Skulptur Kunstwerke in seltener Technik

Crailsheim / Helga Steiger 29.06.2018
Christian Schubert war im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts als Bildhauer in Crailsheim tätig. Von seiner Hand stammen mehrere Standbilder in der seltenen Stampfbeton-Technik.

Wer in Crailsheim den Namen Schubert hört, denkt mit Sicherheit an das international erfolgreiche Verpackungsunternehmen, das von Gerhard Schubert gegründet wurde. Kaum bekannt ist jedoch, dass der Vater von Gerhard Schubert in Crailsheim als Künstler tätig war: Christian Schubert (1900–1947) arbeitete als Steinmetz und Bildhauer, von seiner Hand stammen mehrere Grabmale und Kriegerdenkmale. Auch die Sitzfigur auf dem 1927 an der Jahnhalle aufgebauten „Kindlesbrunnen“, der für eine Gewerbeschau gefertigt wurde und der seit 1965 in der Grabenstraße steht, hat er geschaffen.

Die Eltern von Christian Schubert sind Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Schweiz nach Deutschland gezogen. Beide sind früh gestorben. So wuchsen die sechs Kinder in verschiedenen Orten Süddeutschlands als Waisen auf. Während des ersten Weltkriegs diente Christian auf einem U-Boot. Als gerade 18-Jähriger zog er nach Crailsheim, wo er begann, sich seinen Lebensunterhalt mit dem Anfertigen von Grabsteinen zu verdienen. Er heiratete Leonie Mohr, die Tochter eines Postobermeisters. Als älterer von zwei Söhnen wurde 1938 Gerhard Schubert geboren.

Gerhard Schubert erinnert sich: „Ich war oft das Modell meines Vaters und sollte dabei ruhig sitzen, was mir natürlich nicht immer gefiel. Mein Vater formte währenddessen eine Figur aus Ton.“ Diese kleinen Figuren dienten als Vorlagen für größere Arbeiten. Er ergänzt: „Oft waren wir auch im Steinbruch. Dann hat sich mein Vater einen großen Stein gesucht, um ihn später zu bearbeiten.“ An der Beuerlbacher Straße hat Christian Schubert ein Atelier gebaut, das der Familie in der Nachkriegszeit als Wohnhaus diente. Im Arbeitsraum des Vaters hat Gerhard Schubert seine ersten technischen Entwürfe entwickelt.

Sein Vater arbeitete manchmal in einer nur selten angewandten Technik: Er fertigte Kunstwerke aus Stampfbeton, bei denen von einem Ton- oder Gipsmodell eine Form gefertigt wurde, in die der Beton gegossen wurde. Ein Beispiel hierfür ist das Kriegerdenkmal auf dem Onolzheimer Friedhof, das nach dem Ersten Weltkrieg entstanden ist und an die Gefallenen erinnert. Auf einem mit den Hinterbeinen einknickenden Pferd sitzt aufrecht ein Krieger, der bis auf ein Hüfttuch und einen Stahlhelm nackt ist. Das Schwert in seiner Hand ist abgebrochen. Unter dem Pferd windet sich eine dicke Schlange, wie bei einer Hydra entspringen dem Kopfteil viele kleine Schlangen, die sich zwischen den Vorderbeinen des Pferdes emporrecken und sich in Brust und Hals des Pferdes verbeißen. Dieses reißt im Schmerz den Kopf nach oben, sodass sich im Gesamten eine steile Rückenlinie ergibt. Die Leiden des Kriegs werden deutlich zum Ausdruck gebracht.

Das Denkmal steht inzwischen 100 Jahre, und die Zeit hat bei dem empfindlichen Material Spuren hinterlassen. Bei der geplanten Restaurierung, zu der Gerhard Schubert die Kosten übernimmt, sollen unter anderem Risse und Poren geschlossen werden, um den weiteren Zerfall zu verhindern. Gerhard Schubert wartet nun auf die Bewilligung einer Überdachung. Diese hat er schon längst geplant, um das Werk seines Vaters zu erhalten.

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