Crailsheim Klingel putzen war gestern

Friedrich Eißen verkauft auf dem Crailsheimer Martinimarkt Staubsauger.
Friedrich Eißen verkauft auf dem Crailsheimer Martinimarkt Staubsauger. © Foto: Birgit Trinkle
Crailsheim / Julia Vogelmann 13.11.2018
Das achte Jahr in Folge schon baut Friedrich Eissen aus Roßfeld am Wochenende seinen Stand auf dem Martinimarkt auf. Staubsauger verkaufen ist seine selbstgewählte Passion.

Ich wollte das nie machen“, sagt Friedrich Eißen lachend auf die Frage, wie er dazu gekommen ist, Vorwerk-Staubsauger zu verkaufen. Die Geschichte ist schnell erzählt und hallt dennoch nach. Sein Arbeitgeber, das ist mittlerweile fast zehn Jahre her, war pleite und zahlte keinen Lohn mehr. Nach Tausenden unbezahlten Überstunden entschloss er sich zu kündigen. Just am selben Tag stand die Vorwerk-Vertreterin bei ihm vor der Haustür, zu der er sagte: „Ich kann jetzt keinen Staubsauger kaufen, ich habe gerade gekündigt.“ Die Dame bot ihm sofort einen Job an, und da er nichts zu verlieren hatte, stimmte Eißen zu, sich einen halben Tag lang die Arbeit anzusehen. Der Rest ist Geschichte. „Mir hat das sofort gefallen. Hätte ich das vor 40 Jahren gewusst, ich hätte nie was anderes gemacht“, sagt er. Inzwischen ist er zuständig für Crailsheim West, und viele kennen sein Gesicht.

Ein positives Bild von den Vorwerk-Produkten hatte er übrigens schon immer. Gern erzählt er eine Anekdote aus seiner Zeit als Schreinerlehrling, als ihm eines der Geräte in den Händen einer patenten Putzfrau nach einem Patzer den Tag gerettet hat. „Seitdem habe ich immer Vorwerk empfohlen“, erinnert er sich und muss schmunzeln beim Gedanken, dass schon damals ein kleiner Vertreter in ihm gesteckt haben muss.

Doch nicht nur die Überzeugung, das richtige Produkt zu verkaufen, sondern auch die Möglichkeit, Kunden ein ehrlicher und fairer Berater zu sein, macht den Beruf für den 65-Jährigen so erfüllend. „Man muss heute nicht mehr Klinken putzen“, betont er, wie sich das Berufsbild im vergangenen Jahrzehnt verändert hat. Termine mit den Kunden, gute Empfehlungen und eben Präsenz, zum Beispiel mit einem Stand im Kaufland oder am Wochenende auf dem Martinimarkt gehören für ihn selbstverständlich dazu. Er war es übrigens, der damit angefangen hat, mit einem Stand auf Märkte zu gehen.

Egal ob auf dem Martinimarkt, dem Thomasmarkt, dem Volksfest oder der Muswiese: Eißen ist da und zeigt auf den ausgelegten Bodenstücken gerne, was seine Geräte alles können. Dazu gibt es Beratung und ein Schwätzchen. „Das ist eine tolle Möglichkeit für die Leute, alles auszuprobieren und fragen zu können, ohne den Kaufdruck zu haben, den ein Termin bei ihnen zu Hause vielleicht mit sich bringt“, beschreibt er den größten Service-Vorteil für seine Kunden. Dass viele auch einfach vorbeikommen, um sich mit ihm zu unterhalten, ist ein positiver Nebeneffekt, der einen Markttag interessant und kurzweilig macht.

Man kennt sich schließlich

Gern unterhält er sich auch mit den anderen Marktbeschickern, schließlich kennt man sich und trifft sich immer wieder. Was ihm an den Märkten zunehmend auffällt, ist eine große Unzufriedenheit, die er auf falsche Erwartungen zurückführt, die sowohl Beschicker wie auch Besucher an den Tag legen. „Es ist nicht mehr wie früher. Heute kann man alles überall kaufen. Ware, die man nur auf einem Markt kaufen kann, gibt es nicht mehr. Der Kunde will schauen und sich informieren“, weiß Eißen.

Deshalb hat er nur wenig Verständnis, wenn Stände zu früh abgebaut werden, weil wenig los ist oder weil das Wetter schlecht ist. „Lücken sind das schlimmste für jeden Markt“, sagt er und wünscht sich mehr Konsequenz der Stadt, die Anwesenheit der Beschicker einzufordern. An die Marktbesucher appelliert er: „Wenn die Leute sich die Märkte entgehen lassen, dann verschwinden sie irgendwann ganz.“ Weil er nach einem Markttag viel zum Abbauen hat, ist er oft der Letzte, der das Gelände spät abends verlässt.

Der Büttel von der Sichelhenket

Viel reden möchte er danach nicht mehr. Nach einem ganzen Tag voller Gespräche genießt der zweifache Vater und Großvater einer kleinen Enkelin die Ruhe zu Hause auf dem Sofa mit seiner Frau. Schreinerei ist für ihn mittlerweile ein seltenes Hobby. Demnächst nimmt er das Werkzeug aber wieder in die Hand: Er, den viele auch als Büttel von der Sichelhenket kennen, fertigt nämlich den neuen Altar für die renovierte Kirche in Roßfeld.

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