Rosenberg / HERMANN SORG

Ist die Seele darstellbar? Diese Frage beschäftigt den 88-jährigen Malerpfarrer Sieger Köder immer mehr. Nun hat er ein Bild gefunden: Der Mönch Maurus sitzt auf der Hohenberger Friedhofsmauer. Köder, langjähriger Pfarrer der Jakobuskirche, schilderte wie er zu diesem Seelenbild gelangte - über ein Kirchenlied, das früher in Hohenberg gesungen wurde und dessen erste Strophe endet: "Die Heimat der Seele ist droben im Licht." Melodie und Text kamen Köder in den vergangenen Jahren oft in den Sinn. Er dachte sich eine Figur aus, die zum Liedtext und zur Geschichte von Hohenberg, der ehemaligen Ellwanger Propstei, passt. Ein Benediktinermönch sitzt auf der Kirchhofmauer. Er schaut aber nicht auf die Ostalb, sondern über den Friedhof hinüber zur Jakobuskirche. "Wenn die ersten Einwohner von Hohenberg Ellwanger Mönche waren, dann sind sie wohl auch hier beerdigt worden", so Köder. Der Mönch hat eine Geige abgenommen, ihre Saiten sind gerissen. Er ist tot. Aus der Kutte ragen Knochenhände. An der Stelle des Kopfes ist nichts. Nur ein Hauch von Goldbronze in der leeren Kapuze erinnert an den Menschen. Sieger Köder hat eine neue Strophe geschrieben. Sie endet: "Glaube, glaube, im Nichts ist es nicht, die Heimat der Seele ist droben im Licht!"