Crailsheim Klischeechrist ist nicht ihr Stil

Silvia und Cameron Conrad: Im Tandem für die Jugendarbeit treten sie in die Pedale.
Silvia und Cameron Conrad: Im Tandem für die Jugendarbeit treten sie in die Pedale. © Foto: Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 10.07.2018
Die gleiche Ausbildung, der gleiche Arbeitsplatz, der gleiche Nachname: Silvia und Cameron Conrad sind die neuen Jugendreferenten im Evangelischen Jugendwerk.

Studiert haben Silvia und Cameron Conrad Soziale Arbeit und Gemeindepä­dagogik an der CVJM-Hochschule in Dortmund. Obwohl ihr Antrieb, dieses Studium aufzunehmen, unterschiedlich war, verband sie doch der Reiz, den die Fächerkombination mit sich bringt. „Als Sozialarbeiter kommt man manchmal an seine Grenzen. Der Gemeindepädagoge deckt den geistig-spirituellen Teil ab, der einem da mehr an die Hand gibt“, versucht sich Cameron Conrad an einer Erklärung.

Einfühlsame und Entertainer

Ihr Blick auf die Menschen ist der gleiche, betonen sie, dennoch unterscheiden sie sich in ihrer Arbeits- und Herangehensweise deutlich voneinander. „Sie kann eine Atmosphäre schaffen, in der Leute sich entspannen, weil sie viel Geduld hat und eher ruhig im Hintergrund bleibt“, beschreibt Conrad seine Frau, die über ihn sagt: „Er ist der Entertainer, der mitreißt und motiviert.“ Dabei ist Silvia Conrad eigentlich die mit der Bühnenerfahrung, plante eine Musicalausbildung, bevor sie sich doch für das Studium entschied.

Ihr Mann wollte eigentlich Archäologe werden, befand sich nach eigener Aussage immer „in einem Zwischending zwischen weltlicher und kirchlicher Welt“, zwischen Baseball und Kirchenarbeit. „Als Betreuer im Teencamp habe ich gelernt, dass mir das Leiten einer Gruppe liegt. Ich fand es cool, Sachen bewegen zu können, in der echten Welt etwas verändern zu können“, sagt er.

Gestaltungsspielraum

Bei der Arbeit, wie im normalen Leben, betrachten sich die beiden als Team, auch wenn es jetzt in Crailsheim das erste Mal ist, dass beide Vollzeit im Tandem arbeiten. Seit zwei Monaten sind sie da und haben sich Einblicke in die Arbeit des Jugendwerks verschafft, eine Evaluation gestartet, die inzwischen abgeschlossen ist und auch bereits ein Konfi-Camp erfolgreich hinter sich gebracht. „Der Job klingt nach viel Gestaltungsspielraum“, erklärt Silvia Conrad, wie die Entscheidung auf Crailsheim fiel.

Ganz realistisch ist ihr Bild, was den derzeitigen Stand des Jugendwerks betrifft. „Es gab viel Umstrukturierung, es ist kleiner geworden mit den Jahren und das Bild in der Bevölkerung ist anscheinend kritisch“, sind sich die Conrads bewusst. Deshalb haben sie jetzt damit angefangen, erst einmal Struktur in ihre Arbeit zu bringen. „Unser primäres Ziel ist es nicht, das Haus vollzumachen mit Jugendlichen, sondern Jugendliche in den Gemeinden in ihrem Engagement zu unterstützen“, erklärt Silvia Conrad, und ihr Mann ergänzt: „Wir sehen uns als Dienstleister, der lokale Orte unterstützt und Planungs- und Aufbauhilfe gibt.“ Sendungsbewusstsein ist bei beiden vorhanden, das geben sie offen zu.

Dabei nehmen sie vor allem ihre Vorbildrolle sehr ernst, trinken zum Beispiel bewusst keinen Alkohol. Wichtig ist den beiden aber auch: „Klischee-Christ ist nicht unser Stil. Wir versuchen mittendrin und echt zu sein und nicht auf einer heiligen Wolke zu schweben“, lacht die Jugendreferentin. Das heißt auch, Ausgleich in Hobbys zu suchen, wie in Literatur und Spielen, bei Tripps mit dem Kanu durch die Wildnis oder bei ihrer größten Leidenschaft, dem Life Action Role Play.

Ein modernes Verständnis von Mission wollen sie nach außen tragen, bei dem sie ihren Glauben nicht verstecken, ohne sich anderen aufzuzwingen. „Wir gehen nicht hin und erschlagen die Leute mit der Bibel“, sagt Cameron Conrad schmunzelnd, bevor er darauf hinweist, wie wichtig es für beide ist, für Gespräche und Fragen offen zu sein.

Die Trennlinie zwischen Privatleben und Arbeit ziehen die beiden auf der Autofahrt vom Job nach Hause. „Wir nutzen die Fahrt zur Reflexion, sodass wir es daheim dann gut sein lassen können“, erklärt Conrad, und ihr Mann ergänzt lachend: „Wenn es stressig ist, fahren wir einfach ein wenig langsamer.“ Ihre Arbeit beim Evangelischen Jugendwerk in Crailsheim nimmt dagegen so richtig an Fahrt auf, es sind bereits Mitarbeiterschulungen und neue Freizeiten für das nächste Jahr in Planung. „Wir machen den Job aus Berufung“, sind sich beide einig, und sie können es sich gut vorstellen, dauerhaft in Crailsheim zu bleiben.

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