Ellwangen Kompetenz gegen Fake News

Scharfe Analyse der Mediengesellschaft: Professor Bernhard Pörksen.
Scharfe Analyse der Mediengesellschaft: Professor Bernhard Pörksen. © Foto: Gerhard Königer
Ellwangen / Gerhard Königer 26.07.2018
Der Tübinger Professor Dr. Bernhard Pörksen referiert über die neue Macht der Desinformation.

Keine Falschnachricht, sondern pure Realität: Ellwangen darf die Landesgartenschau 2026 ausrichten. Oberbürgermeister Karl Hilsenbek nutzt das 13. Ellwanger Wirtschaftsgespräch, um auf die große Chance für Unternehmer, Gastronomen, Gewerbetreibende hinzuweisen: „Locken Sie Arbeitskräfte mit der LGS!“

Karl Bux, Vorsitzender des Vereins „Pro Ellwangen“, stellt den Redner vor: Professor Dr. Bernhard Pörksen (kleines Bild), Medienwissenschaftler an der Uni Tübingen, der der modernen Gesellschaft und ihrer Mediennutzung auf den Grund geht.

In Ellwangen stellt Pörksen die Frage, was überhaupt Realität sei. „Das, was nicht weggeht, auch wenn man nicht daran glaubt“, ist die Antwort, illustriert mit dem Fall des Radiomoderators Rush Limbaugh, der den Hurrikan Katerina als Anti-Trump-Hetze abtat – so lange, bis er selbst umquartiert werden musste.

In der Verbreitung von Lügennachrichten sieht Pörksen kein neues Phänomen, wohl aber in der Geschwindigkeit, mit der sich Lügen verbreiten. „Wahrheit braucht Zeit.“ Diesem Leitspruch sollte man sich verschreiben und gegenüber Netz-Nachrichten skeptisch sein. Die Medien im Internet böten nämlich nur Scheingewissheiten. Hinzu komme, dass Lügen sich schneller verbreiten als Wahrheit. „Trump ist für die Medien ein ökonomischer Faktor geworden“, stellt Pörksen fest, weil sich mit ihm Aufmerksamkeit generieren lasse.

Möglichkeiten der Manipulation

Vorsicht gegenüber Nachrichten aus dem Netz sei auch geboten, weil neue Möglichkeiten mit Photoshop, Fakeaccounts, Dark-Adds, Deep-Fake und anderen Techniken professionalisierte Manipulation möglich machen. Das Smartphone schaffe eine neue Sichtbarkeit. Niemand könne sich mehr davor schützen, von einer Kamera aufgenommen und sofort über soziale Medien in aller Welt gezeigt zu werden.

Dieser neuen Welt omnipräsenter Ungewissheit müsse man mit einer Wertedebatte und einem neuen Bildungsauftrag begegnen, fordert Pörksen. Gegen Desinformation kämpfen und gleichzeitig das für eine Demokratie zwingend nötige Ideal der Mündigkeit bewahren, das gehe nur über Aufklärung.

„Facebook stellt sich seiner publizistischen Verantwortung nicht. Solche Unternehmen müssen per Gesetz gezwungen werden, dem Nutzer offenzulegen, nach welchen Kriterien News eingeblendet werden“, lautet eine weitere Forderung des Wissenschaftlers.

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