Crailsheim Lebensraum für Wildbienen schaffen

Seit 2015 arbeiten von links Baubürgermeister Herbert Holl, Stephan Brendle vom Fachbereich Bauen und Planen sowie Wildbienenexperte Rainer Prosi zusammen am Projekt Stadtbiene.
Seit 2015 arbeiten von links Baubürgermeister Herbert Holl, Stephan Brendle vom Fachbereich Bauen und Planen sowie Wildbienenexperte Rainer Prosi zusammen am Projekt Stadtbiene. © Foto: Jana Wengert
Crailsheim / Jana Wengert 23.02.2018
Seit 2015 läuft das Projekt Stadtbiene in Crailsheim. Zum Saisonauftakt lief ein Dokumentationsfilm mit anschließender Vorstellung des Kartierungsprojekts durch Wildbienenexperte Rainer Prosi.

Die warme Jahreszeit rückt näher, die ersten Pflanzen beginnen zu blühen, und auch das Summen der Bienen weckt lang­ersehnte Frühlingsgefühle. Beim Gedanken an die kleinen, schwarzgelben, summenden Insekten kommt den meisten Menschen direkt die Honigbiene in den Sinn, die in vielen Haushalten für den leckeren Brotaufstrich am Morgen sorgt – dabei gibt es noch viele weitere Aufgaben, die das fleißige Insekt übernimmt.

Mit dem Projekt „Stadtbiene“ fördert die Stadt Crailsheim seit 2015 die Honig- und Wildbienen in den Stadtgebieten. Dazu werden die durch die intensiv genutzte Landwirtschaft abgemähten Rasenflächen wieder bepflanzt, um neue insektenfreundliche Lebensräume zu gewinnen. Mit dem Vorhaben soll die Lebensraumvielfalt im städtischen Grün zunehmen und ein Ausgleich zu Siedlungsstrukturen geschaffen werden, heißt es auf der Internetseite über die Stadtbiene.

Vergangenen Dienstag bot die Stadt Crailsheim im Kammerkino die Gelegenheit, sich zum Saisonauftakt der Bienen über das kleine fleißige Insektenvolk und ihre verschiedenen Lebensräume zu informieren. Dazu wurde der mit dem deutschen Naturfilmpreis 2017 ausgezeichnete Dokumentationsfilm „Biene Majas wilde Schwestern“ ausgestrahlt. Der Film von Regisseur Jan Haft weist auf die Abhängigkeit zwischen Menschen und Wildbienen hin und soll dazu inspirieren, diese Beziehung mit kleinen und großen Taten auch in Zukunft nachhaltig zu unterstützen. Ein voller Kinosaal lässt auf großes Interesse bei den Bürgerinnen und Bürgern aus Crailsheim und der Umgebung schließen.

Im Anschluss stellte Wildbienenexperte Rainer Prosi aus Crailsheim den Ablauf der Kartierung vor. Es wird zwischen drei Wildbienenarten unterschieden: die gehörnte Mauerbiene, die gelbbindige Furchenbiene und die bunte Hummel. Nun werden alle Bürger dazu aufgefordert, die vorgestellten Wildbienenarten selbst in ihrem Stadtgebiet zu entdecken, zu fotografieren und somit zu kartieren. Dazu gibt es auf der Internetseite der Stadt Crailsheim ein Formular zum Ausfüllen und ein Satellitenbild, auf dem die Orte markiert werden können.

Um möglichst vielen Wildbienenarten einen neuen Lebensraum zu schaffen, sollte man eine Vielfalt in seinem Garten anbieten. „Ein gepflegter Rasen kann nicht toll sein“, sagt Rainer Prosi. Statt dem satten Grün auf einer großen gemähten Rasenfläche, was durch viele Düngemittel erreicht wird, bevorzugt der Bienenexperte lieber eine bunte Wiese mit verschiedenen Blumen und Sträuchern – das gefällt auch den Bienen besser. 1977 hat der Bienenliebhaber seinen ersten Garten angelegt: Damals habe er keinerlei Insekten beobachten können. Das war auch der Grund, weshalb Rainer Prosi seinen Garten nach und nach umgepflanzt und sich Samen für Wildblumen besorgt hat. „Es ist wichtig, dass der Anteil an Blütenpflanzen im Garten stimmt“, erklärt er.

Der Vorteil an Crailsheim sei, dass es noch viele Grünflächen und blühende Flecken in der Stadt gibt. Eine Inspiration für den eigenen Garten kann sich jeder Interessierte beispielsweise am Kreisverkehr Richtung Goldbach holen. Dort wurden Pflanzenstauden miteinander kombiniert, die die Insekten die ganze Saison über mit Nahrung versorgen sollen. Wer in seinem Garten klein anfangen möchte, für den liegen im Bürgerbüro und in der Stadtbücherei Tüten mit Blumensamen aus, die ganz einfach zu Hause gesät werden können.

Die nächsten Termine zum Projekt Stadtbiene

Neben der Stadtbiene sollen auch andere Insekten nicht unbeachtet bleiben. Am Donnerstag, 12. April, 19 Uhr, hält Rolf Prosi im Forum in den Arkaden einen Vortrag über Schmetterlinge. Er zeigt auf, welche Arten in Crailsheim vorkommen und wie für sie bessere Lebensbedingungen geschaffen werden können. Der Eintritt ist frei. Zudem gibt es am Samstag, 21. April, zwischen 10 und 12 Uhr die erste Crailsheimer Pflanzentauschbörse auf dem Wochenmarkt. Stauden und Samen werden von Gartenbesitzern mitgebracht und getauscht oder verschenkt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.