„Man kann nicht jeden mitnehmen“, stellt Reinhold Zeilinger lapidar fest. Hinter dem Bauzaun klafft ein riesiges Loch im Wald zwischen Waldtann und Goldbach. Dort soll in naher Zukunft das Fundament für die Windenergieanlage der Bürgerwind Kreßberg GmbH & Co KG gebaut werden. Kürzlich fand der symbolische Spatenstich statt.

Mit den Argumenten der Gegner hat sich Zeilinger intensiv auseinandergesetzt. Die gerodete Fläche sei ein stark vom Borkenkäfer und vom Windwurf geschädigte Fläche gewesen. Seine Gesellschaft werde auf einer Ausgleichsfläche wieder für gesunden Waldbestand sorgen. Die getriebelosen und wartungsarmen Anlagen verursachten zwar auch Geräusche. „Geräusche gibt es immer. Aber wenn ich an der Anlage beteiligt bin, dann stört es mich nicht, sondern beruhigt mich“, sagt Zeilinger.
Im Bürgerwindpark Kreßberg sind die Bürger zu 80 Prozent am Eigenkapital beteiligt. Beim „Crowd-Funding“ sorgte eine Ausschlussfrist von 14 Tagen dafür, dass zunächst nur regionale Anleger investieren konnten. Die restlichen 20 Prozent brachten auswärtige Investoren innerhalb von fünf Minuten auf. Der Großteil der Investition von neun Millionen Euro wird über eine regionale Bank fremdfinanziert. Eine gerechte Pachtverteilung sorge dafür, dass die 115 Grundeigentümer am Standort mit einem gesicherten Zahlungsfluss rechnen könnten, so Zeilinger.

Energiewende mit Bürgerbeteiligung

Ausdrücklich bedankte er sich bei der Initiativgruppe um Hartmut Krieger und Walter Rothenberger, die sich im Kreßberger Gemeinderat seit 2010 für das Projekt starkgemacht hatten. Es sei in Kreßberg nach den starken Widerständen gegen eine Anlage nördlich von Bergertshofen nicht leicht gewesen, für die Windkraft einzutreten. Aber geänderte Prioritäten in der Landespolitik und die Einbeziehung der Bürger habe letztlich zum Erfolg geführt, erinnert sich Krieger.
„Zwei Schritte nach vorne und drei zurück“, beschreibt Zeilinger das mehr als zehn Jahre dauernde Genehmigungsverfahren. Der Artenschutz hatte Vorbehalte wegen Fledermausbeständen, der Denkmalschutz vermutete archäologische Siedlungsreste aus dem 13. Jahrhundert, und Änderungen im Energieeinspeisungsgesetz (EEG) gefährdeten die Rentabilität des Projekts. Aus dem ursprünglich geplanten Windpark mit vier Anlagen sind zwei geworden, die jährlich zwölf Millionen Kilowattstunden Strom liefern.
Als Bauer sei er einer der Ersten, die vom Klimawandel betroffen sind, beschreibt Zeilinger sein Engagement für die Windkraft. Die Energiewende schaffe man aber nur, wenn man die Bürger mitnehme, was in Kreßberg gelungen sei.