Es ist nicht das erste Mal, dass ein Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg die Gerhard Schubert GmbH in Crailsheim besucht. Lothar Späth war schon mal da, der Vorvorvorvorgänger von Winfried Kretschmann, 1984 war das. „Das ist schon toll, wenn sie ranfahren“, findet Gerhard Schubert. Im vergangenen Jahre lud der Firmengründer Kretschmann zu seinem 80. Geburtstag ein, doch der konnte nicht. Am Freitag holte Kretschmann seinen Besuch nach und machte sich nebenbei ein Bild von der Firma, die zur „Fabrik des Jahres 2018“ gekürt wurde. Dabei handelt es sich um einen der renommiertesten Industrie-Wettbewerbe.

Alle drei Wochen besucht Kretschmann ein Unternehmen, um zu erfahren, wo der Schuh drückt, wie sein Referent es formuliert. In Crailsheim fährt der grüne Ministerpräsident in einer Plug-in-Hybrid-Limousine vor. „Ich bin gespannt“, sagt Kretschmann. Er nimmt sich eineinhalb Stunden Zeit. Mit dem Fahrstuhl geht es im Verwaltungsgebäude nach oben. Der Blick über die Stadt und das Firmengelände lohnt sich, er lenkt zunächst vom Erdbeerkuchen und Ingwer-Eistee ab. Das Gespräch kommt natürlich auf die Erweiterung.

Weil Schubert mehr Platz braucht, wird die Landesstraße 2218 verlegt, Anfang Oktober könnten die Arbeiten bereits beginnen, heißt es. Allein fünf Millionen Euro gibt der Verpackungsmaschinenhersteller inklusive Grunderwerb dafür aus. Für die Stadt sei das „kein alltägliches Projekt“, betont Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, der ebenso anwesend ist wie die grüne Landtagsabgeordnete Jutta Niemann. Die gesamte Investition von Schubert beläuft sich auf 30 Millionen Euro. Die Geschäftsführung, bestehend aus Gerhard Schubert und seinem Sohn Ralf sowie Marcel Kiessling und Peter Gabriel, wertet das Projekt als „das volle Bekenntnis zum Standort“.

Unternehmen Schubert hat weltweit 1300 Mitarbeiter

Dann hat Ralf Schubert eine kleine Präsentation vorbereitet, die veranschaulichen soll, was der Weltmarktführer für digitale, roboterbasierte Top-Loading-Verpackungsmaschinen macht. Die Roboter sind sogar mit Energierückgewinnung ausgestattet. Früher habe das kein Kunde verstanden, sagt Schubert, heute sei das ein Verkaufsargument. „Wenn man heute über Industrie 4.0 redet, ist die Verpackungsindustrie bei 5.0“, fügt Prokurist Reiner Weidmann hinzu.

„Es gibt nichts, was wir nicht verpacken können“, sagt Peter Gabriel. Um das zu sehen, braucht sich Kretschmann nur vom riesigen Konferenztisch wegzudrehen. Hinter ihm steht eine meterlange Vitrine, und in der sind ­Produkte von Nutella bis Signal ­ausgestellt, hauptsächlich Lebensmittel.

Gegründet 1966, weltweit 1300 Mitarbeiter, davon 950 in Crailsheim. Eine Folie in der Präsentation ist für Mitarbeiter reserviert, die 30 Jahre oder länger da sind. „Warum bleiben Mitarbeiter so lange?“ Kretschmann fragt nach. „Die Leute sind sehr bodenständig, fühlen sich sehr wohl“, sagt Ralf Schubert. Es gebe welche in dritter Generation. „Was zeichnet die Mitarbeiter aus?“ „Der Altersmix“, findet Kiessling. Sie seien „mathematisch gut“ (Gabriel) und hätten „unglaublich Biss“ (Ralf Schubert).

Stellvertretend für vieles bei Schubert steht Dr. Abdelmalek Nasraoui aus Crailsheim. Ministerpräsident Späth vermittelte nach seinem Besuch anno 1984 einen Kontakt zum Kernforschungszentrum Karlsruhe. Nasraoui kam von dort und er blieb. Heute ist der gebürtige Algerier 66 Jahre alt, aber ans Aufhören denkt er auch im Rentenalter nicht.

Das Thema Verpackung sei „in einer kritischen Diskussion“, legt Kretschmann nach. „Reicht das rein in Ihr Portfolio?“ Die Geschäftsführung muss nicht lange überlegen: „Absolut.“ 80 Prozent der Verpackungen sind papierbasiert, zudem beschäftigt sie einen Designer, der Verpackungen optimiert. Für Kiessling ist wichtig, „dass die Diskussion differenziert erfolgt. Viele Produkte brauchen eine Verpackung, ohne Verpackung gibt es keine Marke.“ Zum Stichwort Nachhaltigkeit fällt Gabriel noch ein, dass viele ihrer Maschinen schon seit Ewigkeiten verlässlich im Einsatz seien.

Softwareentwickler gesucht

Dass es bei Schubert gerade gut läuft, wird am Freitag deutlich. „Wir haben gute Rahmenbedingungen“, so sagt es Kiessling. Aber es gibt etwas, das die Firma gebrauchen könnte: Softwareentwickler. Die zieht es nämlich eher nach Berlin als nach Crailsheim. Und vielleicht Monteure, die Monteure bleiben wollen. Das Land müsse besser darin werden, so Kretschmann, „zu zeigen, dass wir keine Provinz haben. Hier gibt es hochattraktive Angebote.“

Winfried Kretschmann sichert Unterstützung zu

In Crailsheim habe er jedenfalls „viel gelernt“, sagt der Ministerpräsident, zum Beispiel welche „unglaubliche Fertigungstiefe“ und „unglaubliche Innovationsenergie“ in dem Unternehmen steckten. „Was ist Ihr Wunsch an die Politik?“ Kiesslings Wunsch: „Wenn Sie es im Hinterkopf behalten, im Nordosten Ihres Landes eine Maschinenbauperle zu haben.“ Eine Perle, die glänzt.

Kretschmann wünscht „gute Geschäfte“, „volle Auftragsbücher“ und „die Fachkräfte, die Sie brauchen. Ich sichere Ihnen die Unterstützung der Politik zu. Wenn Sie Beschwerden haben, können Sie sich an uns wenden.“ Dann braust er mit seiner Entourage davon, zum nächsten Termin. Und für die Geschäftsführung von Schubert geht es zum Abschlussgrillen mit den Azubis.

Das könnte dich auch interessieren:

Kretschmann kritisiert die Bundesregierung


Als Cluster werden Netzwerke unter anderem von Produzenten, Zulieferern, Forschungseinrichtungen und Dienstleistern mit einer gewissen regionalen Nähe zueinander definiert. Ein Beispiel ist das Packaging Valley. Bei der Firma Schubert kommen 70 Prozent der Zulieferer aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Als Ministerpräsident Winfried Kretsch­-
mann das hört, muss er an die Forschungsfabrik für Batteriezellen denken, die jetzt in Münster statt in Augsburg oder Ulm gebaut wird. „Die Bundesregierung hat gar nicht begriffen, dass es Cluster gibt“, sagt er in Crailsheim. In einem Interview mit Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten (Freitag) geht es Kretschmann darum, „der Bundespolitik wieder in Erinnerung zu rufen, dass Baden-Württemberg zusammen mit Bayern die Lokomotive der deutschen Wirtschaft ist und Lokomotiven Treibstoff brauchen“. js