Zehn ehrenamtliche Lesepaten stehen den Lehrern der ersten Klasse zur Seite. Nach wenigen Wochen Beobachtung zu Anfang des Schuljahrs wurden ihnen nach den Herbstferien Kinder zugeteilt, die Hilfe dabei brauchen, lesen zu lernen. Das Besondere ist nicht nur, dass die Schüler täglich mit dem Lesepaten arbeiten, sondern die direkte Kommunikation zwischen Lesepaten und Lehrern. „Das neue Konzept ist direkt an den Unterricht gekoppelt.

Die Kinder werden so ganz gezielt gefördert, weil wir das als Lehrer direkt steuern können“, erklärt Lehrerin Erika Hulm, die das Projekt ebenfalls ehrenamtlich ins Leben gerufen hat. Kommuniziert wird über ein Heft, in das sowohl Lehrer als auch Lesepaten schreiben, wo Fortschritte gemacht wurden, wo Übungsbedarf ist und wie gut die Kinder mitgearbeitet haben. „Das ist eine individuelle effektive Förderung, es ist einfach genial“, zeigt sich Erika Hulm bereits jetzt begeistert über die erzielten Fortschritte ihrer Schützlinge.

Tatsächlich sind sich bei dem Treffen mit Kaffee und Kuchen, bei dem es darum gehen soll, die bisher gemachten Erfahrungen auszutauschen, alle einig, dass das Programm bereits ein Erfolg ist. „Die Kinder kommen gerne, lesen gerne. Die Lesepaten übernehmen da ein Stück weit Aufgaben des Elternhauses und das Engagement. Der bereits sichtbare Erfolg verdient unsere Anerkennung“, zeigte sich auch Rektor Oliver Grau beeindruckt.

Auch die Lesepaten zeigten sich von der Arbeit mit den Kindern begeistert. Sie sind aus ganz unterschiedlichen Motiven dabei, sei es die Suche nach sinnvoller Freizeitgestaltung, Kapazität, weil die eigenen Enkel sie nicht mehr so sehr brauchen, oder auch weil sie daran mitarbeiten möchten, sichtbare Defizite zu beheben. Was sie alle eint, ist der Antrieb, Kindern, die es aus unterschiedlichen Gründen nicht so leicht haben, sich die Schriftsprache durch Lesen zu erschließen, zu helfen.

„Manche brauchen nur etwas Anstoß und individuelle Förderung“, bestätigt Hulm und berichtet von Kindern, die in der kurzen Zeit durch die Lesepaten den Weg vom Außenseiter in die Klassengemeinschaft geschafft haben. „Man merkt, die Kinder haben Vertrauen. Sie kommen gerne zu mir und sind inzwischen lebhaft und gar nicht mehr schüchtern, das finde ich positiv“, erzählt Lesepatin Natascha Pelant und erntet zustimmendes Nicken von ihren Mitstreitern.

Auch sie wissen viel Positives über die Entwicklung der einzelnen Kinder zu berichten. „Es ist schön, zu sehen, wie die Kinder inzwischen aus sich herausgehen“, sagt auch Lesepatin Kim Jennifer Schäuble.

Aktuell sind die Kinder noch gar nicht dabei, ganze Sätze oder Text zu lesen, sondern sie lernen noch im Wort-Satz-Bereich, wie es die Silbenmethode in der ersten Klasse vorsieht. Dennoch sind sich alle Beteiligten einig, dass die Kinder schon dadurch lernen, Spaß am Lesen zu entwickeln. Ein bis zwei Stunden sind die Lesepaten jeden Tag an der Schule. Etwa zehn Minuten Zeit widmen sie dabei jedem Kind.

Und wer einmal im Programm drin ist, der bleibt es im Moment auch, weil, so erklärt Erika Hulm: „Es wäre wie eine Bestrafung, das Kind herauszunehmen, weil man ihm damit eine positive Beziehung wegnehmen würde.“ Tatsächlich haben sich zwischen den Lesepaten und ihren Schützlingen inzwischen so enge Beziehungen entwickelt, dass die Kinder täglich nach den Lesepaten fragen. Auf lange Sicht wünscht sich die Schule, mit dem Projekt allen Kindern die gleiche Chance auf Bildungserfolg zu ermöglichen.

Lesen ist ein Grundbaustein

Deshalb sind neue Paten, die mit Erstklässlern arbeiten wollen, auch gern willkommen. Wie viel Sinn die Arbeit macht, fasst Lesepatin Kim Jennifer Schäuble zusammen: „Lesen ist ein Grundbaustein, den brauchen wir alle.“