Karriere Kick it like Smolik

Satteldorf / Guido Seyerle 22.10.2016
Heute München, morgen Italien, übermorgen Satteldorf – Michael Smolik ist viel unterwegs. Dabei sind seine Berufe genauso abwechslungsreich: er ist Schauspieler, Motivationstrainer und Profisportler.

Flying Badboy“ und die „K.o.-Maschine“ heißen die Kampfnamen des 25-Jährigen. Michael Smolik ist als Kickboxer dafür bekannt, dass er seine Gegner schnell durch einen gezielten Niederschlag besiegt. Manchmal reichen ihm dazu wenige Sekunden.

Am Esszimmertisch in der elterlichen Doppelhaushälfte in Satteldorf erlebt man im Gespräch einen höflichen jungen Mann, der genauso gut ein Student sein könnte. Die Schulausbildung dazu hätte er. Seine Karriere bei der Polizei hätte ebenfalls weitergehen können. Doch Smolik entschied sich 2015 für die Profisportler-Karriere. Als Amateur hat er keinen seiner Kämpfe verloren. Nach dem Wechsel zu den Profis wird diese Auszeichnung für immer in Smoliks sportlicher Vita stehen. Seine Bilanz: 28 Kämpfe, 28 Siege, 23 durch K.o.

Frühe Prägung

Mit fünf Jahren ging es mit dem Kampfsport los. Sein Vater war in Polen einer der besten Taekwondo-Kämpfer, also wurden die beiden Söhne ebenfalls entsprechend von ihm ausgebildet. Michaels zwei Jahre jüngerer Bruder Sebastian stieg nach dem Schwarzgurt aus. „Das war eine harte Schule. Wir haben härter als andere trainiert“, sagt Michael Smolik. Er wollte immer besser werden und setzte sich ein hohes Ziel. „In der achten Klasse mussten wir in der Schule aufschreiben, was wir erreichen wollen. Ich schrieb Weltmeister.“

Damals war er 15 Jahre alt und nach eigener Aussage nicht der beste Schüler. „Ich wurde schon etwas gemobbt.“ Aber das war zusätzliche Motivation. „Ich wollte es den anderen zeigen.“ Zehn Jahre später hat Smolik sein Ziel erreicht, er ist mehrfacher Amateur-Weltmeister und nach seinem Knockout von Luca Panto am 10. September in der ersten Runde auch Profi-Weltmeister im Superschwergewicht der Profis.

Die Besten der Besten

Beim Kickboxen sind die Verbände ähnlich zersplittert wie im Boxsport. Smolik hat seinen Titel im größten und wichtigsten Verband gewonnen. Seit 2012 gibt es allerdings noch die „Glory World Series“, in dieser sollen die Besten der Besten kämpfen. „Die Tür steht offen.“ Smolik macht eine kurze Pause. „Vielleicht gehe ich das in einem Jahr an. Jetzt möchte ich zuerst einmal meine mediale Präsenz steigern.“ Da Sat.1 Kickbox-Kämpfe live überträgt, hatte Smolik bereits einen Kontakt in Richtung Schauspiel-Karriere. Der Kontakt zu Filmteams kam allerdings über den SWR zustande, der einen Beitrag über Smolik drehte. „Dann riefen mich RTL und Sat.1 an“, freut sich der Satteldorfer.

Beim Casting musste er einen Text auswendig lernen und einmal frei improvisieren. Das war keine große Prüfung für ihn: „Ich habe ja Erfahrung im TV und war nicht besonders aufgeregt.“ Nun spielt Smolik in der „Ruhrpottwache“ einen Polizisten. Schmankerl am Rande: Der 25-Jährige stieg im „richtigen Leben“ in den mittleren Polizeidienst ein, vor der Kamera hat er den gehobenen Dienst als Kommissar erreicht. Los geht es am Montag um 19 Uhr auf Sat.1. Smolik ist auf jeden Fall am Montag und am Dienstag zu sehen.

