Crailsheim Kinderbibliothek: Keine einsame Leseinsel

Stöbern und Probelesen ist vor dem Ausleihen in der Bücherei im Kreuzberg-Gemeindehaus ausrücklich erlaubt.
Stöbern und Probelesen ist vor dem Ausleihen in der Bücherei im Kreuzberg-Gemeindehaus ausrücklich erlaubt. © Foto: Julia Vogelmann
Kreuzberg / Julia Vogelmann 13.06.2018
Im Herzen des Stadtteils Kreuzberg ist die Kinder- und Jugendbibliothek beheimatet. Ehrenamtliche Helfer leisten dort seit 25 Jahren tolle Arbeit für die junge Generation.

Vor 25 Jahren, als der Stadtteil ganz jung war, hatte Ingrid Schlosser die Vision, ihm eine Bücherei für Kinder und Jugendliche zu geben. Umsetzen konnte sie diese Vision mit Hilfe der evangelischen Kirche, die als Träger einen jährlichen Etat und vor allem kostenlose Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Inzwischen ist die kleine Bücherei, die im Keller des Gemeindehauses beherbergt ist, an die Büchereifachstelle in Stuttgart angeschlossen und läuft unter dem Dachverband evangelischer Büchereien. „Das hat eine absolut ordentliche Struktur. Wir sind keine spinnige, einsame Leseinsel“, fasst Brigitte Macher zusammen.

Seit 1997 ist sie ehrenamtlich in der Bücherei tätig und verbringt jede Woche mehrere Stunden damit, Kindern aus dem Stadtteil, vor allem in den Schulen dort, Literatur nahe zu bringen. Miterlebt hat sie auch den Umzug von der Ladenkirche in das neue Gemeindehaus 1998, wo heute, an das deutsche Bibliothekensystem angelehnt, systematisch geordnete Bücherregale stehen – mit jeder Menge Medien zur Ausleihe.

„Früher hat man sich leichter damit getan, die Kinder zu begeistern, weil es die ganzen neuen Medien noch nicht gab“, blickt Macher ein wenig wehmütig zurück. Doch gleichzeitig sagt sie: „Man muss sich halt was einfallen lassen, um die Kinder zum Lesen zu motivieren. Man muss ja nicht jede gesellschaftliche Entwicklung negativ erfahren.“ Deshalb gibt es in der Bücherei neben Büchern, Hörmedien, DVDs und Brettspielen die Erzählmappen „Kamishibai“ und Ting-Stifte ebenfalls kostenlos zur Ausleihe. „Frau Schlosser hat immer einen Riecher gehabt, war immer voraus und hatte einen gesunden Optimismus“, erklärt Brigitte Macher. Es sei der Bücherei stets gelungen, für die Kinder und Jugendlichen attraktiv und auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

 Dennoch sei es nicht einfach, ein Identifikationsfaktor zu sein in einem Stadtteil, der sich von einer von jungen Familien mit vielen Kleinkindern geprägten Population hin zu einem Stadtteil mit vielen älteren Menschen wandelt. „Das ist der normale Prozess“, sagt sie schulterzuckend.

Umso wichtiger sei es, mit Kooperationen und regelmäßigen Aktionen immer wieder das Interesse zu wecken. So kommen regelmäßig Schulklassen der angrenzenden Astrid-Lindgren-Schule und der Konrad-Biesalski-Schule in die Bücherei und der Kindergarten Lummerland vom Roten Buck macht traditionell einmal im Jahr einen Ausflug auf den Kreuzberg in die Bücherei.

Dazu sind rund zehn Lesepaten in den Kindergärten und Grundschulen im ganzen Stadtgebiet unterwegs, um Kinder für Bücher zu begeistern. „Das Wunderbare ist, die Kooperationen funktionieren und man gibt den Kindern etwas mit an die Hand zum Erwachsenwerden“, freut sich Brigitte Macher.

Die Auswahl der rund 2400 Medien orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder auf dem Kreuzberg. Auch Kinderbücher auf Russisch, Polnisch, Rumänisch und Türkisch, viele auch multilingual, sind dort zu haben.

Heißer Lesekoffer für die Ferien

Die ehrenamtlichen Helfer bieten außerdem Bilderbuchkino und Büchereiführungen an und übernehmen sämtliche anfallenden Arbeiten in der kleinen Bibliothek. Ganz neu haben sie sich das Projekt „Heißer Lesekoffer“ einfallen lassen, das Kindern das Ausleihen, Lesen und vor allem Sprechen über die Bücher näherbringen soll. Mit viel Liebe zum Detail werden rund 35 Bücherkoffer gepackt – mit Neuerscheinungen, die in den Ferien gelesen werden können.

Für die Zukunft der Bücherei, die sich demnächst übrigens räumlich vergrößern wird, hat Brigitte Macher aber auch klare Vorstellungen, wenn es um die nächsten Schritte geht. So könnte sie sich einen Computerplatz vorstellen, an dem auch am PC gelesen und gespielt werden kann. Eilig hat sie es damit jedoch nicht. „Man muss mit kleinen Schritten vorangehen“, so Macher.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel