Knapp den Titel als höchstes Weingut verpasst

GUIDO SEYERLE 08.11.2014

Ist dies etwa das höchstgelegene Weingut in Deutschland? Mit 560 Meter über NN (Normal Null) gilt der Weinberg der Familie Vollmayer in Hilzingen (Landkreis Konstanz) als der höchstgelegene in Deutschland. Kaisersbach-Gebenweiler liegt aberauf jeden Fall höher. Und dort gibt es im Besen der Familie Fink hauseigenen Wein.

Die Erklärung der Besenfamilie bringt schnell Klarheit: Der Wein stammt aus tieferen Lagen. "Meine Tochter Sonja hat in die Nähe des Neckars nach Ingersheim geheiratet. Bei uns gäbe es sonst nur den Hohenastheimer", sagt Seniorchef Karl Deeß lächelnd. Mit dem Letzteren wird landläufig recht saurer Apfelmost bezeichnet. Vor mehr als 80 Jahren wurde Deeß in diesem Haus geboren. Und er hätte sich nicht vorstellen können, was aus dem landwirtschaftlichen Anwesen ganz in der Nähe des Schwabenparks noch einmal werden würde.

Die Gegend um Kaisersbach hat viele landschaftliche Reize. Noch hängen die herbstlich-bunt gefärbten Blätter auf den Bäumen. Während sich in den Tälern oft der Nebel ausbreitet, genießt man auf der dortigen Hochfläche die weite Sicht bis auf die Schwäbische Alb. Es hat sich unter den Wanderfreunden noch nicht rumgesprochen, wie gut das Wegenetz ausgebaut ist. So kann man bei den Touren oft die Ruhe genießen, andere Wanderfreunde trifft man selten.

Nach solch einer Tour bietet sich der Besuch in Gebenweiler an. Unter der Woche wird ab 14.30 Uhr aufgeschlossen (Dienstag Ruhetag), am Wochenende spätestens ab 12 Uhr. Bereits beim Betreten des Hofs fallen die viele Original-Bauteile aus dem Jahr 1883 ein. Auch die Fenster sind historisch, obwohl es sich um eine Doppelverglasung handelt. Karl Deeß erklärt: "Im Sommer ist es nur eine Einfachverglasung, vor den Fenstern stehen Blumenkästen. Erst im Herbst werden die zweiten Fensterflügel eingehängt."

Seinen Mostkeller musste der Seniorchef im Jahr 1997 ausräumen. Tochter Sonja Fink eröffnete ihren Besen, der zweimal im Jahr für je vier Wochen geöffnet hat. Spezialitäten sind Haxen (montags, auf Vorbestellung), Schälripple (mittwochs), Schweinebäckle (donnerstags) und Wurstsalat (freitags). Aber der selbst erzeugte Wein steht im Mittelpunkt. Finks bauen Trollinger, Lemberger, Riesling, Kerner, Schwarzriesling und Silvaner an. Damit die Gäste an dem großen runden Stammtisch auch die hinteren Plätze nutzen können, lässt sich praktischerweise der Tisch inklusive Bank drehen. Den Wein gibt es aus dem Fass als rot, rosé und weiß.

Während vier Männer die 40 Gäste mit handgemachter Musik unterhalten, beginnt die Weinprobe mit den Fassweinen (0,25 Liter, im Besenverkauf 2 EUR). Der Schiller schmeckt frisch und mild. Zu den feinen Schweinebäckchen schmeckt der etwas kräftigere halbtrockene Lemberger-Trollinger.

Finks bauen drei Weine selbst aus. Der Ingersheimer Kerner (2012, 1 Liter, im Flaschenverkauf 3,30 EUR) ist fruchtig-süffiig. Wer den Schluck ein paar Sekunden im Mund behält, erlebt das blumige Bouquet noch etwas intensiver. Der Schillerwein (2013, 1 Liter, 3,30 EUR) prickelt noch ein wenig auf der Zunge und hinterlässt auf den Zungenseiten einen feinen Schmelz. Er schmeckt leicht und fein nach halbreifen Aprikosen. Der Rotwein (2013, 1 Liter, 3,30 EUR) ist für einen halbtrockenen Wein recht lieblich und hellrot. Als fruchtiger Alltagswein eignet er sich gut als Essensbegleiter.

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