Crailsheim Kultic-Kabarett im Ratssaal: Lebe lieber ungewöhnlich

Gewöhnlich sein? Lieber nicht, weil langweilig, findet der Mainzer Kabarettist Frank Fischer.
Gewöhnlich sein? Lieber nicht, weil langweilig, findet der Mainzer Kabarettist Frank Fischer. © Foto: Ralf Snurawa
Crailsheim / Ralf Snurawa 11.06.2018
Frank Fischer hat auf Einladung von Kultic im Rathaussaal über Biene Maja in der Fernsehröhre, Mettwurst für die Augen und Regenschirme im Hallenbad philosophiert. Das kam meistens an.

Ungewöhnlich sein will Frank Fischer. Denn: Die Menschen seien grundsätzlich mit ihrem Leben zufrieden, nur der Alltag sei vielen zu langweilig. Dagegen könne man etwas tun. Eben: Einfach mal ungewöhnlich sein.

Der Kabarettist ist am Freitagabend nah an seinem Publikum, bezieht es in sein Programm ein. Dabei fragt er, woher die eine oder der andere kommt. Fasziniert gibt er sich vom Dialekt. „Sie sprechen wie ihr Ministerpräsident“, bescheinigt er einer Hallerin und imitiert sie dabei. Er selbst komme aus Mainz. Da rede man anders komisch. Als ein Handy klingelt, fordert er die Besitzerin auf, doch den Anruf entgegenzunehmen. Es interessiere ihn, wer da anrufe. Daraus wird aber nichts.

Nicht jede Geschichte zündet

Dann konzentriert sich Fischer wieder mehr auf sein Programm. Nicht alle Geschichten, die er an diesem Abend präsentiert, zünden auch. Die Sache mit dem Fernseher ist dem Publikum dann doch etwas zu übertrieben: Erst 2010 habe er im Media-Markt beim Kauf eines Flachbildschirms erfahren, dass da niemand im Fernseher sei. Früher habe er bei den Kästen geglaubt, dass Biene Maja und alle ihre Freunde in einer Wohngemeinschaft im Fernseher lebten.

Das Fernsehen und die Werbung gehören an dem Abend zu Fischers Lieblingsthemen. Mit der RTL-2-Sendung „Frauentausch“, die er natürlich auch nur beim Ausrutschen des Fingers auf der Fernbedienung gesehen habe, beschäftigt er sich dabei ebenso wie mit Auswanderern, die auf Mallorca ein Sonnenstudio in den Sand setzen oder nicht die Sprache des Landes, in das sie ausgewandert sind, sprechen wollen.

Er sei ja kein Fernsehjunkie, verfalle aber doch schnell wieder der Faszination der in diesem Medium gezeigten Werbung: In Anspielung auf seine fehlende Haarpracht ist natürlich das Haarwuchsmittel mit Koffein Thema: Das habe er all die Jahre getrunken. 

Was wohl als Nächstes komme? Werde Mettwurst oder Salami eingesetzt, um Kurzsichtigkeit zu stoppen? Sein Lieblingswort stamme übrigens auch aus der Werbung – für Dyson-Staubsauger. Da rede Mr. Dyson vom beutellosen Staubsauger „ohne Saugkraftverlust“.

Den Fokus belässt Fischer in seinem Programm jedoch auf seiner Forderung danach, ungewöhnlich zu sein, um den Alltag spannender werden zu lassen. Da hat er eine ganze Menge an Vorschlägen, die er pointiert vorstellt. Einer der absurdesten ist, im Hallenbad mit dem aufgespannten Regenschirm seine Bahnen zu ziehen. Und auf die Frage des Bademeisters nach dem Warum zu antworten: „Weil‘s erlaubt ist!“ Ein anderer Vorschlag: einen Tag beim Mercedes-Händler verbringen und sich beraten lassen. Dann solle man schließlich zusammenfassen: „A- und B-Klasse schön und gut, aber haben Sie auch den neuen Opel Astra?“

Einer der Lieblingsorte für ungewöhnliche Aktionen ist für Frank Fischer der Zug. Dort erlebe er auch die interessantesten Geschichten beim Beobachten von Menschen. Und schon befindet sich das Publikum mitten im „Senfgasangriff“ durch den Geruch von hart gekochten Eiern. Die südhessische Landfrauengruppe auf dem Weg zur Musicalaufführung zwischen kistenweise Sekt und Bergen von Nahrungsmitteln und der Frage nach dem „Hugo“ darf da nicht fehlen.

Wie bei anderen Kabarettisten auch sind bei Fischer die Durchsagen der Deutschen Bahn beliebt. Zwischen Leipzig und Dresden habe er den Schaffner einmal sagen hören: „Korrektur beim Ausstieg. Der befindet sich nicht links, sondern gegenüberliegend.“ Dafür gibt‘s aus dem Publikum spontane Lacher und am Ende viel Beifall.

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