Satteldorf Landwirt setzt auf „Agostino“

Mit vier Beratern war das Landwirtschaftsamt in Satteldorf vor Ort (von links): Stefan Hörner, Tiemo Hofmann, Albrecht Schweyher und Sven Wolpert.
Mit vier Beratern war das Landwirtschaftsamt in Satteldorf vor Ort (von links): Stefan Hörner, Tiemo Hofmann, Albrecht Schweyher und Sven Wolpert. © Foto: Ursula Richter
Satteldorf / Ursula Richter 08.09.2018

Informationen für Landwirte boten vier Referenten des Landwirtschaftsamts in Ilshofen an. Diese recht große Besetzung wurde durch ein Dreierteam der LBV Schrozberg verstärkt.

Die 75 Landwirte konzentrierten sich auf die zahlreichen Daten und Fakten, die ihnen geliefert wurden. Daniel Mayer aus Bölgental sagte: „Man hat zwar auch sonst die Tabellen vorliegen, aber hier bekommt man eine neutrale Beratung.“ Mayer war sich nicht sicher, welches Saatgut der Getreideart Triticale er 2018 ausbringen soll.

Pflanzenproduktionsberater Albrecht Schweyher wies allgemein darauf hin, dass Triticale grundsätzlich höhere Erträge bringe als Weizen, und benannte die ertragreichsten Sorten mit ihren Vorzügen und Nachteilen. Daniel Mayer entschied sich für „Agostino“, die bewährt und relativ ertragsstabil im extensiven oder intensiven Anbau keine großen Unterschiede zeigt.

Auch Hubert Pfitzer aus Bühlertann hat während des Vortrages herausgefunden, was er in den nächsten Wochen säen will: „Ich nehme den Winterweizen ,Boss’ oder ,Kamerad’“. Er ist froh, dass er die Wintergerste „SU Ellen“ schon besorgt hat, denn auch diese Sorte wurde jetzt in Satteldorf empfohlen. Den Informationsabend empfindet Pfitzer als hilfreich. Er weiß nach den Ausführungen von Stefan Hörner, welche beiden Mittel er braucht, um die Wintergerste zu spritzen. Der Pflanzenproduktionsberater rät zur Vorsorge, aber auch zur Beachtung von Schadschwellen, beispielsweise bei Raps, und empfiehlt ein Resistenzmanagement. Das bedeutet: spätere Aussaat, Zurückhaltung, wenn, wie im Moment, die sogenannte „grüne Brücke“ unterbrochen ist, über die sich Schädlinge durch die Vegetationszeit hangeln können, oder das Abmulchen von Mais­stoppeln, um dem Maiszünsler, der es dieses Jahr sowieso schwer gehabt hat, vollends den Garaus zu machen.

Immer wieder gibt es neue Gesetze und Verordnungen, die teilweise weitreichende Konsequenzen haben. Das Wassergesetz von 2015 schreibt Abstände zu Oberflächengewässern für die Bewirtschaftung vor. Ab 2019 ist es verboten, Gewässerrandstreifen als Acker zu bewirtschaften. Ein fünf Meter breiter Streifen muss ab der Böschungsoberkante freigehalten und allenfalls mit Blühstreifen eingesät werden. Die Landwirte äußern dazu keine Meinungen. Die Frage, wer den Landwirten den Ernteausfall ersetzt, bleibt offen.

Sven Wolpert gibt Tipps und Hinweise, um den Grünlandbestand zu sichern. Nach dem Dauersommer sieht es, wie man auch einzelnen Fotos der Präsentationen entnehmen kann, auf manchen Wiesen ziemlich lückenhaft aus. Was über das Gras hinaus noch nachgesät werden könnte, wird aufgelistet. Auch Informationen zur Liberalisierung der Futternutzung von Begrünungen und Brachflächen aufgrund der Futterknappheit werden gegeben.

Tiemo Hofmann reicht Details zur Düngeverordnung von 2017 nach. Sie orientiert sich am Düngebedarf der Kulturen, sieht Einarbeitungsfristen von vier Stunden vor und enthält Vorschrif-
ten zum Aufbringen von Dünger. Daniel Mayer seufzt da ein bisschen und überlegt: „Es wäre vielleicht manchmal besser, etwas nicht zu verbieten. Man könnte Anreize schaffen, größere Güllegruben zu bauen, damit es wirtschaftlicher wird, Gülle vielleicht auch ein Dreivierteljahr zu lagern. Dann kann man sie ausbringen, wenn es wirklich sinnvoll ist.“

Neu ist die sogenannte Stoffstrombilanz. Seit Januar 2018 müssen alle Stickstoff- und Phosphatmengen, die in den landwirtschaftlichen Betrieb hineinkommen und ihn später wieder verlassen (beispielsweise als fertiges Mastschwein oder als Milch) ab einer bestimmten Größe bilanziert werden. Dazu sind Aufzeichnungen im Dreimonatsrhythmus erforderlich. Ein junger Landwirt, der sicherlich keinerlei Probleme mit der vorgestellten Excel-Tabelle hat, stellt eine der wenigen Fragen des Abends: „Ist das auch mit den Buchführungsprogrammen verknüpfbar?“ Tiemo Hofmann muss antworten, dass das bis jetzt noch kein Automatismus sei.

Dankbar für Informationen

Weshalb, so könnte man sich fragen, führt man eine Verordnung ein, ohne genügend Zeit zu geben, dass sie auch problemlos und ohne Anlaufschwierigkeiten umgesetzt wird? Die Landwirte stellen an diesem Abend solche Fragen nicht. Sie sind den Referenten des Landwirtschaftsamts dankbar für die sorgfältig aufbereiteten, umfassenden Informationen. Auch nach den Vorträgen stehen die Berater für Fragen zur Verfügung, und es fällt schon auf, wie ungewöhnlich das alles ist. Ein Amt, das sich fast bis Mitternacht darum bemüht, nicht zu kontrollieren, sondern zu informieren, zu raten und zu helfen. „Und wir bekommen nicht einmal Nachtzuschlag“, sagt Albrecht Schweyher lächelnd.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel