Jubiläumskonzert Klangwelten aus vier Jahrhunderten

Ein mitreißendes Jubiläumskonzert bot der Posaunenchor Jagstheim am Samstagabend in der Nikolauskirche.
Ein mitreißendes Jubiläumskonzert bot der Posaunenchor Jagstheim am Samstagabend in der Nikolauskirche. © Foto: Hans-Peter König
Crailsheim / Hans-Peter König 17.04.2018

Die Klangwelten, die am frühen Samstagabend die Nikolauskirche erfüllten, waren derart majestätisch und mitreißend, dass es den zahlreichen Zuhörern schwerfiel, sich mit ihrem Applaus zwischen den Musikstücken zurückzuhalten. Moderator Ulrich Wagner hatte eine „musikalische Reise durch fast vier Jahrhunderte“ angekündigt und darum gebeten, den Beifall erst am Schluss des Konzerts gesammelt abzugeben.

Musikalische Leckerbissen wurden während des Konzerts zum 40-jährigen Bestehen des Posaunenchors Jagstheim in Hülle und Fülle geboten, dergleichen kulinarische gab es danach im Gemeindehaus.

Auf dem Programm standen besonders Werke von Komponisten des 20. Jahrhunderts, als Kontrast dazu wurden auch einige Stücke aus der Barockzeit zu Gehör gebracht. Sehr feierlich, dem Anlass entsprechend, eröffneten die drei weiblichen und zwölf männlichen Bläser unter der Leitung von Ulrich Hasel den Gottesdienst mit einer „Festmusik“ des 1959 geborenen Niederländers Jacob de Haan.

Moderne und Barock

Hier gab es bereits einen ersten starken Applaus, ehe Ulrich Wagner mit interessanten Informationen aufwartete. Wie unterschiedlich Musikstücke sein können, wurde mit einem Ausflug in die Barockzeit eindrucksvoll demonstriert. Zunächst ging es nach Italien, als eine „Sonata“ des 1595 in Mantua geborenen Giovanni Battista Buonamente erklang, die mit einer Dur-Wendung endete, wie es auch Johann Sebastian Bach liebte. Die Interpretation einer in Adagio gehaltenen „Sinfonia“ mit Choralsatz des Leipziger Thomaskantors schloss sich an.

Für weitere Konzerthöhepunkte sorgte Bezirkskantor Christoph Broer, der zunächst mit Präludium und Fuge in g-Moll von Nicolaus Bruhns an der Orgel das Thema „Barock“ komplettierte und gegen Schluss mit dem „Grand Choeur“ aus dem Swing- und Jazz-Orgelbüchlein des zeitgenössischen Komponisten Johannes Matthias Michael seinen Beitrag zur Reihe moderner Musikstücke leistete.

Auch die Gemeinde durfte sich mit zwei gesungenen Liedern musikalisch beteiligen. „In dir ist Freude“ wurde vom 1971 geborenen Traugott Fünfgeld arrangiert und mit Zwischenspielen versehen; das spätere „Jesu geh voran“ mit einem Satz des 1972 geborenen Hans-Joachim Eißler ebenso ungewohnt erfolgreich vom Posaunenchor begleitet.

Mit „Auf Adlers Flügeln“ von Friedrich Hänßler ging es in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts, ehe viele mitreißende und zum spontanen Beifall verlockende moderne Klänge und Rhythmen angesagt waren. Der 1963 geborene Michael Schütz stand nun ganz im Mittelpunkt: Entführte der Posaunenchor sein Auditorium erst mit Sambango, den man als Mischung aus brasilianischer Samba und argentinischem Tango auffassen kann, nach Südamerika, so mochte man sich mit Schütz’ Komposition „Come Along“ an eine moderne Polkaversion mit Anklängen an „Dschingis Khan“ erinnert fühlen.

Auch im späteren „Side by Side“, einer Popballade, kam deutlich zum Ausdruck, dass für den Kirchenmusiker, Komponisten und Dozenten Schütz die Verbindung traditioneller Musikstile mit Popularmusik von enormer Bedeutung ist.

In die Neue Welt führte Ulrich Hasel seinen Posaunenchor mit dem „New York, New York“ des 1934 geborenen Christoph Reichelt – so populär und mitreißend, dass spontaner Beifall wieder unumgänglich war.

Pfarrerin Heidrun Hirschbach und Karina Gronbach (Lesung) waren für den geistlichen Bereich zuständig, für Grußworte sorgte Ortsvorsteher Horst Philipp, Ehrungen (siehe Extrakasten) nahm Bezirksposaunenchorwart Günther Weid-Lachs vor.

Als zweite Zugabe des sehr eindrücklichen Posaunenchorkonzerts mit „Der Mond ist aufgegangen“ wurde das dankbare Auditorium, das mit heftigem Applaus keineswegs geizte, angemessen in den frühen Abend verabschiedet.

Ulrich Hasel leitet seit 27 Jahren den Jubiläums-Posaunenchor aus Jagstheim

Wie der Chronik zu entnehmen ist, gründeten Ortspfarrer Hans Leipersberger und der 75-jährige Dirigent Georg Weimar 1978 den Posaunenchor. Dass von den 28 angehenden Bläsern nur drei über Notenkenntnisse verfügten, war schnell vergessen. Sechs Wochen später wurden die ersten Stücke gespielt, schon zum Erntedankfest war die Bläsergruppe mit ihrem ersten Beitrag zum Gottesdienst erfolgreich. Den Dirigentenstab übernahm 1986 Gerhard Trump, kurz danach Günter Muntzinger. Seit mittlerweile mehr als 27 Jahren hat Ulrich Hasel die musikalische Leitung über den 16-köpfigen Posaunenchor (sich mit eingeschlossen), dem derzeit drei weibliche Mitglieder angehören.

Trompete: Martin Breuninger, Julia Gronbach, Karina Gronbach, Nick Hanselmann, Andreas Meißner, Markus Prosy, Dietmar Rücker, Volker Rücker, Jochen Söldner – Tenorhorn: Bernd Hanselmann, Monika Herbst – Posaune: Walter Bierlein, Harald Bullinger, Lars Herbst – Tuba: Steffen Meiser.

Geehrt wurden für 40 Jahre als Gründungsmitglieder Bernd Hanselmann, Ulrich Hasel, Steffen Meiser, Andreas Meißner, Volker Rücker und Manfred Hund, für 25 Jahre Ulrich Wagner.