Rothenburger Halle Japanischer Flughafen wird doch nicht Namenspate

Wird nicht nach dem Flughafen von Tokio benannt: die neue Mehrzweckhalle am Spitaltor-Parkplatz in Rothenburg.
Wird nicht nach dem Flughafen von Tokio benannt: die neue Mehrzweckhalle am Spitaltor-Parkplatz in Rothenburg. © Foto: Harald Zigan
Rothenburg / Harald Zigan 09.08.2018
Die neue Mehrzweckhalle in Rothenburg sollte nach dem Flughafen von Tokio benannt werden. Das Stadtparlament macht aber einen Rückzieher.

Der romantische Reiz des Mittelalters zieht mächtig an – vor allem Japaner: Rothenburg ob der Tauber steht bei den Touristen aus dem Land der aufgehenden Sonne hoch im Kurs, die Besucher aus Fernost belegen nach wie vor Platz 1 unter allen ausländischen Gästen.

Kein Wunder also, dass Rothenburg auch die Kontakte nach Japan hegt und pflegt. Die geschäftstüchtige Liebe zu Nippon hat aber offenbar ihre Grenzen: Der Rothenburger Stadtrat lehnte es ab, die neue Mehrzweckhalle ausgerechnet nach dem Flughafen von Tokio zu benennen.

In Rothenburg mit seinen gerade mal 11 100 Einwohnern tummeln sich jährlich 1,9 Millionen Tagesgäste, in den 65 Beherbergungsbetrieben der Stadt betten 560 000 Touristen ihr müdes Haupt. Die Rothenburger Hoteliers, Einzelhändler und Dienstleister leben gut vom Fremdenverkehr: Nach einer Studie aus dem Jahr 2017 lassen allein die Touristen pro Jahr insgesamt rund 135 Millionen Euro in der Stadt liegen, circa 2300 Arbeitsplätze sind direkt mit dem Tourismus verbunden.

Werbung im Terminal

Eine Hauptrolle für den Fremdenverkehr in Rothenburg spielen die Japaner – auch für die Gäste aus Fernost ist die Stadt an der Tauber der steingewordene Inbegriff des Mittelalters. Im Jahr 2011 besiegelte Rothenburg eine Städtepartnerschaft mit Uchiko, eine Kommune auf der kleinsten der vier Hauptinseln von Japan und rund 850 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Zum internationalen Flughafen Haneda bei Tokio wiederum hat Rothenburg schon seit dem Jahr 2005 ebenfalls eine ganz besondere Beziehung. Der Airport-Chef Isao Takashiro ist bekennender Rothenburg-Fan und zeigt sein Faible für die mittelfränkische Stadt im Terminal 2 des fünftgrößten Flughafens der Welt.

Dort flimmern nicht nur Werbefilmchen für die Tauber-Stadt über die Bildschirme: Die lateinische Inschrift „Pax intrantibus, salus exeuntibus“ („Friede den Eintretenden, Segen den Herausgehenden“) auf dem Spitaltor in Rothenburg ließ Takashiro gleich zwei Mal an den Wänden des Flughafens Haneda anbringen.

Diese tiefe Verbeugung vor Rothenburg und seinen touristischen Schätzen sowie der nahende Ruhestand des Airport-Chefs haben den kommunalen Kultur- und Tourismusausschuss wohl dazu bewogen, dem Stadtparlament einen Namensvorschlag für die im Frühjahr 2017 eingeweihte Mehrzweckhalle direkt am Spital­tor-­Parkplatz zu unterbreiten: „Haneda-Halle“ möge das Gebäude heißen.

Alternativen wie „P-1-Arena“ (in Anlehnung an den Parkplatz), „Steingarten-Arena“ oder „Tauber-Halle“ waren schon zuvor auf keine große Gegenliebe im Gemeinderat gestoßen. Und auch mit einer „Friedrich Hörner-Halle“ als Erinnerung an den NS-Gegner und ersten Rothenburger Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg konnte man sich nicht anfreunden.

Rätselraten erspart

Der städtische Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler hielt vor den Kommunalpolitikern ein leidenschaftliches Plädoyer für die „Haneda-Halle“. Der Gemeinderat aber legte den Vorschlag mit 16 zu 5 Stimmen wieder zu den Akten. Allgemeiner Tenor: Mit dem Namen können Bürger und Gäste nicht viel anfangen. Und womöglich bleibt der Stadt damit auch ein spöttisches Rätselraten erspart, ob es sich bei „Haneda“ vielleicht um die fränkische Variante einer bekannten Haselnuss-Schnitte handelt ...

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