USA-Erfahrungen Keine Jeans an der Highschool

Christoph Salinger ist derzeit der erste Crailsheimer, der als angehender Lehrer ein Praktikum an der Highschool der amerikanischen Partnerstadt Worthington macht.
Christoph Salinger ist derzeit der erste Crailsheimer, der als angehender Lehrer ein Praktikum an der Highschool der amerikanischen Partnerstadt Worthington macht. © Foto: privat
Crailsheim / Ute Schäfer 09.06.2018

Die Idee, sein drittes und letztes Praktikum als angehender Lehrer für Geografie und Englisch an der Highschool in Worthington zu absolvieren, entstand bei einem Gartenfest in Crailsheim. Christoph Salinger, gebürtiger Crailsheimer und Student der Julius-Maximilians Universität in Würzburg, begegnete 2017 den Eltern der ehemaligen Austauschschülerin Skyla Rautenkranz. Jean und Jason Johnson sind große Freunde der Stadt Crailsheim, und so dauerte es nicht lange, bis Jean Johnson Christoph Salinger auf die Idee brachte, sein Praktikum in Worthington zu machen.

„Die Idee war verlockend. Ich hätte mein letztes Praktikum nicht in den USA machen ­müssen. Wenn man Englisch studiert, macht das aber Sinn“, sagt ­Christoph Salinger. So wurden zielstrebig sämtliche Hürden genommen. Sowohl die Highschool als auch die Universität waren mit dem Vorhaben einverstanden. Nach Erhalt des sogenannten J-1-Visums stand dem Vorhaben nichts mehr im Wege. Ende Februar war es so weit – es ging los. Christoph Salinger ist nun der erste Lehrer-Anwärter aus Crailsheim, der an der Highschool unterrichtet.

Eingewöhnung nicht schwer

Seitdem sind gut drei Monate vergangen. Sich an die neue Um­gebung zu gewöhnen, fiel Salinger nicht schwer. Er wohnt bei Jean und Jason Johnson, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dass etwa die Lehrer an der Highschool keine blauen Jeans tragen, erfuhr er von Jean Johnson. Was folgte, war der Kauf einer ordentlichen Hose. „Ich könnte mir ­keine besseren Gastgeber vor­stellen.“ sagt Christoph Salinger.

Zu Beginn verbrachte er die meiste Zeit mit Hospitieren. Ab Mitte April bekam er dann seinen eigenen „Block“. „Ich unterrichte Geografie und Englisch als Zweitsprache für Jugendliche lateinamerikanischer Abstammung. Dass es hier so viele spanischsprachige Kinder gibt, ist nicht verwunderlich. Über 35 Prozent der hiesigen Einwohner sind lateinamerikanischer Abstammung“, sagt Salinger.

Den Unterricht erteilt er entweder selbstständig oder gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen Patrick Mahoney. Ein „Lehrer-Duo“ macht den Kindern besonders großen Spaß. Aus der schulischen Teamarbeit ist echte Freundschaft geworden. Der amerikanische Lehrer und der deutsche Praktikant unternehmen auch nach dem Unterricht recht viel zusammen.

Was hat den angehenden Lehrer an der amerikanischen Highschool am meisten überrascht? „Zu Beginn war das die Organisation des schulischen Alltags. Die Lehrer bleiben hier immer in ihren Fachräumen, die Schüler wandern je nach Unterrichtsblock von Raum zu Raum.“ Der erste Unterrichtsblock an jedem Tag wird mit der „Pledge of Allegiance“ begonnen. Dabei wird im Stehen die amerikanische Flagge geehrt – jeden Morgen. „Das ist schon sehr feierlich“, berichtet Salinger. Den sportaffinen Studenten aus Crailsheim freut auch, dass dem Sport in der Highschool viel größere Bedeutung zugemessen wird. Sportaktivitäten erstrecken sich auch über den Regel­unterricht hinaus. „Viel Freizeit habe ich nicht. Ich bin jeden Tag von 7.30 bis 14.50 Uhr in der Schule und von 15.30 bis 17 Uhr beim Tennis oder der Leichtathletik. Aber es macht viel Spaß!“

Am Wochenende beim Sport

Und was macht der Crailsheimer Praktikant in der verbleibenden Freizeit? Am Wochenende nehmen ihn seine Gastgeber zu Ausflügen und großen Sportevents wie Basketball der NBA, Fußball von Minnesota United oder Eishockey mit. Den Rest der verbleibenden Freizeit „chillt“ er zu Hause bei den Johnsons oder bei Freunden. „Worthington ist eine kleine Stadt am schönen Lake Okabena. Ich bin gern hier!“

In diesen Tagen geht sein Praktikum zu Ende. Was bleibt, sind Freunde, denen Salinger für die erwiesene Gastfreundschaft und Hilfe unendlich dankbar ist. „Ich habe hier gelebte und wirklich uneigennützige Freundschaft ­erfahren.“ Besser könne man die Vorzüge der Crailsheimer ­Partnerschaft nicht beschreiben.

Info Christoph Salinger hat dem HT diesen Text seiner Erlebnisse zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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