Pleite KSV Waldeck: Pleite ist jetzt amtlich

Die Klärschlammverwertungsanlage (KSV) in Waldeck ist seit dem 1. Juli in der Insolvenz
Die Klärschlammverwertungsanlage (KSV) in Waldeck ist seit dem 1. Juli in der Insolvenz © Foto: Andreas Harthan
Crailsheim/Dinkelsbühl / ANDREAS HARTHAN 01.08.2012
Die Klärschlammverwertungsanlage (KSV) in Waldeck ist seit dem 1. Juli in der Insolvenz. Das bestätigte die Kanzlei Dr. Schwartz gestern auf HT-Anfrage. Das Kraftwerk ist nach wie vor in Betrieb.

CDU-Stadtrat Uwe Berger hatte sich kürzlich in einer Gemeinderatssitzung bei Oberbürgermeister Rudolf Michl darüber beschwert, dass das Gremium so ganz nebenbei beim Tagesordnungspunkt "Feststellung des Jahresabschlusses 2011 der Stadtwerke Crailsheim" über die Insolvenz der KSV, deren größte Gläubigerin die Stadtwerke sind, informiert wird. Michl, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke und der KSV, erwiderte, dass er den Insolvenzverwalter Dr. Harald Schwartz noch nicht dazu bewegen konnte, in eine Sitzung der beiden Gremien zu kommen. Michl wörtlich: "Der Herr ist wohl ein wenig scheu."

Die KSV war 2005 von 24 Kommunen diesseits und jenseits der württembergisch-bayerischen Landesgrenze und den Crailsheimer Stadtwerken gegründet worden. Am 10. April 2012 hatte das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit angezeigt, zum 1. Juli ging die GmbH in die Insolvenz. Damit ist das Biomasse-Heizkraftwerk mit angeschlossener Mineralisierungsanlage für Klärschlamm, in das 38 Millionen Euro investiert worden sind, von einem Pilotprojekt zu einem Pleitefall geworden. Insolvenzverwalter ist Dr. Harald Schwartz, dessen Kanzlei nach eigenen Angaben zu den führenden in Süddeutschland gehört.

Auf HT-Anfrage bestätigte die Kanzlei, dass die Anlage im Industriegebiet Waldeck zwischen Crailsheim und Dinkelsbühl weiterhin Strom und Wärme produziert. Sie sei "derzeit voll ausgelastet". Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung: "Wir betreiben die Anlage seit der Insolvenz kostendeckend und störungsfrei." Allerdings beziehen sich diese Angaben nur auf das Biomasse-Heizkraftwerk. Die Klärschlamm-Mineralisierungsanlage steht seit 2010 still.

Für den Insolvenzverwalter ist die KSV "ein Unternehmen mit Zukunft". Deshalb sei man zuversichtlich, einen "guten Preis" erzielen zu können. Derzeit stehe man in Kaufverhandlungen mit mehreren Interessenten, darunter seien auch "namhafte Großunternehmen". Ob Crailsheim von diesem Geld je etwas sehen wird, steht in den Sternen, denn die Stadtwerke, die mehrere Millionen Euro in das Projekt gesteckt haben, stehen nicht vorne in der Schlange der Gläubiger.

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