Bundeswehr Kaserne: Zaun dran, Casino zu?

Das Casino hat für jeden Zweck geeignete Räume – auch mit prachtvollem Kronleuchter. Stabsunteroffizierin Jennifer Roth kümmert sich um die Abläufe im Casino. Die Zukunft der traditionsreichen Einrichtung steht allerdings in den Sternen.
Das Casino hat für jeden Zweck geeignete Räume – auch mit prachtvollem Kronleuchter. Stabsunteroffizierin Jennifer Roth kümmert sich um die Abläufe im Casino. Die Zukunft der traditionsreichen Einrichtung steht allerdings in den Sternen. © Foto: Fred Ohnewald
Ellwangen / FRED OHNEWALD 11.11.2016
Um das Bundessprachenzentrum auf dem Ellwanger Kasernengelände wächst ein Zaun, der militärische von ziviler Nutzung trennt. Derweil steckt das Casino in wirtschaftlichen Nöten.

Dass hier zum letzten Mal Soldaten für Ordnung gesorgt haben, ist schon eine Weile her. Zwischen Pflastersteinen und auf den Treppen im Freigelände der Reinhardt-Kaserne in Ellwangen wächst Unkraut, an einer Ruhebank quillt der Papierkorb über. Im Moment sind Bauarbeiter anzutreffen, die eine Zaunanlage aufbauen, die das Gelände des Bundessprachenzentrums vom Rest abtrennen soll. Hauptmann Udo Wichmann-Prehm, Inspektionschef beim Bundessprachenamt, zeigt, wo der Zaun gebaut wird, und wozu.

Die Sprachenschule ist eine militärische Einrichtung, und da muss ein Zaun drum herum. Diese Vorschrift setzt auch der Unmut der Stadt nicht außer Kraft, die nebenan – im sogenannten Z-Gebäude – zusammen mit dem Landkreis die EATA einrichtet, die Europäische Transfer- und Ausbildungsakademie, an der junge Menschen aus europäischen Nachbarländern, aber auch junge Flüchtlinge Deutsch lernen und die Voraussetzungen für einen Beruf erwerben sollen. Bundessprachenzentrum und EATA auf einem Campus, mit gemeinsamer Mensa im bestehenden riesigen Mannschaftsheim, so hatte man sich das bei der Stadt gedacht.

War aber nichts. Die Vorschriften. So wird das Areal des Sprachenzentrums nun eingezäunt. Das ist kein Zaun mit Stachel- oder gar Nato-Draht, denn es ist ja kein militärischer Sicherheitsbereich. Aber es ist nach wie vor ein militärischer Bereich. Übermannshoch ist der Zaun deshalb, mit Toren versehen, und weil es über Wege und Böschungen geht, ist der Bau alles andere als einfach. Das lässt ahnen, dass hier einiges an Geld verbaut wird.

„Es ist ja auch positiv für den von der Stadt genutzten Teil“, ­erklärt Hauptmann Wichmann-Prehm, denn die EATA-Gebäude werden über das große Haupttor an der Hohenstaufenstraße angefahren. Dass damit die gemeinsame Nutzung des Mannschaftsheimes, wo eine Truppenküche 800 Leute auf einmal versorgen könnte, dahin ist, ist eine andere Sache.

An dem Zaun führt eben kein Weg vorbei. Daran gebaut wird voraussichtlich noch bis in den Dezember hinein. Zu dem Bereich des Sprachenzentrums gehört auch das Casino. Das wird von der UHG (Unteroffiziersheimgesellschaft) betrieben. Die Einrichtung kennen viele Ellwanger, obwohl da nie einer einfach reingehen und ein Bier bestellen konnte: Zutritt nur für Mitglieder oder auf Einladung eines UHG-Mitglieds. Zur Kameradschaftspflege, Betreuung vor allem jüngerer Soldaten, für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen, die auch dem Kontakt zwischen Bundeswehr und der Zivilgesellschaft dienen sollen, ist die UHG gedacht.

Hauptmann Udo Wichmann-Prehm hat auch dieses Päckchen zu tragen, denn das Casino macht Sorgen. Seit die Soldaten – bis auf die in der Sprachenschule – weg sind, wird das Casino nur noch wenig genutzt. Im Auftrag des Verpflegungsamtes der Bundeswehr hat das Casino deshalb die Versorgung der militärischen Schüler der Sprachenschule übernommen. Doch das sind nicht so viele wie erhofft. Die meisten kommen aus nicht militärischen Einrichtungen, und für die bezahlt das Versorgungsamt nicht. Also musste Wichmann-Prehm den Casinobetrieb eindampfen, morgens und mittags eine Stunde lang Lunchpakete für die militärischen Schüler, das ist jetzt der Regelbetrieb. „Es ist eine wirtschaftlich schwierige Situation“, umschreibt Hauptmann Wichmann-Prehm das Schicksal des Casinos. Die Unteroffiziersheimgesellschaft sucht ein neues Konzept, neue Bewirtschaftungsmöglichkeiten.

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