Klinik Klinikum Crailsheim: Therapien greifen ineinander

Zum Therapieteam der geriatrischen Abteilung gehören (von links): Die Physiotherapeuten Martin Eul und Viktoria Pajor, Logopädin Regina Wecker, Physiotherapeutin Simoni Munzinger, Ergotherapeutin Jeanette Kühner und Physiotherapeutin Britta Classmann.  Foto: Knut Siewert
Zum Therapieteam der geriatrischen Abteilung gehören (von links): Die Physiotherapeuten Martin Eul und Viktoria Pajor, Logopädin Regina Wecker, Physiotherapeutin Simoni Munzinger, Ergotherapeutin Jeanette Kühner und Physiotherapeutin Britta Classmann. Foto: Knut Siewert
Crailsheim / KS 11.09.2012
Wenn alte Menschen nicht schnell wieder auf die Beine kommen, ist alle ärztliche und pflegerische Kunst fast vergebens. Deshalb haben Therapeuten in der Altersheilkunde eine herausragende Bedeutung.

Mit der Eröffnung der Geriatrie am Klinikum Crailsheim wurde die physiotherapeutische Abteilung zum Therapiezentrum aufgewertet. Das achtköpfige Physio-Team um Karl Kampka erhielt Verstärkung durch drei im Umgang mit alten Menschen besonders erfahrene und zertifizierte Physiotherapeuten, eine Logopädin und eine Ergotherapeutin. Ihr gemeinsames Ziel ist es, dass Hochbetagte nicht bettlägerig werden. Sie sollen nach einem Klinikaufenthalt ihren Alltag so selbstständig meistern können wie möglich - zu Hause, im betreuten Wohnen, in der Kurzzeitpflege oder im Seniorenheim.

Die ineinandergreifenden Therapien bilden einen dynamischen Prozess. Ausgehend von einer gemeinsamen Einschätzung durch Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal, wird für den Klinikaufenthalt ein individueller Therapieplan erstellt.

Die Physiotherapeutin und Gymnastiklehrerin Britta Claßmann, ihre Kollegin Viktoria Pajor und Physiotherapeut Martin Eul üben mit jedem geriatrischen Patienten von Montag bis Freitag täglich eine halbe Stunde. Um Thrombosen, Lungenentzündung, Muskelverkrampfung und Gelenkversteifung vorzubeugen, setzt das Bewegungstraining sehr früh ein.

Oft geht es zunächst darum, dass alte Menschen sich wieder aufsetzen und stabil hinsetzen, vom Bett auf einen Stuhl oder in den Rollstuhl wechseln können. Kraft, Gleichgewicht, Koordination und Ausdauer werden gestärkt mit Übungen am Bett und im Zimmer, aber auch auf der Therapietreppe oder mit Geräten wie dem Arm- und Beintrainer "Motomed" und dem "Galileo", einer Schüttelplatte zum Muskelaufbau.

Aufbauend auf den Übungen der Physiotherapeuten vertieft die Ergotherapeutin Jeanette Kühner die Verknüpfung von Hirnleistung und Bewegungsfertigkeiten. Grundlage ist das "Bobath"-Konzept: Es zielt darauf ab, dass gesunde Hirnregionen durch Krankheit verlorengegangene Fähigkeiten neu lernen und übernehmen.

Die Therapeutin übt mit den Patienten montags bis freitags mindestens eine Stunde lang konkret für den praktischen Alltag. Sie zeigt, wie man beim Anziehen, bei den Mahlzeiten und bei Haushaltstätigkeiten Hilfsmittel (Strumpfanziehhilfe, Knöpfhilfe, Greifzange und spezielles Besteck) einsetzen kann. Eine tolle Einrichtung ist die Übungsküche in der geriatrischen Station.

Um die Hirnleistung - wie zum Beispiel die Merkfähigkeit, die Konzentration und handlungsorientiertes Denken - zu stärken, wird sehr individuell trainiert: mit Übungsblättern, aber auch mit Spielen wie "Memory" und "Mensch-ärgere-Dich-nicht".

Viele hochbetagte Menschen können nicht mehr richtig schlucken, haben Sprach- oder Sprechstörungen oder ihre Stimme "verloren". Hier tut sich das weite und wichtige Aufgabenfeld der Logopädin Regina Wecker auf. Sie wird bei Bedarf als dritte Therapeutin hinzugezogen. Häufig stellen sich Schluckbeschwerden nach einem Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen ein. Bei Parkinson ist der Schluckvorgang oft verlangsamt oder es hat sich eine Muskelschwäche ausgebildet. Alzheimer-Patienten "vergessen einfach manchmal zu schlucken", weiß die erfahrene Therapeutin.

Schluckstörungen sind nicht ungefährlich - denn wenn Essensreste in die Luftröhre und die Lunge geraten, droht eine Lungenentzündung. Daher wird der speziellen Therapie große Aufmerksamkeit geschenkt. Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal überlegen gemeinsam, welche Stimulations- und Bewegungsübungen sowie Schlucktechniken helfen können und wie das Essen zubereitet werden sollte.

Manche Menschen können sprachliche Zusammenhänge nicht mehr herstellen. Manche sprechen "verwaschen", verwechseln Buchstaben oder finden einzelne Laute nicht. Auch Heiserkeit ist ein häufiges Problem. "Wir machen gemeinsam Atem-, Stimm- und Resonanzübungen", sagt Wecker. Und wenn"s mit dem Sprechen nicht klappt? "Dann hört man uns singen. Gar nicht so selten beten oder fluchen die Patienten auch , denn Lieder, Gebete und Flüche sind in anderen Hirnarealen abgespeichert." In jedem Fall soll die Fähigkeit zur Verständigung so gut wie möglich erhalten werden, auch um der Vereinsamung entgegen zu wirken.

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