Schulden Letzter Ausweg: Privatinsolvenz

Wenn die Taschen leer sind und sich Schulden angehäuft haben, bleibt oft nur der Weg in die Verbraucherinsolvenz. Foto: dpa
Wenn die Taschen leer sind und sich Schulden angehäuft haben, bleibt oft nur der Weg in die Verbraucherinsolvenz. Foto: dpa
MATHIAS BARTELS 06.03.2014
Die Faktenlage ist deutlich: Jeder dritte Haushalt in Deutschland hat Schulden, etwa jeder zehnte ist hoffnungslos überschuldet. Eine Möglichkeit, des Problems Herr zu werden, ist der Weg in die Privatinsolvenz.

"Raus aus den Schulden" heißt es beim Privatsender RTL, wenn Schuldnerberater Peter Zwegat einen Strich macht und alle Vermögenswerte, vor allem aber die erdrückenden Schulden auflistet. Er macht den verzweifelten Menschen, die seinen Rat gesucht haben, Vorschläge, wie sie aus der Schuldenfalle herauskommen. Die Sendung ist populär, sie ist Kult, und sie befriedigt sicher nicht zuletzt auch voyeuristische Züge des Publikums.

Quote in Crailsheim liegt bei 8,3 Prozent

RTL reagiert damit aber gleichzeitig auf ein Thema, das in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist: private Schulden in der Republik. Wie schwerwiegend das Problem ist, verdeutlichen aktuelle Zahlen aus der Datenbank der bundesweit tätigen Gesellschaft "Creditreform". Während mit 9,81 Prozent bundesweit fast jeder zehnte Bundesbürger über 18 als überschuldet gilt, liegt die Quote in Crailsheim bei "nur" 8,3 Prozent. Aber auch das: Bereits mehr als elf Prozent aller 13- bis 17-Jährigen haben so hohe Schulden angehäuft, dass sie keine Chance mehr auf Tilgung sehen.

Sicher: Bund, Land und Kommunen machens vor. In Europa droht seit Ausbruch der Finanzkrise etlichen Staaten der finanzielle Kollaps. Der Schuldendienst engt den Spielraum künftiger Generationen massiv ein, Auswege sind kaum in Sicht. Was bleibt, ist ein heftiger Schnitt, sprich: der Weg in die Insolvenz. Denn, wo nichts zu holen ist, sollte zumindest eine Chance auf einen Neuanfang geboten werden.

Dieser Schritt indes ist zumindest im Privatsektor höchst unpopulär und mit dem Ruch der gesellschaftlichen Ächtung behaftet. Dazu gesellt sich in vielen Fällen ein ungesundes Halbwissen über die Voraussetzungen für eine Verbraucherinsolvenz, wie die private Pleite heute offiziell genannt wird. Viele Schuldner bauen fälschlich darauf, dass ihre Schulden wohl nur von kurzer Dauer sind.

Schulden können zum Selbstläufer werden

Das Motto "Augen zu und durch" ist allerdings nicht der richtige Ansatz, zumal oft nicht nur Rechnungen und Mahnungen für bedrohliche Szenarien sorgen, sondern vielfach erst die auflaufenden Zinsen. "Es nutzt nichts, die Post fortzuwerfen", weiß Martin Keller-Combé, der beim Landratsamt in Hall täglich mit den Folgen drohender Zahlungsforderungen zu tun hat. Als Fachmann weiß er, dass Schulden leicht zum Selbstläufer werden.

Kommunikation, also die Chance, ins Gespräch zu kommen und offen und ehrlich die Fakten auf den Tisch zu legen, hat Bernhard Banzhaf als richtig ausgemacht. Bis Ende 2013 hat er 27 Jahre lang in mehr als 6500 Fällen als Schuldnerberater im Haller Landratsamt gewirkt - als erster offizieller Experte in Baden-Württemberg überhaupt. Auch er weiß, wie schwer es als Betroffener ist, sich einzugestehen, dass nun wirklich nichts mehr ohne fremde Hilfe geht.

Dabei sind die Ursachen für finanzielle Nöte höchst vielfältig. Das Internet-Portal www.schuldenabc.de nennt bei Männern Arbeitslosigkeit, verlorenen Überblick, Scheidung, gescheiterte Selbstständigkeit, mangelnde Erfahrung mit Banken, Einkommensrückgang und Konsumverhalten als häufigste Gründe. Bei den Frauen kommen Familienprobleme, ein dauerhaftes Niedrigeinkommen und Bürgschaften hinzu.

"Ruhig und sachlich bleiben", geben Experten als Devise aus, wenn einem die Schulden über den Kopf zu wachsen drohen. "Leichter gesagt als getan", weiß unterdessen Amtsdirektor Anton Schiele aus Crailsheim, an dessen Richtertisch letzten Endes über Verbraucherinsolvenzen entschieden wird. "Hinter jedem Fall verbirgt sich viel menschliches Leid, aber auch Versagen", bringt er durchaus Verständnis für so manche verzweifelte Lage auf. Manchmal aber versteht selbst er die Welt nicht mehr, wie sich Privatleute in derart missliche Lagen manövriert haben, und meint: "Nicht immer ist die Gesellschaft schuld. . ."


Hilfe bei privaten Schulden bieten die Schuldnerberatungen im Landratsamt in Hall (07 91 / 7 55 77 10) und bei der Aufbaugilde Crailsheim (0 79 51 / 2 95 60) sowie verschiedene Rechtsanwaltskanzleien. Hilfe im Internet bietet www.schuldenabc.de. Auch Wikipedia informiert detailliert über Privatinsolvenzen.