Leiche in Jagst

Stolz auf die Krimi-Autorin: Siegfried Baier (rechts) von der Literarischen Gesellschaft mit der Familie von Wildis Streng. Foto: Ursula Richter
Stolz auf die Krimi-Autorin: Siegfried Baier (rechts) von der Literarischen Gesellschaft mit der Familie von Wildis Streng. Foto: Ursula Richter
URSULA RICHTER 15.03.2013

Ein Heimspiel hatte Wildis Streng am Mittwochabend im Bücherforum der Buchhandlung Baier. Die in Crailsheim geborene Autorin präsentierte auf Einladung der Literarischen Gesellschaft ihren im Februar erschienenen Kriminalroman "Trauerweiden" (Gmeiner Verlag).

Ein doppeltes Heimspiel war es, weil es sich um einen Crailsheim-Krimi handelt. Die Ortsansässigen haben ihre besondere Freude am Wiedererkennungseffekt. Die Reingeschmeckten lernen die Stadt und Umgebung unter neuen Gesichtspunkten kennen. Und wenn es im "Vorspiel auf dem Theater" in Goethes "Faust" heißt: "Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten / Und spielen ohne Gage mit.", so gilt hier: Das Volksfest spielt ohne Gage mit.

Denn Dreh-und Angelpunkt der Handlung ist das Fränkische Volksfest. "Etwas Größeres gibt es nicht in Crailsheim", stellte Verleger Siegfried Baier in seiner Begrüßung fest. Wildis Streng habe im Vorfeld zu bedenken gegeben, ob man eine Majorette in Uniform einladen solle. Das wurde dann verworfen, weil man sich sicher war, dass alle genau wissen, worum es da geht.

Es wurde also Zeit, dass im Zusammenhang mit Crailsheim und dem "Nationalheiligtum" der Crailsheimer etwas geschrieben wird, und das hat Wildis Streng getan. Ihre Perspektive ist eine gemischte. Sie wählt als Kommissarin Lisa Luft. Die aus Nordrhein-Westfalen Kommende spricht natürlich hochdeutsch und kennt sich mit den Crailsheimeriana überhaupt nicht aus. Dafür ist ihr Kollege und Lebenspartner Heiko Wüst ortsansässig. Frau Luft muss man alles erklären - Herr Wüst tut das. Abgesehen von dem konkreten Fall, dass nämlich während des Volksfestes ein Mord geschieht und die Leiche jagstabwärts treibt, ergeben sich eine Reihe von Anlässen, das Lokalkolorit zur Geltung zu bringen.

Das beginnt bei der Sprache. Es prallen lupenreines Hochdeutsch auf unterschiedlich intensiv gesprochenes Hohenlohisch. Ortsnamen wie Triensbach werden genussvoll im Dialekt geschrieben und von der Autorin während der Lesung überaus glaubwürdig gesprochen. Das sorgt für Amüsement und zustimmendes Glucksen beim Publikum. Kulinarische Aha-Erlebnisse wie das Kuttelessen am Volksfestmontag, um das Lisa Luft nur knapp herumkommt, werden genüsslich ausgemalt. Schön sind auch die Landschaftsbeschreibungen. Die titelgebenden Trauerweiden an der Jagst werden entsprechend gewürdigt.

Natürlich werden eventuelle Lösungen für den Fall nur angedeutet. Schließlich soll der Lesespaß nicht verdorben werden. Den Zuhörerreaktionen war allerdings zu entnehmen, dass viele schon ziemlich gut Bescheid wussten. Der Erfolg von "Ohrenzeugen", dem ersten Hohenlohe-Krimi der Autorin, könnte also wiederholt oder vielleicht sogar getoppt werden.

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