Noch geht alles seinen guten, geregelten Gang und die Angebote des Kinderschutzbunds laufen - der betreute Umgang zum Beispiel. Will heißen: Die Kinder, die ihren Vater nur dann treffen können, wenn eine speziell geschulte Begleitung dabei ist, können das nach wie vor in den Räumen des Kinderschutzbunds in Crailsheim tun. Auch die Familienpaten des Kinderschutzbunds unterstützen die Familien weiter, wenigstens noch bis Mitte Mai, also bis zur Hauptversammlung der Ortsgruppe Crailsheim. Bei der wird sich zeigen, ob der Verein einen neuen Vorstand finden kann oder nicht.

Irmgard Schornberg leitet die Ortsgruppe seit 15 Jahren

Nur die Gruppe von Dr. Irmgard Schornberg für sprachentwicklungsverzögerte Kinder wird es in jedem Fall auch danach noch geben. Denn auch wenn die Vorsitzende des Crailsheimer Kinderschutzbunds von ihrem Amt zurücktritt, wird sie die Sprechgruppe weiter anbieten. "Die Gruppe liegt mir sehr am Herzen", sagt sie.

Dr. Irmgard Schornberg leitet die Crailsheimer Ortsgruppe des Kinderschutzbunds seit 15 Jahren als Vorsitzende. "Jetzt komme ich ins Rentenalter - Zeit aufzuhören", sagt die Kreßbergerin. Deshalb kandidiert sie bei der nächsten Sitzung des Vereins Mitte Mai nicht wieder. Und damit sie den Verein nicht kommissarisch leiten muss, bis ein Nachfolger gefunden ist, tritt sie offiziell zurück. Denn dann endet ihre Tätigkeit sofort.

Mehr noch: Der komplette Vorstand folgt ihr nach. Das bedeutet, dass der Kinderschutzbund Crailsheim ab Mitte Mai ohne Führung dasteht. Dabei braucht er im Vorstand mindestens zwei Personen. Wenn es die nicht gibt, ist der Verein laut Bürgerlichem Gesetzbuch aufzulösen. Deshalb ist heute Krisensitzung in den Räumen des Kinderschutzbunds in der Spitalseestraße. Angereist ist die Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Iris Krämer. Sie trifft sich mit der scheidenden Vorsitzenden Dr. Schornberg, mit Helga Untch, die die Familienpaten koordiniert, und Irmgard Gerecht, die sich um das Thema "begleiteter Umgang" kümmert.

Doch herbeizaubern können die vier Frauen einen neuen Vereinsvorstand nicht. Sie können nur Werbung machen für einen ehrenamtlichen Job, der zwar fordert, der aber auch viel gibt. "Ich habe auch sehr viel für mich selbst gelernt", sagt Irmgard Schornberg, die den Kinderschutzbund mit Herzblut geleitet hat. "Man kann viel bewirken." Dennoch sei der Job kein Hexenwerk. Es brauche noch nicht einmal spezielle Fachkenntnisse im Bezug auf Kinder. "Es reicht, wenn man eine Vision von einer kindgerechten Gesellschaft hat. Und sich dafür einsetzen will", betont Schornberg.

Doch Schornberg hat sich schon überall umgehört, hat diesen und jenen angesprochen, immer in der Hoffnung, einen Nachfolger zu finden. Bislang ohne Erfolg. Deshalb ruft auch die Landesvorsitzende auf, sich beim Kinderschutzbund zu melden, wenn man sich engagieren will. "Der Verein hier läuft sehr gut, besser als in manchen Großstädten. Es wäre schade, wenn eine so wichtige, gut aufgestellte Crailsheimer Institution einfach aufgelöst werden müsste", sagt Krämer.
 

70 Mitglieder in Crailsheim

Der Deutsche Kinderschutzbund wurde 1953 in Hamburg gegründet. Er hat heute 50.000 Mitglieder in 430 Ortsverbänden. Den Crailsheimer Ortsverband gibt es seit 1975. Er hat heute gut 70 Mitglieder. Die nächste Versammlung des Ortsverband ist für Donnerstag, 12. Mai, vorgesehen. Weitere Informationen gibt es hier: kinderschutzbund-crailsheim@gmx.de oder Telefon 0 79 57 / 92 58 14. uts