Seit rund sechs Jahren steht die kleine Holzhütte vor dem Hof direkt an der Straße. In Regalen und Kühlschränken finden sich dort Käse aus der hauseigenen Milch, Eier von den Hühnern des Hofes und dazu Produkte aus allem, was Obst- und Kräutergarten, Herd und Ofen des landwirtschaftlichen Betriebs so hergeben. So stehen dort fein säuberlich aufgereiht Bärlauchpesto und Rosensirup, Obstessig, kleine Tütchen mit Flachswickeln, Marmelade und vieles mehr, je nachdem, was die Jahreszeit gerade hergibt.

„Unsere mittlere Tochter hat das in Schwung gebracht“, erzählt Susanne Friedrich, die das Hüttle zusammen mit den Töchtern bestückt. Die sind zwar mittlerweile aus dem Haus, doch der Strom an immer neuen Produkten reißt dennoch nicht ab. „Es war schon immer ein Hobby, etwas Neues auszuprobieren, und bei uns kommen die Sachen direkt vom Hof, aus dem eigenen Garten oder aus der näheren Umgebung”, betont Susanne Friedrich.

Frische Zutaten

Keine Konservierungsstoffe, keine Farbstoffe und so wenig Zutaten wie möglich, das ist das Credo bei der Herstellung. Produktschwankungen sind in diesem Fall ein Qualitätsmerkmal, weil tatsächlich nur das verarbeitet wird, was aktuell frisch und verfügbar ist.

Seit vier Jahren steht in dem Hüttle ein Milchautomat, an dem frische Milch vom Hof gekühlt direkt in Glasflaschen abgefüllt werden kann. Das Verkaufsprinzip ist simpel: Die kleine Hütte ist kameraüberwacht, und der Käufer bezahlt möglichst passend in ein Kässchen. Wer Wechselgeld braucht, muss klingeln.

Regio-Häusle in Frankenhardt Ausnahmezustand vor der Haustür

Frankenhardt

So ist das Hüttle besonders beliebt für kleine Einkäufe auf der Durchfahrt, am Wochenende oder nachts, denn die Türen sind immer geöffnet. Dass genau dieses Verkaufskonzept einmal ein Renner werden könnte, daran hätte Susanne Friedrich noch vor Monaten nicht im Traum gedacht, doch in Zeiten, in denen möglichst wenig Kontakt oberstes Gebot ist, trifft es tatsächlich genau den Nerv der Zeit. „Wir haben bestimmt ein Drittel mehr Kunden seit Corona, und vor allem nachts ist mehr los”, bestätigt Susanne Friedrich den Trend. Sie hat außerdem beobachtet, dass die Leute Abstand halten, das Hüttle nur betreten, wenn es komplett leer ist und Beifahrer lieber im Auto warten. Das Gespräch sucht im Moment fast keiner. „Die Leute kommen nicht mehr zum Plaudern“, bedauert die Landwirtin ein wenig, sie zeigt aber Verständnis.

Ihrer Beobachtung nach sind es gar nicht die Senioren, die die Selbstbedienung vorrangig nutzen im Moment, sondern viele junge Familien und Paare. Inzwischen muss sie die Regale viel häufiger füllen. „Es ist viel Arbeit, das alles zu produzieren, und wir kommen momentan fast an un­sere Grenzen“, gibt sie zu. Sie lobt den Einsatz ihrer Familie, die
sie dabei unterstützt, das Angebot aufrechtzuerhalten. Dabei gibt es in der Landwirtschaft immer viel zu tun, und die Krise macht sich auch dort inzwischen bemerkbar.

Landwirtschaft in der Krise

„Der Fleischpreis ist gesunken, Ersatzteile und Betriebsmittel haben längere Lieferzeiten“, fasst Susanne Friedrich grob zusammen. Der Milchpreis ist bis jetzt stabil, doch auch hier rechnet die Familie in naher Zukunft mit sinkenden Preisen. Doch den Landwirten ist wichtig zu betonen: „Man darf nicht vergessen, die Landwirtschaft war auch schon vor Corona in einer Krise, und es war ein Kampf, darauf aufmerksam zu machen. Durch Corona ist das jetzt völlig in den Hintergrund getreten.”

Gleichzeitig sehen die Friedrichs in der Krise auch eine Chance, wenn sich Verbraucher zurückbesinnen auf regional ­produzierte Ware. Deshalb hat die Familie vor Kurzem ein Hühnermobil angeschafft, um Freilandeier zu produzieren. Wegen Corona bekommen sie allerdings gerade keine Hühner, und das Projekt steckt in der Warteschleife. Doch flexibel sein und kurzfristiges Planen sind Eigenschaften, ohne die es in der Landwirtschaft schon lange nicht mehr geht.