Kreisel Kunst (und Bepflanzung) auf Kreisverkehrsinseln sorgt für tiefe Verunsicherung

MATHIAS BARTELS 16.02.2013
Jeder Autofahrer kennt sie, nachdem sie über Jahre wie Pilze aus dem Boden schossen: Kreisverkehre mit Kunst. Eine EU-Richtlinie sorgt jetzt für Verunsicherung: Außerorts soll die Kunst wieder verschwinden.

Eigentlich ist es ja wohl eher ein Sommerthema zum Titel "Viel Lärm um nichts". Zumindest um nicht viel. Da erlässt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann einen Erlass des Inhalts, dass an Kreisverkehren außerhalb geschlossener Ortschaften "grundsätzlich keine starren Hindernisse" mehr erlaubt sind. Und schon spielen zahllose Politiker, Beamte und andere mit der Materie befasste Menschen schier verrückt: Ist das sinnvoll, nötig oder vielmehr überflüssig?

Auch innerhalb geschlossener Ortschaften, so die ministerielle Aufforderung, mögen die Kommunen - bitte sehr - prüfen, welches "Gefährdungspotenzial" von Kunstwerken oder auch Bäumen und Felsblöcken ausgeht. Im Zweifel sei ein Rückbau anzuordnen, heißt es aus Stuttgart.

In Crailsheim ist Vollzug angesagt. Die im Volksmund gern "wilde Hilde" genannte Skulptur am Bullinger-Eck-Kreisel ist bereits "geflüchtet". Der Bauhof hat sie abgeräumt. Vorauseilender Gehorsam? Beileibe nicht, wie Ordnungsamtsleiter Christoph Jung festhält: "Es gab eindeutige Anweisungen aus Stuttgart bis hin zur Androhung weiterer Konsequenzen, wenn unfallträchtige Kreisverkehre nicht entschärft werden."

Die "Hilde" soll aber wieder auferstehen - an einem neuen Standort in der Mitte des Kreisels. "Mehr Augenmaß wäre mir lieber gewesen", kommentiert Jung. Zumal die - im Badischen - dokumentierten (Un-)Fälle ohne Ausnahme von Fahrern verursacht wurden, die mit hohem Tempo und alkoholisiert unterwegs waren.

In Crailsheim beschäftigte sich im Juli 2012 eigens eine Verkehrsschau, unter anderem mit Experten des Stuttgarter Regierungspräsidiums, mit den Kreiseln. Im Dezember erfuhr der Gemeinderat von der neuen Sachlage. Konsequenterweise wurden die Kreisverkehre an der Westumgehung und bei Procter & Gamble zurückgebaut. Auch an anderen Stellen im Landkreis hat der Baggerzahn zugebissen und Kunst und Bäume kurzentschlossen entsorgt.

Besteht nun wirklich keine Gefahr mehr, dass nachts und bei Nebel Auto- und Motorradfahrer die "Rundstrecken" übersehen? Das ist fraglich. Im Zweifelsfall, da sind Skeptiker überzeugt, dürfte mit Sicherheit die nächste EU-Richtlinie kommen.