Crailsheim Liebesgrüße aus Crailsheim?

Diese Postkarte tauchte bei Ebay auf und wurde nach Crailsheim verkauft.
Diese Postkarte tauchte bei Ebay auf und wurde nach Crailsheim verkauft. © Foto: Ute Schäfer
Crailsheim / Ute Schäfer 17.02.2018
Unser Objekt der „Geschichte zum Anfassen“ zeigt eine Crailsheimer Postkarte mit Geheimbotschaft. Ist es gar eine Valentinskarte?

Wir wissen nicht, wer Fräulein Frida Feldner war. Wir wissen aber, dass sie am 4. März 1901 in der Haushaltungsschule in Schrozberg lernte und vermutlich auch lebte. Denn wir wissen, dass die Postkarte, die an sie dorthin geschickt wurde, am 4. März in Satteldorf abgestempelt wurde, mit einer grünen Fünf-Pfennig-Marke der Königlich-Württembergischen Post. Noch am selben Tag bestätigte das Empfangspostamt in Schrozberg den Erhalt per Stempel. Vermutlich war die Karte mit der Bahn unterwegs und vermutlich brachte der Postbote die Karte am Tag darauf, am 5. März, das war ein Dienstag, zu Fräulein Frida Feldner in die Haushaltungsschule in Schrozberg, denn das ist die Adresse. Mit „Gruß aus Crailsheim“ ist die Karte bedruckt, dazu ein Foto der Langen Straße, natürlich lange vor der Zerstörung knapp 40 Jahre später.

Keine Valentinskarte

Wir sind uns auch sicher, dass Fräulein Feldner von Valentinskarten keine Ahnung hatte. Zwar gab es die zu ihrer Zeit schon, aber nur in England und Amerika. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg schwappte die Valentins-Euphorie nach Deutschland. Deshalb ist die Karte, die Fräulein Feldner an jenem Dienstag in den Händen hielt, sicher keine Valentinskarte, sie wäre für den Valentinstag auch zwei Wochen zu spät. Dennoch könnte es eine Liebesbotschaft sein, denn sie ist verschlüsselt. Zahlen statt Buchstaben zeigt der Text. Und er lässt ahnen, dass in der Haushaltungsschule um die Jahrhundertwende wohl wenig Privatsphäre geherrscht hat. Denn sonst hätte der Absender, der sich in „Reinschrift“ nicht zu erkennen gibt, seine Botschaft nicht chiffrieren müssen. Ist er der heimliche Verlobte von Fräulein Frida Feldner?

Bedeutende Schule

Die Haushaltungsschule in Schroz­berg gab es seit 1881. Sie wurde gegründet vom landwirtschaftlichen Bezirksverein. Dort lebten die Mädchen und lernten im Winter- beziehungsweise Sommerkurs alles, was für ihr Leben als Bäuerin wichtig war: Hausarbeit, Wäschepflege oder Maschinennähen. Als Lehrer fungierten auch die Lehrer aus dem Ort, der Schrozberger Arzt gab Kurse in Erster Hilfe. „Die Haushaltungsschule war damals für Schrozberg wichtig“, sagt Bärbel Fleck aus Schrozberg. „Es gab nur zwei dieser Art in Württemberg.“ Mit Dr. Birgit Kirschstein-Gamber hat ein Arbeitskreis – Bärbel Fleck war dabei – die Geschichte der Haushaltungsschule erforscht, was in den 1990er-Jahren in eine große Ausstellung mündete. Ein Teil davon ist noch heute im Schrozberger Rathaus in einer Vitrine zu sehen. Interessantes Detail: Die Haushaltungsschule war im Schloss untergebracht, aber komfortabel war das nicht. Denn im Schloss gab es kein Wasser, weshalb extra eine Wasserträgerin angestellt war, die die Schule und das Internat mit Wasser versorgte, so Bärbel Fleck.

1 bedeutet A

Doch zurück zur Karte: Was steht darauf? Hier müssen wir mit der ersten Enttäuschung aufwarten: Fräulein Frida Feldner und der unbekannte Schreiber der Karte haben die einfachste aller Verschlüsselungsmethoden gewählt: Sie ordneten dem Alphabet die Zahlen zu: 1 bedeutet A, 2 ist B, 3 ist C. Wer dann noch weiß, dass I und J zu einem Buchstaben zusammengefasst sind und das P sowohl die 15 als auch die 21 sein kann, der kann die heimliche Botschaft fast schon lesen. Sie ist ganz unspektakulär: Liebe Frida; Das Paket habe erhalten. Dafir besten Dank. Nohmals Gruß. Brief u. Paket folgt. Deine Paula.

„Deine Paula“

Der Absender ist eine Paula! Also kein heimlicher Liebhaber. Schade. Doch wer weiß? Ein Wort konnte nämlich nicht entschlüsselt werden. Es befindet sich direkt unter dem Bild: 19. 5. 19. 4. 5. 20; 4. 9. 17; Umgeschrieben heißt es TETDEU DIR. Also vielleicht doch ein heimlicher Gruß von Paula an Frida? Die Antwort bleibt wohl im Dunkel der Geschichte.