Das Wort Ackerschachtelhalm fällt recht oft; dem braunen Sud, generell den Ernährungstipps wird ein ordentlicher Teil des Lauferfolgs zugeschrieben. Und so freudig erzählen die Teilnehmer der Aktion „Lauf geht’s“, dass sie fitter und gesünder sind, dass sie bereits beim ersten Lauf-geht‘s-Programm dabei waren und sich seither nie wieder eine Erkältung zugezogen haben, dass jemand mit Hang zum Aberglauben gar nicht mehr aufhören kann, ein Stück Holz zum Draufklopfen zu suchen.
Dieser Lauf der SÜDWEST PRESSE HOHENLOHE ist Meilenstein auf dem Weg zum Halbmarathon im Spätherbst. Laufanfänger, Wiedereinsteiger und Geübte, die seit dem Frühjahr in Lauftreffs in Schwäbisch Hall und Crailsheim trainieren, wollen sich beweisen, dass sie inzwischen fit genug sind, zehn Kilometer durchzustehen.
Meilensteinkontrolle am 1. August – Start und Zieleinlauf

Lauf geht’s SHO 2020 Meilensteinkontrolle am 1. August – Start und Zieleinlauf

Julia Kobolt, Simone Deschner, Ulrike Schönberger und Claudia Giesel sind zum zweiten Mal dabei und laufen nunmehr seit 16 Monaten miteinander; auch den Winter über haben sie sich getroffen und möchten das nicht missen. Ulrike Schönberger sagt, sie sei nicht wesentlich schneller geworden, aber sie laufe leichter, müheloser: Ihre Kondition hat sich entscheidend verbessert. So abgekocht sich die Vier gefühlt haben, als sie die Ziellinie und damit die Zeitnahme endlich, endlich hinter sich gebracht hatten, so beschwingt gehen sie jetzt in den Rest-Samstag.
Diese Freude, dieser Stolz zeigt sich auch auf allen anderen Gesichtern. Gruppe für Gruppe trifft ein, meist hinter den Crailsheimer Schrittmachern versammelt – „die mit dem gelben Leibchen“ –, die ambitionierte Läufer unter 65, 70 oder 90 Minuten ins Ziel bringen. Und schon werden die ersten Geschichten ausgetauscht, so von Laufveteran zu Laufveteranin. Ein Zuckerschlecken war das Ganze nämlich nicht.

Die 30-Grad-Marke

Peter Dietz war laut Moderator Götz Greiner der letzte, der bei 29 Grad ins Ziel rannte: Alle anderen haben die 30-Grad-Marke geknackt, und das ist für eine solche Strecke schon heftig. Marcus Faber, der Headcoach des Haller Teams, hat die knapp hundert Läufer und Power-Walker vorab mit gewohnt trockenem Humor durchs Aufwärm- und Dehnprogramm geführt und maßgeblich dazu beigetragen, dass die ganze Truppe mit einem Lächeln loslegte. Aber auch Faber hatte ein ernstes Anliegen angesichts der hohen Temperaturen: „Zwei Schlag unter Maximalpuls – das muss nicht sein; da droht ein Kollaps.“ In der Tat berichten Läufer von sehr hohem Puls und davon, dass ihnen die Hitze zu schaffen machte. Der elfjährige Max Linus Koppenhöfer wollte eigentlich mit Mama Christina mitrennen, hat es sich aber bald anders überlegt. Annette Brenner ist mit Puls 185 kurzfristig gegangen.
Ihre Wahrnehmung dieses Streckenverlaufs wird so oder sehr ähnlich von vielen geteilt. Kilometer Zwei ist furchtbar, so die kollektive Erfahrung; da ist‘s kaum vorstellbar, dass das noch was wird. Bei Kilometer Fünf gibt‘s ein Hoch, weil‘s ab jetzt ja wieder Richtung Ziel geht. Bei Kilometer Acht droht die Kraft auszugehen, und der letzte Kilometer wird gerne auch in geschätzten Hundert-Meter-Abschnitten zurückgelegt.
Meilensteinkontrolle - Bilder vor dem Start und von den Mobi-Stabi-Übungen

Lauf geht’s SHO 2020 Meilensteinkontrolle - Bilder vor dem Start und von den Mobi-Stabi-Übungen

Überhaupt ist das Zählen ein beliebter Kniff, sich durch schwierige Phasen zu retten: „Ein. Und. Zwan. Zig.“: Die meisten wissen nicht mal, ob sie Sekunden, Schritte oder gar nichts zählen. Es lenkt ab. Andere denken gar nichts, pumpen einfach so viel Luft in ihre Lungen wie nur irgend geht. Und wieder andere, mit Hang zum Drama, fühlen sich in alte Western versetzt, in denen die Helden in der Wüste zugrundegehen, während die Sonne immer größer und gleißender wird.
Meilensteinkontrolle am 1. August - Bilder von der Strecke

Lauf geht’s SHO 2020 Meilensteinkontrolle am 1. August - Bilder von der Strecke

DRK an der Strecke

Damit nicht wirklich etwas passiert, sind an der Strecke Wasserstationen und DRK-Bereitschaften stationiert. Robin Winter und Katja Hieber, zwei DRK-Ehrenamtliche, die sich für diesen Dienst gemeldet haben, sind auf Schürfwunden und Verstauchungen eingestellt, vor allem aber darauf, Kreislaufprobleme in den Griff zu kriegen und überhitzte Sportler möglichst effektiv zu kühlen. Sie werden nicht gebraucht. Alles geht gut.

Info: Wer die zehn Kilometer lange Strecke am Reußenberg selbst einmal laufen möchte, melde sich zum virtuellen Lauf an unter www.crailsheim-laeuft.de.