Ellwangen Ladegleis für Industrie gesucht

Im Bereich Goldshöfe scheint eine Be- und Entladestelle für Bahnwaggons am leichtesten realisierbar.
Im Bereich Goldshöfe scheint eine Be- und Entladestelle für Bahnwaggons am leichtesten realisierbar. © Foto: Franz Rathgeb
Ellwangen / GERHARD KÖNIGER 24.11.2014
Gibt es im Raum Ellwangen Bedarf an einem Gleisanschluss zur Verladung von Industriegütern? 2003 wurde die Anlage in Ellwangen demontiert. Seitdem müssen Betriebe nach Crailsheim oder Aalen.

Möglicherweise würden sich im Raum Ellwangen größere Industriebetriebe ansiedeln, wenn es einen Gleisanschluss zum Be- und Entladen von Bahnwaggons gäbe. Diese Hoffnung treibt offensichtlich den Ellwanger Oberbürgermeister Karl Hilsenbek um. Denn er hat jetzt eine Initiative gestartet, um die Notwendigkeit eines Gewerbe-/Industriegebiets mit Gleisanschluss in der Raumschaft zu klären.

In Briefen hat er den Aalener Oberbürgermeister Thilo Renschler sowie die Bürgermeisterkollegen aus Westhausen, Hüttlingen und Rainau zum Gedankenaustausch eingeladen. Ein entsprechendes Treffen soll im Ellwanger Rathaus stattfinden.

Als 2003 die Bahn AG ohne Vorankündigung die Rangiergleise zur Panzerverladerampe entfernte und damit auch die Beladung von Industriegütern unmöglich machte, löste dies heftige Proteste von der Stadtverwaltung und den Abgeordneten aus.

Nicht jedoch von Industriebetrieben der Region. Kein Wunder, denn es gab auch kein Unternehmen mehr, das die Möglichkeit zur Bahnverladung in Ellwangen nutzte. Die BAG Ellwangen war vermutlich einer der letzten Kunden, die sich Ware per Bahnwaggon nach Ellwangen fahren ließen. Weder VARTA noch ODR oder Mödinger, deren Betriebe direkt an die Bahngleise angrenzen, nutzten nach der Jahrtausendwende noch die Möglichkeit zur Bahnverladung. Auch die Ellwanger Bundeswehr war nach dem Verlust der Panzerpioniere kein Kunde der Schiene mehr.

Für Betriebe abseits der Bahnlinie dürfte der Aufwand, die Ware erst per Lkw zum Industriegleis zu bringen, viel zu groß sein, um die Schiene zu nutzen. Was einmal auf dem Laster ist, kann auch gleich zum Kunden geliefert werden.

Der Gedanke, ein Industriegebiet mit Gleisanschluss anzubieten, dürfte dem OB also durch die konkrete Anfrage eines interessierten Unternehmens gekommen sein. Selbst wenn eine solche Firma größere Investitionen in Aussicht stellt - eigens dafür einen Gleisabzweig zu schaffen, dürfte viel zu teuer sein. Es sei denn, es gibt auch in anderen Gemeinden entsprechende Interessenten. Dann könnte man gemeinsam ein geeignetes Gebiet an der Bahnlinie schaffen.

Roland Kortz, Pressesprecher der Bahn AG in Stuttgart, sagt über die Kosten eines derartigen Gleisanschlusses: "Das hängt ganz von der Länge und den Hilfseinrichtungen, zum Beispiel einer Krananlage ab. Die Bahn ist erst ab dem Punkt zuständig, an dem ein solches Gleis an das DB-Netz anschließt." Was bedeutet, dass der private beziehungsweise kommunale Träger eines Industriegleises die Kosten für Bau und Unterhalt allein tragen muss. Allerdings gibt es eine Bundesförderung, die sich danach bemisst, wie viel Tonnage durch diesen Gleisanschluss von der Straße auf die Schiene verlagert wird.

Das Ellwanger Kasernengelände oder das Industriegebiet Neunheim/Neunstadt dürften für ein solches Gleisprojekt nicht in Frage kommen. Viel zu teuer wäre die Querung der Jagst und der Bundesstraße 290 oder der Anstieg zum Industriegebiet. Die einzig plausible Fläche für ein Gewerbegebiet mit Gleisanschluss liegt im Bereich Goldshöfe.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel