrienne Lipson und Michael Gross. „Das Stück erzählt vom Überschwang der Gefühle, aber auch von Verwirrung, Angst und Konflikten, die sich in menschlichen Beziehungen ereignen“, führte Manfred Koch von der Kultur OHG in das Stück ein. Auch hier zeigten die Tänzer eine Leichtigkeit und dennoch Intensität, die die Zuschauer den Atem anhalten ließ. Jeder für sich und doch zusammen erzählten die beiden eine Geschichte, die dem Zuschauer ein Lächeln aufs Gesicht zauberte, weil die Chemie zwischen den beiden Tänzern den leidenschaftlichen Ausdruck direkt in den Saal transportierte.

Als Überraschungsgast stand an diesem Abend der Tänzer und freie Choreograf Juliano Nunes-­Pereira auf der kleinen Bühne. Sein Stück „Conductor imagination“ lebte von der absoluten Körperbeherrschung und klar ausgeführten Bewegungen eines zum perfekten Werkzeug austrainierten Körpers. Obwohl er kein Riese ist, füllte Juliano Nunes-Pereira die Bühne mühelos ganz alleine und erntete dafür verdienten Applaus.

Geschmeidig und kraftvoll

Diese Begeisterung übertrug sich dann auf das große Finale, in dem alle fünf Tänzer gemeinsam auf der Bühne standen und noch einmal zeigten, dass die Intensität des Ausdrucks in jeder erdenklichen Tänzerkombination entstehen kann. Von intensiv, männlich und kraftvoll bis hin zu ebenso geschmeidig, weiblich und subtil deckten die fünf Tänzer die gesamte Bandbreite menschlicher Gefühle ab und dekorierten sie mit der notwendigen Prise Humor und Freude am Tanz.

In der Gesprächsrunde standen die Tänzer dem neugierigen Publikum noch Rede und Antwort und neben vielen kleinen Details aus dem Arbeitsleben eines professionellen Tänzers lernten die Zuhörer von Florian Lochner, dass das Lampenfieber in Crailsheim, wo so viel Familie, Freunde und Bekannte im Publikum sitzen, größer ist als auf allen großen Bühnen der Welt.

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