Crailsheim / Birgit Trinkle Binnen kürzester Zeit hat die Kirchengemeinde St. Bonifatius und Dreifaltigkeitext auf Schimmelbefall in ihrerm Sauerbrunnen-Kindergarten reagiert.

Pfarrer Franz-Josef Konarkowski spricht von Schockstarre. Sehr lange kann das aber nicht gedauert haben. Am Montag gegen 10 Uhr hat die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius und Dreifaltigkeit erfahren, dass ihr Sauerbrunnen-Kindergarten ein Schimmelproblem hat. Um die Mittagszeit waren die Kinder bereits im nahen Roncalli-Haus untergebracht. Ohne Hausschuhe, Matsch-Mäntelchen und Lieblingsspielzeug, aber eben auch ohne potenzielle Bedrohung durch Schimmelsporen. Der Auftrag der Kinderbetreuung in einer guten, beschützten Umgebung werde ernst und durchaus wörtlich genommen, sagt Konarkowski, „wir haben alles gemacht, was wir machen konnten, und zwar sofort“. Etwas, das von zwei betroffenen Eltern bestätigt wird.

Angefangen hat das Ganze mit einem von der Kindergartenträger in Auftrag gegebenen Gutachten. Zum einen sind die Kirchengemeinden der Diözese Rottenburg-Stuttgart verpflichtet, in fünfjährigem Turnus eine Bauschau in ihren Gebäuden durchzuführen, zum anderen ist der 1965 mitten in der Sauerbrunnensiedlung gebaute Kindergarten „Zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ in die Jahre gekommen. Konarkowski: „Wir wollten einfach prüfen, ob es Mängel und Schäden gibt, ob eine Sanierung ansteht und wie die Einrichtung auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden kann.“

Konkret auf Schimmel zu untersuchen, war eher ein Nachgedanke - mit Blick auf den Hochwasserabend im Mai 2016, an dem auch im Kindergartenkeller das Wasser stand. Damals wurde zwar umfassend saniert, aber weil so viel Feuchtigkeit eingedrungen war, wollte man sichergehen.

Am Montag berichtete die Architektin von einem auffälligen Befund: Schimmelsporen ließen sich feststellen. Die schriftliche Bestätigung liegt erst seit gestern vor, aber so lange wollte auf dem Sauerbrunnen niemand warten. Die Kinder wurden umgehend aus dieser Umgebung genommen, all ihr Spielzeug ließen sie zurück. Im Kindergarten sieht’s entsprechend aus, als werde jeden Moment weitergespielt. Bevor das Sammelsurium aus Bauklötzen, Puppen, Büchern und überhaupt das bewegliche Mobiliar wieder benutzt werden darf, steht freilich eine Desinfizierung an.

Kurze Nächte

Für den Geistlichen war das sicher keine schöne Woche, ebenso wenig für die Kirchenpflege: Konarkowski spricht von kurzen Nächten und vielen Krisengesprächen. Laut Kai Hinderberger, Sprecher der Stadtverwaltung, wurde auch das Ressort Bildung und Wirtschaft über den Schimmelbefall informiert und stehe seither im Austausch mit der Kirchengemeinde.

Die 44 Kinder der Einrichtung stünden an erster Stelle; als Arbeitgeber sei er aber auch den sechs Mitarbeiterinnen verpflichtet, sagt der Pfarrer. Ruhiger wurde er erst, sagt er, als ihm Medizinern bestätigt hätten, dass die Belastung nicht von sonderlicher Brisanz sei, dass zudem jede mögliche Gefahr mit der Herausnahme der Kinder aus den Schimmel-Räumen beendet war: „Wer da noch nicht mit Allergie oder Atemwegserkrankungen reagiert hat, wird es auch nicht mehr“; Spätfolgen werde es nicht geben. Dass Schimmelsporen vielerorts auftreten, auch im Wald, und für einen gesunden Körper ungefährlich seien, habe man ihm ebenfalls gesagt: Nur bei geschwächtem Immunsystem werde es problematisch. Er biete dennoch allen Eltern Unterstützung und die Vermittlung von fachärztlicher Untersuchung an, einfach um ihnen die nötige Sicherheit zu geben. Auch seine Mitarbeiterinnen hätten Kontakt zu Betriebsärzten.

Auf der Suche

Das Roncalli-Haus ist lediglich Not- und Übergangslösung. „Wir prüfen in alle Richtungen, wo und wie wir die Kinder am besten unterbringen“, sagt Pfarrer Konarkowski. Am 28. März gibt es einen Termin mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales KVJS, der als Aufsichtsbehörde die Betriebserlaubnis für ein Provisorium erteilen muss. Ein Container wäre möglich, aber auch ein Wohnhaus, das sich mit einfachen Mitteln als Kindergarten nutzen ließe. Die Kindergartenpädagogik ist auf Naturerleben und den Marchtaler Plan ausgerichtet, dem muss der neue Standort in jedem Fall gerecht werden.

Was auch immer gefunden wird: Es muss dem Kindergarten auf absehbare Zeit ein Zuhause bieten. Ganz gleich nämlich, ob auf dem Sauerbrunnen eine grundlegende Sanierung oder ein Neubau anstehen: Es wird viel Zeit kosten.

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