Neues benötigt Zeit, um sich zu etablieren. Während Hexen in anderen Landesteilen seit vielen Jahrzehnten Partystimmung verbreiten, sind die Crailsheimer Damen erst seit zwölf Jahren aktiv. Gegründet hat die Horaffen-Hexen ausgerechnet eine gebürtige Schwarzwälderin. „Toll, was bei uns in der Halle los ist! Und das ist ja erst das zweite Mal, dass wir so eine Party veranstalten“, freute sich Moni Schuch am Samstag kurz vor Mitternacht. Da steuerte die Hexenparty gerade auf ihren Höhepunkt, die Prämierung der besten Verkleidung, zu.

DJ Steff rief die fachkundige und nicht mehr ganz nüchterne Jury in der Turnhalle Tiefenbach auf die Bühne. Die rund 300 Partygäste forderte er zur Polonaise auf. Als sich die Menschenschlange in Richtung Bar bewegte, korrigierte er: „Kommt zu uns vor, wir wollen euch sehn!“ Das Gejohle war groß – wobei es durchaus partytrunken, aber gesittet und friedlich zuging. Der geteilte Platz 3 ging an zwei Zahnfeen, Zweiter wurde ein männliches Krokodil und der Sieger kam aus Rothenburg und war in überdimensioniertem Babybody inklusive Schnuller erschienen.

Wenn Männer Hexen werden

Obwohl die Mitgliederzahl der Crailsheimer Hexen seit ihrer Gründung von zehn auf 52 gestiegen ist, benötigte die Organisation solch eines großen Festes jede Hand. Auch Männer können in den Hexenstand eintreten. Gefragt sind sie nicht nur als Handwerker, sondern auch bei der hexeneigenen Musikgruppe, den Hexenkrachern. Dort werden vor allem Trompeter, Trommler und Schlagzeuger gesucht. „Wir müssen halt jeden Scheiß mitmachen können“, sagt Frank I. im Spaß. Die Hexen hätten das Regiment inne. Wer nicht mitziehe, der bekomme „ein paar schwere Stockschläge“. Diese Aussage, am Hallenausgang getätigt, erzürnte einige gelb-schwarze Hexen, Frank I. hätte um ein Haar ein paar (liebevolle) Schläge eingesteckt.

Zu Gast bei Christoph Grimmer

Langweilig wird es der Truppe nicht werden. Für die fünfte Jahreszeit sind die Crailsheimer bereits gut gebucht. Am Sonntag geht es nach Pleinfeld, dann startet der Weiberfasching in Crailsheim. „Dr. Grimmer wird sich bestimmt auf uns freuen“, rief eine aus der Hexengruppe. Man werde ihm „etwas abschneiden“, Details wurden nicht genannt. Danach stehen die Umzüge in Waiblingen, Wörth, Pfahlheim und Gerabronn an. Auf Hexe Anette und ihr Team wird also wieder einiges an Arbeit zukommen. Schließlich sollen alle Horaffen-Hexen mit dem gelb-schwarzen Spinnennetz seitlich des linken Auges geschminkt werden. Dafür dürfte der Aufwand für das Nähen der Kostüme entfallen, der Handarbeitsstress vor der samstäglichen Party hat sich also gelohnt. Und die geschmackvolle Dekoration der Tiefenbacher Turnhalle wird bis dahin den Weg alles Irdischen gegangen sein. Die Hexenparty III für 2020 ist aber beschlossene Sache.

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