Crailsheim Kleine, fremde Schönheiten

Crailsheim / Birgit Trinkle 18.06.2018
Große Fotos und kleine Spielzeugtiere sind bis zum 16. September im Stadtmuseum zu sehen.

Lydia Schneider hat als Kind mit diesen Figuren gespielt; sie der Enkelgeneration zeigen zu können, bedeutet ihr viel. Was bei der Eröffnung der Ausstellung „Zoo Mockba“ eloquent in Worte gefasst wurde: Sie hat es gelebt.

Uwe Holz, Leiter des Industrie- und Filmmuseums Wolfen, hat in 25 Jahren viele Spielzeugausstellungen eröffnet, freilich „keine wie diese“: „Wie kann ich nur ein halbes Jahrhundert mit offenen Augen durch die Welt gehen, ohne je von diesen kleinen Schönheiten gehört zu haben.“ Für ihn ist diese Ausstellung vor allem die Erkenntnis, dass „unglaublich Schönes diejenigen erwartet, die sich auf den Weg machen und suchen“. Der Museumsmann nahm sein Publikum mit in die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg, die den Deutschen damals völlig fremd war – „das Wissen war gering und zudem ideologisch stark eingefärbt“. Er sprach vom Stadt-Land-Gefälle, vom Bemühen, die Menschen satt zu machen, aber auch vom Aufbruch in die Moderne, für den gerade die Spielzeugindustrie gestalterische Freiräume bot.

Anhand einiger Lebensläufe zeigte Holz auf, von welchen Menschen, welchen Künstlerinnen und Künstlern diese vogelwilden bunten Kunststofftiere ab Mitte der 50-er Jahre geschaffen wurden. Ihr Werk, das Besuchern der Ausstellung wie Spielzeug aus einer anderen Welt erscheint, ist zwei Generationen Kindern in der Sowjetunion ans Herz gewachsen. „Große Kunst für kleine Kinder“, sagt Crailsheims Kulturchefin Susanne Kröper-Vogt. Sie hatte bei Ikonen des Spielzeugdesigns bislang an Bauhaus oder an den Elefanten von Charles und Ray Eames gedacht und ist fasziniert. In den ersten Reaktionen auf die Ausstellung „Zoo Mockba“ – was  Moskwa ausgesprochen wird und für Moskau steht – spiegle sich die Vielfalt Crailsheims, sagt sie. Dem Unbekannten neugierig und offen zu begegnen, sei wichtig für eine lebenswerte Stadt, die sich durch Pluralität, Offenheit und Toleranz auszeichne.

Mit dabei bei der Eröffnung waren die Fotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold, die die „kleinen Schönheiten“ ganz groß in Szene gesetzt, sie mithin in den Status von Skulpturen erhoben haben, auf dass sie ihre Geschichte erzählen können.

Passendere Musik zur Vernissage lässt sich kaum denken: Schülerinnen und Schüler der städtischen Musikschule spielten aus Camille Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“, und im Anschluss standen die jungen Musiker vor den Vitrinen, staunend, wie Generationen von Kindern vor ihnen.

Info

Die Ausstellung im Stadtmuseum ist bis 16. September mittwochs von 9 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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