Etwas zweifelnd wirkt der Blick von Ralf Eller, den er am Sonntag kurz vor 11 Uhr gen Himmel über Kirchberg schickt. „Wenn’s so bleibt, dann wär’s ja schon mal gut“, meint er und greift das letzte Mal zum Hammer, um am Stand seines Freundes auf dem Weihnachtsmarkt den letzten Zierrat anzubringen. „Das Wetter hat ja dieses Jahr alles mitgebracht – außer den Schnee, der am besten gepasst hätte“, sagt er mit einem Schmunzeln. Es hat an diesem Wochenende geregnet, es war bewölkt, am zweiten Advent gibt’s nun auch ein paar Strahlen Sonnenschein an der Jagst.

„Aber es ist trotz der Sonne  kalt genug, dass man Glühwein zum Wärmen braucht und das Getränk auch schmeckt“, findet Tina Leiser, die nur ein paar Meter weiter steht. Die Hände hat sie dicht um die heiße Tasse geschlossen. Immer wieder nippt sie daran. „Der stärkt auch für den Rundgang gleich“, versichert sie. Natürlich wäre sie lieber abends mit ihrem Freund auf den Weihnachtsmarkt gegangen. „Aber ich habe dieses Wochenende Nachtschicht“, berichtet die Altenpflegerin.

Weihnachtsmarkt Bad Urach Atmo, Angebots-Mix und Alpakas

Bad Urach

Kirchberger Weihnachtsmarkt hat einiges zu bieten

Die Ansbacherin erzählt, dass sie schon mehrfach zum Advents­spektakel nach Kirchberg gekommen sei. „Aber jetzt zum ersten Mal bei Tageslicht“, fügt sie hinzu. Das Besondere sei für sie, dass sich auch Garagen und Häuser öffneten. „Der Schmuck im Rathaus soll in diesem Jahr besonders schön sein, hat meine Freundin gemeint“, berichtet sie, schaut mit einem Lächeln ihren Freund an, der nur kurz die Augen verdreht und dann auch lacht. Sie nimmt noch einen kräftigen letzten Schluck Glühwein aus der Tasse und zieht los.

Ihre Freundin hatte ihr nicht zu viel versprochen. Im Foyer des Rathauses glitzert und funkelt es. Das zieht nicht nur Frauen magisch an. Die Fachberatung gibt’s kostenlos dazu. Und die Anbieter machen ihre Geschäfte.

Das Kinderkarussell direkt gegenüber allerdings noch nicht. Es steht zur Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr noch still. Die Musik läuft aber schon. Nach und nach füllen sich die Straßen und Gassen zwischen dem historischen Gemäuer – und es kommt auch ganz junge Kundschaft, die mit leuchtenden Augen ihre Runden dreht.

Hochprozentiges für innere Wärme darf nicht fehlen. Zwei Männer stoßen gerade mit Schnaps an. „Da komme ich ja gerade richtig“, meint ein weiterer Interessent am Gebrannten. Da hilft nichts – die beiden anderen Herren müssen ein weiteres Gläschen kippen, um auch mit ihm anzustoßen.

Am Stadttor steht mittlerweile Tina Leiser – und streichelt einer der Ziegen über den Kopf, die dort die Besucher grüßen. „Ich komme gerne wieder tagsüber“, meint sie. Jetzt suche sie sich noch einen Stand mit Essen, bevor es wieder nach Hause geht.