Insgesamt wurden 60 Folgen, die montags bis freitags gezeigt werden, abgedreht. Als Einziger der Schauspieler darf Smolik unter seinem eigenen Namen spielen und freut sich: „Das verbessert meine Bekanntheit.“ Der Neu-Schauspieler darf den genauen Inhalt der Sendungen nicht verraten, nur so viel: „Es gibt Festnahmen, bei denen es zu Kickbox-Szenen kommt. Dabei werde ich nicht gedoubelt. Da ist schon Spektakuläres dabei.“ Ob es eine weitere Staffel der Ruhrpottwache geben wird, will der Sender nach dem Anlauf der Serie entscheiden.

Es wird gerappt

Acht bis zehn Wochen vor einem Kampf intensiviert Smolik sein Training nochmals. Dann wird elf Mal in der Woche trainiert, mindestens zwei Mal pro Tag. Aber das fühle sich nicht wie Arbeit an. „Da sage ich nie, oh mein Gott.“ Sollte der Tagesplan nicht ganz ausgefüllt sein, textet der Satteldorfer gerne Rap-Texte. Oder er versucht, über seinen YouTube-Kanal Menschen dafür zu begeistern, mehr aus sich zu machen. Auch an einem Buch, das Ende dieses Jahres erscheinen soll, wird gemeinsam mit einem Freund gearbeitet.

Wer zeitlich so eingespannt ist, hat wenig Zeit für Privates. „Ich suche nicht“, sagt Smolik, als das Gespräch auf das Thema Freundin kommt. Vor eineinhalb Jahren hat er sich von seiner Partnerin getrennt, man verstehe sich aber weiterhin. „Es ist schwer, jemanden zu finden, der meine Art zu leben versteht.“ Dabei ist der Profisportler durchaus ein Familienmensch, seine Mutter Luzie einer seiner größten Fans. Die Hebamme schaut allerdings nicht gerne bei Kämpfen zu. Bei den Profis wird ohne Schutz gekämpft. Smolik traf in einem Kampf den Gegner so unglücklich, dass er fünf Minuten ohne Regung am Boden lag. „Da hatte meine Mutter schon Sorge, dass dem Gegner etwas Schlimmes passiert sein könnte“, sagt der Kickboxer. Aber der Unterlegene erholte sich. Von solchen Niederschlägen blieb Smolik in seinen fünf Kickbox-Jahren bisher verschont. Seine Verletzungen zog er sich im Training zu. Drei Wochen vor einem Kampf brach er sich den Daumen, der mit Schrauben fixiert werden musste. Es kam für Smolik nicht in Frage, den Fight abzusagen. „Ich habe viel im Kopf gemacht, um es noch zu schaffen.“ Der Lohn der Mühen: Der Satteldorfer, der in Ellwangen und München trainiert, gewann den Kampf in der Weltrekordzeit von drei Sekunden.

Kein Wechsel zum Boxen

Ob es ihn nicht reizen würde, zum Boxen zu wechseln? Größere Medienpräsenz und deutlich höhere Kampfbörsen? „Nein, das ist nicht mein Ding. Ich will meine Beine und Füße benutzen.“ Er wolle mithelfen, dass das Kickboxen keine Randsportart mehr ist und er weitere Live-Kämpfe im Fernsehen bekommt.

Über den Jahreswechsel wird Smolik in die USA fliegen und dort Los Angeles und Las Vegas besuchen. Kämpfe von ihm sind dort – zumindest derzeit – nicht geplant. „Aber das wäre cool!“ Zuerst aber geht es nach Italien, wo Smolik Schulungen gibt, unter anderem als Motivationstrainer. Am Montag will er dann vor dem Fernseher sitzen und beobachten, wie er auf dem Bildschirm wirkt: „Ich will immer das Beste erreichen, auch im TV.“

Kämpfe

28 Kämpfe, 28 Siege, 23 davon durch K.o. kann der Satteldorfer Michael Smolik auf seinem Konto verbuchen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel